27.12.2016 12:15

Strenge RichtlinienCredit Suisse verweigert Kundin Spende für Syrien

Eine Rentnerin wollte Geld für Kinder in Syrien spenden, doch die Credit Suisse führte die Zahlung nicht aus. Daran sind die strengen Regeln der Bank schuld.

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Über 280'000 Menschen sind im 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg ums Leben gekommen, Millionen mussten aus ihren Heimatstädten fliehen: Trümmer nach einem Luftangriff auf die von Rebellen gehaltene Stadt Idlib.

Über 280'000 Menschen sind im 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg ums Leben gekommen, Millionen mussten aus ihren Heimatstädten fliehen: Trümmer nach einem Luftangriff auf die von Rebellen gehaltene Stadt Idlib.

AFP/Omar Haj Kadour
Die Stadt Aleppo liegt in Trümmern.

Die Stadt Aleppo liegt in Trümmern.

Keystone
Verbündete des Assad-Regimes: ein russischer Su-34-Kampfjet in der Luftwaffenbasis Hemeimeem in Syrien. (16. Dezember 2015)

Verbündete des Assad-Regimes: ein russischer Su-34-Kampfjet in der Luftwaffenbasis Hemeimeem in Syrien. (16. Dezember 2015)

Keystone/Vadim Savitsky/Russian Defense Ministry Press Serv

Rentnerin Alice M.* aus St. Gallen wollte für die Betroffenen des Syrien-Kriegs spenden. Sie entschied sich für eine Spende an die in Zürich ansässige Stiftung Jesuiten weltweit. Diese unterstützt unter anderem eine in Syrien karitativ tätige Partnerorganisation. M. beauftragte ihre Bank, 50 Franken zu spenden, und versah den Auftrag mit dem Vermerk «Kinder in Syrien».

Doch die Credit Suisse weigert sich, eine Zahlung auszuführen, die einen Bezug zu einem sanktionierten Land hat, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Syrien ist ein sanktioniertes Land wie auch der Iran, Sudan, Nordkorea oder Kuba.

Geld muss humanitären Zwecken dienen

Taucht bei einer Überweisung ein Schlüsselwort wie «Syrien» auf, prüft die CS im Einzelfall, ob die Zahlung ausgeführt werden soll. Das Geld wird nur dann überwiesen, wenn zweifellos feststeht, dass das Geld für humanitäre Zwecke verwendet wird.

Im vorliegenden Fall muss die CS zum Schluss gekommen sein, die Stiftung eines religiösen Ordens sei nicht primär karitativ tätig. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» kommentiert die Grossbank den Fall nicht.

Auf Schlüsselwörter verzichten?

Pater Toni Kurmann von den Schweizer Jesuiten kann das nicht nachvollziehen: «Wir sind ein religiöser Orden, der mit unserer Stiftung karitativ tätig ist.» Man müsse infolge der strengeren Compliance-Vorschriften nun auf Schlüsselwörter wie «Syrien» oder «Aleppo» verzichten.

Die CS äussert sich nicht dazu, ob Kunden diese Begriffe bei Zahlungen weglassen sollen. Ähnlich bedeckt gibt sich die UBS, die jedoch hinzufügt, dass das Betrefffeld bei einer Überweisung nicht zwingend auszufüllen sei.

*Name bekannt

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten

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