US-Wahlen: Cruz gewinnt an Gewicht – trotz Niederlage
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US-WahlenCruz gewinnt an Gewicht – trotz Niederlage

Senator Ted Cruz ist es zwar nicht gelungen, Donald Trump im US-Vorwahlrennen den Rang abzulaufen. Aber als Stimme der Konservativen ist er wichtiger geworden.

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W. Weissert/S. Bauer
AP

Auch ein Verlierer kann gewinnen. Ted Cruz hat im US-Vorwahlrennen gegen Multimilliardär Donald Trump aufstecken müssen. Aber das heisst nicht, dass der Senator aus Texas ein Verlierer auf der ganzen Linie wäre. Cruz wird wahrscheinlich nach seinem doch beachtlichen Abschneiden weit vor dem Rest des republikanischen Bewerberfeldes in der absehbarer Zukunft zu den führenden Stimmen der Partei gehören.

Ob er sein Gewicht einsetzt, Trumps voraussichtlichen Kampf ums Weisse Haus gegen die Demokratin Hillary Clinton zu unterstützen, ist nach den hässlichen Wahlkampftönen zwischen ihm und dem Immobilienmogul weniger klar. Vielleicht hält er sich heraus, konzentriert sich erst einmal darauf, seine eigene Position als Verfechter konservativer Anliegen, Störenfried im Senat und Star texanischer Politik zu festigen.

Trump über Cruz im ABC-Interview

Immer noch die Nummer eins in Texas

Es stehe ausser Frage, dass Cruz die Nummer eins in Texas bleibe, auch wenn er US-weit hinter Trump zurückgefallen sei, sagt Matt Mackowiak, ein politischer Berater aus dem südlichen US-Staat. «Es gibt niemanden, dessen Unterstützung (für den Spitzenkandidaten) mehr bedeuten würde, und es gibt keinen, der besser organisiert wäre», so der Experte. «In meinen Augen ist er derzeit der führende texanische Kopf und auf nationaler Ebene der Führer der konservativen Bewegung. Das war nicht der Fall, als das Rennen begann.»

Im Senat hat Cruz sich wiederholt mit den Spitzen beider Parteien angelegt, anstatt sich bei der Gesetzgebung oder in anderen Fragen kooperativ zu zeigen. Und in seinem Wahlkampf zügelte er sich keineswegs, sondern pflegte sein Image als konservativer Kämpfer und «Enfant Terrible» im Senat geradezu - ein Ansatz, der viele Republikaner zutiefst beunruhigte, als sich Cruz als letzte überlebensfähige Alternative zu Trump herauskristallisierte.

Gegen Obamas Gesundheitsreform

Der Texaner war erst Anfang 2013 in den Senat eingezogen. Aber er nutzte seine kurze Zeit in Washington vor dem Einstieg ins Präsidentschaftsrennen dazu, sich mit Eifer in Auseinandersetzungen um umstrittene nationale Fragen zu engagieren - auf eine Weise, die seine politische Karriere förderte.

Mit einer Art Dauerrede über Nacht im Kongress konnte er zwar die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama nicht stoppen, aber sie trug ihm nationale Aufmerksamkeit ein. Eine weitgehende Lahmlegung der Regierungsgeschäfte, die er 2013 im Streit um Streit um Schulden und Sparmassnahmen erzwingen half, brachte die Republikaner am Ende nicht ans Ziel - aber sie machte Cruz in konservativen Zirkeln an der Basis zu einem Helden.

Brendan Steinhauser, ein früherer Organisator der radikalkonservativen Tea Party, meint, dass Cruz mit dem selben Rezept weiter Erfolg haben kann: «Ich glaube, er muss weiter kämpfen und der sein, der er ist.» Es gebe offensichtlich eine Menge mehr Leute, die ihm jetzt als Senator Aufmerksamkeit schenken würden. «Er hat einiges an politischem Kapital», so Steinhauser. «Es kommt darauf an, wie er es verwenden will.»

Cruz und Trump sollen sich versöhnen

Seiner Spitzenstellung in Texas, dem grössten konservativen US-Staat, braucht Cruz nicht viel Aufmerksamkeit widmen: Sie ist ihm derzeit sehr sicher. 2018 muss sich Cruz erstmals als Senator zur Wiederwahl stellen, aber aus dem eigenen Lager zeichnet sich kein ernsthafter Gegenkandidat ab. Auch danach wird Cruz wahrscheinlich kaum zittern müssen: Seit 21 Jahren hat in Texas kein Demokrat bei Wahlen auf staatlicher Ebene gewonnen.

Vizegouverneur Dan Patrick, einer der grössten Anhänger von Cruz, wünscht sich, dass sich der Senator und Trump nun versöhnen. «Das Rennen zwischen den beiden war sehr hitzig», schrieb er auf Facebook. «Aber ich hoffe, dass sie früher oder später ihr Verhältnis reparieren können.»

Zumindest eine rasche Unterstützungserklärung von Cruz ist aber unwahrscheinlich. Dazu sind zu viele böse Worte gefallen. Als Cruz am Dienstagabend nach der verlorenen Vorwahl in Indiana das Handtuch warf, erwähnte er Trump nicht, aber nur wenige Stunden davor hatte er ihn als «äusserst unmoralisch», einen «pathologischen Lügner» und notorischen «Schürzenjäger» bezeichnet.

Cruz will an die Macht

Anfangs hatte Cruz noch gezögert, den Multimilliardär frontal anzugreifen. Im Gegenteil bezeichnete er Trump noch als «grandios», als sich andere republikanische Bewerber bereits mit dem Spitzenreiter anzulegen begannen - und erfuhren, dass es mit ihren Umfragewerten bergab ging. Aber dann verschlechterte sich das Verhältnis, und im Januar ging Cruz schliesslich auf Konfrontationskurs mit Trump, der ihn immer wieder als «Lying Ted» («Lügender Ted») angriffen hat.

Cruz hätte auch nach Indiana im Rennen bleiben können, aber ohne plausible Begründung und mit der Gefahr, durch weitere Breitseiten von Trump beschädigt zu werden. Das könnte ihm anhängen, sollte er sich 2020 erneut ins Rennen ums Weisse Haus stürzen - wovon viele ausgehen. «Ganz klar ist er nicht gekommen, um im Senat zu bleiben», sagte John Cornyn, der zweite und dienstältere Vertreter von Texas in der Washingtoner Kongresskammer. «Er kam, um sich um die Präsidentschaft zu bewerben.»

Sich nicht hinter Trump zu stellen, könnte sich als klug erweisen, sollte der New Yorker klar gegen seine voraussichtliche Rivalin Hillary verlieren. So manche Cruz-Anhänger hätten es aber auch um konservativer Prinzipien willen lieber, wenn der Senator den Namen Trump vorläufig nicht erwähnen würde. Er müsse sich ja nicht gegen ihn aussprechen, heisst es, sondern einfach nur schweigen.

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