Kahlschlag: Credit Suisse streicht 2000 Stellen

Aktualisiert

KahlschlagCredit Suisse streicht 2000 Stellen

Die Credit Suisse erzielt einen Quartalsgewinn von 768 Millionen Franken. Analysten erwarteten mehr. Zudem will die CS weltweit 2000 Stellen abbauen, 500 davon in der Schweiz.

Die Investmentbank der Credit Suisse ist der Grund für einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal: Der Handel mit Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen, den die Grossbank für ihre Kunden ausführt und ihr in guten Zeiten saftige Erträge liefert, läuft nicht gut.

In den Monaten April bis Juni verdiente die Bank unter dem Strich 768 Mio. Franken, nachdem sie im Vorjahr noch 1,6 Mrd. Fr. Reingewinn ausgewiesen hatte. Der Gewinneinbruch fällt heftiger aus als Experten prognostiziert hatten. Analysten konnten sich der Bilanzpräsentation noch vorstellen, dass die CS bis zu 1,3 Mrd. Fr. Gewinn machen könnte.

«Die Ergebnisse liegen unterhalb dessen, was wir erwartet hatten», sagte auch Konzernchef Brady Dougan am Donnerstag in Zürich. Die Schuldenkrise in Europa und eine unsichere Weltwirtschaftslage hielten die Kunden der CS vom Investieren ab. Auch der starke Franken prägt das Ergebnis mit.

Rotstift angesetzt

Der Vorsteuergewinn von 1,1 Mrd. Fr. wäre ohne die Währungskrise um rund 350 Mio. Fr. höher gewesen, rechnete Finanzchef David Mathers vor. Für die CS entsteht das Problem in erster Linie durch den schwachen Dollar. Eine Belastung für die Bank seien aber auch die tiefen Zinsen, merkte Mathers zusätzlich an.

Die CS will als Folge gesunkener Erträge die Kosten um eine Milliarde Franken senken. Als Folge davon setzt die Grossbank den Rotstift an, der vor allem gutbezahlte Investmentbanker um ihre Stelle bringen dürfte. Weltweit sollen von den derzeit gut 50 000 CS-Stellen 2000 wegfallen, davon etwa 500 in der Schweiz.

Somit trifft der Abbau die Schweiz im Verhältnis etwas weniger hart als andere Standorte. Für hiesige Mitarbeiter, die innerhalb der CS keine neue Stelle finden, verspricht die Bank zudem ein Programm zur Weiterbildung oder für die Stellensuche.

Viel Neugeld

Die Folgen des Sparprogramms kosten die CS im laufenden Jahr 400 bis 450 Mio. Franken. 142 Mio. Fr. davon hat die Bank schon im zweiten Quartal verbucht. Aber selbst ohne diesen Sondereffekt zeigten sich die Analysten und Anleger vor allem wegen der Investmentbank enttäuscht vom Ergebnis. Die CS-Aktie verlor bis nach Börsenschluss 1,6 Prozent auf 28,80 Franken.

Weniger harsch formulierten die Finanzexperten ihre Kommentare zur Vermögensverwaltung, der es einiges besser geht. Vor allem zeigt sie einen grossen Zufluss an Kundenvermögen. Das Nettoneugeld der Credit Suisse belief sich im zweiten Quartal auf 14,3 Mrd. Franken, was somit die 8,7 Mrd. Fr. der Konkurrentin UBS weit übertrifft.

Dougan vorsichtig zu US-Untersuchung

Wegen der Vermögensverwaltung könnten auf die CS aber neue Probleme zukommen, nachdem die USA mehrere Banker im Zusammenhang mit möglichen Steuerdelikten von Privatkunden angeklagt haben. Zu den Untersuchungen des US-Justizdepartements gegen die CS äusserte sich Konzernchef Dougan nur sehr zurückhaltend.

«Wir nehmen die Sache sehr ernst», sagte er im Gespräch mit Journalisten. Die Bank arbeite auf beiden Seiten des Atlantiks hart daran, eine Lösung zu finden. Mit Spekulationen, ob sich die Untersuchungen zu einer zweiten Affäre UBS ausweiten, will der US-Bürger Dougan im Moment gar nicht erst anfangen.

Das sagt CS-Chef Dougan zum Stellenkahlschlag und zum Verfahren in den USA.

Rochade in der Konzernführung

In der CS-Chefetage kommt es zu einer Rochade. Der Chef des Schweizer Geschäfts, Hans-Ulrich Meister, übernimmt Anfang August zusätzlich die Leitung der weltweiten Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden, das Private Banking. Dort löst er Walter Berchtold ab, der den weltweiten Ausbau des CS-Privatkundengeschäfts mitgeprägt hat.

«Keinen zweiten Fall UBS»

Für CS-Chef Brady Dougan bedeutet die Untersuchung des US-Justizdepartements gegen die Grossbank wegen möglicher Steuerdelikte ihrer Kunden nicht unbedingt einen zweiten Fall UBS. Die Bank bemühe sich, Vorgaben überall zu erfüllen. «Wir nehmen die Sache sehr ernst», sagte Dougan. Die Untersuchungen, die kürzlich zur Anklage mehrerer CS-Banker in den USA geführt hatten, seien aber nicht nur eine Sache der CS, sondern auch der Regierungsebene. «Wir arbeiten hart daran, eine Lösung zu finden», sagte der CS-Cheef. Dougan äusserte sich nicht zu möglichen Millionenzahlungen, welche auf die CS ähnlich wie 2009 auf die UBS zukommen könnten.

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