Beschattungsaffäre geht weiter - Credit Suisse wollte den Ex-Mann von Thiams Freundin bespitzeln
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Beschattungsaffäre geht weiterCredit Suisse wollte den Ex-Mann von Thiams Freundin bespitzeln

Die Grossbank hat insgesamt sieben Beschattungen geplant oder durchgeführt. Eine davon soll dem Ex-Mann von Thiams Partnerin gegolten haben. Hat der ehemalige Bankchef sein Privat- und Berufsleben vermischt?

von
Barbara Scherer
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Sieben Überwachungen hat die CS laut Finma geplant und durchgeführt. 

Sieben Überwachungen hat die CS laut Finma geplant und durchgeführt.

20min/Marco Zangger
Bekannt war bisher, dass die Bank den früheren Chef der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, und den ehemaligen Personalchef Peter Goerke überwachen liess.

Bekannt war bisher, dass die Bank den früheren Chef der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, und den ehemaligen Personalchef Peter Goerke überwachen liess.

REUTERS
Die Grossbank hat Personen in Hongkong, New York und London von Detektiven bespitzelt.

Die Grossbank hat Personen in Hongkong, New York und London von Detektiven bespitzelt.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Beschattungsaffäre der Credit Suisse ist grösser als angenommen.

  • Gesamthaft wurden sieben Bespitzelungen durchgeführt und geplant.

  • So soll es Pläne gegeben haben den Ex-Mann der Freundin vom ehemaligen CS-Chef Tidjane Thiam zu überwachen.

Die Beschattungsaffäre bei der Credit Suisse (CS) geht weiter: Insgesamt hat die Grossbank zwischen 2016 und 2019 sieben Überwachungen weltweit geplant und grösstenteils durchgeführt, wie die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) festgestellt hat.

Bekannt war bisher nur, dass die Bank den früheren Chef der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, und den ehemaligen Personalchef Peter Goerke überwachen liess. Die Beschattungen führten zum Rauswurf des früheren Bankchefs Tidjane Thiam.

Nun wird klar, dass es zu weiteren fünf Überwachungen gekommen ist. Dabei wurden Personen in Hongkong, New York und London von Detektiven bespitzelt, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Ausserdem waren nochmals zwei Beschattungen ausserhalb der Schweiz geplant. Diese wurden jedoch nicht durchgeführt.

So hätte laut mehreren Quellen auch der Ex-Mann von Thiams Freundin überwacht werden sollen, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Ob es zur Überwachung kam, ist unklar. Damit steht neu der Verdacht im Raum, dass der ehemalige CS-Chef sein Privatleben mit den Aktivitäten der Bank vermischt haben könnte.

Beschattung als legitime Waffe

Weder die Finma noch die Credit Suisse äussern sich zu der Angelegenheit. Auch Thiams Anwälte wollen die Identität der Zielperson weder bestätigen noch bestreiten. Der Ex-Mann von Thiams Freundin wollte die Bespitzelung nicht kommentieren, wie es weiter heisst.

Thiam hatte 2019 mehrmals abgestritten von Iqbal Khans Überwachung gewusst zu haben. Allerdings bestätigte er damals den Einsatz von Beschattungen. Bespitzelungen seien «eine legitime Waffe, die die Bank manchmal benutzt».

Offen ist, ob der ehemalige Grossbank-Chef von allen sieben geplanten und teils durchgeführten Beschattungen der Credit Suisse wusste.

Neue Regeln für Beschattungen:

Die Finma hat die Überwachungen der Credit Suisse untersucht. Verboten sind solche Bespitzelungen nicht. Allerdings stellte die Finanzmarktaufsicht organisatorische Mängel fest. Darum wurden mehrere Massnahmen für die Grossbank angeordnet. Zum Beispiel muss künftig eine Überwachung von oberster Führungsebene genehmigt werden. So ist künftig die Verantwortung klar geregelt. Kommunikationswege müssen nachvollziehbar sein und dokumentiert werden. Ob die Grossbank diese Massnahmen auch angemessen umsetzt, wird die Finma überprüfen lassen.

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