Juso-Forderung: Crystal-Meth-Konsum soll ab 16 legal sein
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Juso-ForderungCrystal-Meth-Konsum soll ab 16 legal sein

Die Jungsozialisten wollen alle Drogen legalisieren. Fachleute halten dies für sinnvoll – politisch dürfte das Anliegen jedoch keine Chance haben.

von
jbu
Der Konsum von Crystal Meth führt laut Fachleuten schnell zu einer schweren psychischen Abhängigkeit.

Der Konsum von Crystal Meth führt laut Fachleuten schnell zu einer schweren psychischen Abhängigkeit.

Keystone/AP/Michael Probst

Während sich die Schweizer Parteien noch uneinig sind, ob der Konsum von Cannabis in der Schweiz dereinst legalisiert werden soll, gehen die Jungsozialisten bereits einen Schritt weiter. An ihrer Versammlung am nächsten Samstag werden die Delegierten der Jungpartei über einen Vorstoss befinden, der die Legalisierung sämtlicher Drogen verlangt. Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» schreibt, peilt die Juso-Geschäftsleitung einen grundlegenden Richtungswechsel in der Schweizer Drogenpolitik an. Jede Droge – egal wie hart – soll in der Apotheke erhältlich sein.

Auf Anfrage bestätigt Juso-Chef Fabian Molina: «Um den Schwarzmarkt zu unterbinden, gibt es langfristig keine andere Möglichkeit, als sämtliche Drogen zu legalisieren.» Es gehe keinesfalls darum, die schädlichen Auswirkungen von Drogen wie Crystal Meth oder Heroin zu verharmlosen. «In Anbetracht der Tatsache, dass der weltweite Drogenkonsum zunimmt und der Handel komplett in den Händen von mafiösen Strukturen liegt, braucht es aber neue Lösungen.» Konkret schlägt die Juso vor, dass es in der Schweiz ein staatliches Monopol auf den Drogenhandel gibt. «So könnte die Qualität der Substanzen besser kontrolliert und der Preis staatlich festgelegt werden.» Das Mindestalter für legalen Konsum soll 16 Jahre betragen, zudem sollen die Präventionsanstrengungen verstärkt werden.

Vorschriften für Zusammensetzung

Fachleute sprechen sich bereits seit geraumer Zeit für eine Legalisierung aller Drogen aus. Toni Berthel, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen, sagt in der «Zentralschweiz am Sonntag», es sei besser, den Umgang mit allen Substanzen zu regeln als sie aus Prinzip zu verbieten. Und Ex-Gesundheitsministerin Ruth Dreifuss (SP) fordert: «Wie bei Alkohol und Tabak braucht es bei allen Drogen klare Regelungen, die bestimmen, wo und wie sie konsumiert und in welcher Zusammensetzung und Konzentration sie produziert und zugänglich gemacht werden können.»

In der Politik dürfte das Anliegen jedoch vorerst chancenlos bleiben. Selbst in der Mutterpartei unterstützen die Juso-Forderung längst nicht alle. Insbesondere bei den Westschweizer Vertretern der Partei ist die Skepis gross. In den Reihen der Bürgerlichen gibt es zwar Exponenten, die sich für eine Liberalisierung der Drogenpolitik stark machen. Auch für sie gibt es jedoch klare Grenzen. FDP-Nationalrat Daniel Stolz sagt, harte Drogen seien gefährlicher und machten schneller süchtig als Cannabis. Eine regulierte Freigabe sei für ihn deshalb undenkbar.

Für Juso-Chef Molina ist diese Argumentation «intellektuell nicht redlich»: «Entweder man sagt, die Prohibition funktioniert und die Leute konsumieren dadurch weniger Drogen – oder man geht davon aus, dass Verbote nichts bringen, und versucht, den Handel so gut als möglich zu kontrollieren.» Warum dies bei Cannabis anders funktionieren sollte als bei Heroin, erschliesse sich ihm nicht. Man werde nun versuchen, die Forderung über SP-Politiker auf parlamentarischer Ebene einzubringen. Auch eine Volksinitiative zum Thema sei mittelfristig denkbar.

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