14.05.2014 09:06

Erstmals Zahlen erhobenCrowdfunding bringt fast 12 Millionen Franken

2013 wurden in der Schweiz 11,6 Millionen Franken via Crowdfunding vermittelt – doppelt so viel wie im Vorjahr. Im globalen Vergleich steckt der Markt noch in den Kinderschuhen.

von
A.Meili
Crowdfunding befindet sich in der Schweiz auf dem Vormarsch.

Crowdfunding befindet sich in der Schweiz auf dem Vormarsch.

Während der persönliche Gang zur Bank oder zu vermögenden Privatpersonen für die Finanzierung von Geschäftsideen und Kulturprojekten früher noch unumgänglich war, bietet Crowdfunding heute ganz neue Möglichkeiten zum Sammeln von Geld. Dabei werden Projekte im Internet auf entsprechenden Plattformen für möglichst viele potentielle Kapitalgeber angepriesen. Nun haben Ökonomen der Hochschule Luzern zum ersten Mal die Zahlen zu Schweizer Crowdfunding-Projekten erhoben. Dazu haben sie dreizehn von vierzehn in der Schweiz aktiven Plattformen befragt und die Zahlen von 2008 bis 2013 zusammengetragen.

Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass in der Schweiz 2013 11,6 Millionen Franken für Crowdfunding-Projekte vermittelt wurden – so viel wie noch nie zuvor. 2012 war es nur die Hälfte, 2011 gar nur ein Viertel. Studienautor Andreas Dietrich ist indes überzeugt, dass der Crowdfunding-Boom gerade erst begonnen hat. «Bis Ende 2014 wird sich das Crowdfunding-Volumen in der Schweiz nochmals verdoppeln und auf rund 24 Millionen Franken ansteigen», so Dietrich im Gespräch mit 20 Minuten.

Plattformen werden mit Projekten überrannt

Auch Johannes Gees, Gründer der ersten Schweizer Crowdfunding-Plattform «wemakeit», glaubt an eine grosse Zukunft des Crowdfundings. «Ich gehe von einem massiven Wachstum in den nächsten Jahren aus. Crowdtechnologien werden in allen Wirtschaftsbereichen Einzug halten, sogar im Banking.»

Seine positive Einschätzung begründet er unter anderem mit den Entwicklungen in den letzten Monaten. «Die Anzahl und die Grösse der Projekte auf unserer Plattform nimmt stark zu. Bücher, für die 20'000 Franken zusammenkommen, sind mittlerweile die Regel», so Gees zu 20 Minuten. Ausserdem finanzieren viele Musiker über «wemakeit» ihre Produktionen – beispielsweise die Basler Band The Bianca Story. Für deren Albumproduktion sind über 90'000 Euro zusammengekommen.

Im Vergleich mit Ausland noch in den Kinderschuhen

Auch Mike Kurt, Mitgründer der Crowdfunding-Plattform «I believe in you», die sich auf Fundingprojekte im Sport spezialisiert hat, bemerkt einen stetigen Anstieg der Projekte: «In den letzten drei Monaten haben wir eine enorme Entwicklung erlebt. Die Anzahl der Projekte ist markant gestiegen.» In der Schweiz gebe es 22'000 Sportvereine und die Finanzierung sei in jedem Verein ein grosses Thema – egal ob im Breiten- oder im Spitzensport. «Und auch der Bedarf an zusätzlichen finanziellen Mitteln bei einzelnen Athleten ist gross», so der Weltklasse-Kanufahrer. Die Quote der ausgeschriebenen Projekte, die auch wirklich finanziert werden, liegt bei «I believe in you» bei über 65 Prozent.

Damit ist die Erfolgsquote ein Prozent über dem Durchschnitt der Plattformen, die für die Studie der Hochschule Luzern untersucht wurden. Insgesamt stieg die Anzahl der Projekte, bei denen tatsächlich Geld floss, 2013 im Vergleich zum Vorjahr von 399 auf 720. Dies entspricht einem Wachstum von rund 80 Prozent. Trotzdem ist der Schweizer Crowdfunding-Markt laut Ökonom Dietrich im internationalen Vergleich immer noch relativ langsam unterwegs – sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ zur Einwohnerzahl. In Grossbritannien beispielsweise lag das Funding-Volumen 2013 bei rund 1,38 Milliarden Franken.

Dass sich die Zahlen in der Schweiz in eine ähnliche Richtung bewegen, bezweifelt Dietrich. Zwar sieht er ein riesiges Potential im Schweizer Markt, aber: «Dass Crowdfunding herkömmliche Kredite einmal überholen könnte, halte ich für sehr unwahrscheinlich», so Dietrich.

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