4000 Stellen weg: CS-Banker fürchten sich vor Massenentlassungen
Aktualisiert

4000 Stellen wegCS-Banker fürchten sich vor Massenentlassungen

Die Credit Suisse streicht wegen eines Milliardenverlusts Tausende Jobs. In der Schweiz sind rund 1600 Stellen betroffen. Die Aktie der CS fiel um über 11 Prozent.

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kwo/vb

Die Credit Suisse schreibt für das Jahr 2015 einen Verlust von 2,94 Milliarden Franken. Hauptgrund für die tiefroten Jahreszahlen sind Wertberichtigungen in der Investmentbank. Aber auch Restrukturierungskosten und weitere Rückstellungen belasten das Ergebnis.

Der bereits angekündigte Stellenabbau von rund 4000 Stellen soll schneller umgesetzt werden als geplant. Zum Abbau habe man sich wegen «des besonders schwierigen Umfelds» entschieden, sagte CS-Chef Tidjane Thiam. Betroffen vom Abbau sind neben den Mitarbeitenden auch Auftragnehmer und Berater. Gemäss Angaben vom Oktober fallen in der Schweiz 1600 Stellen weg.

Grosse Verunsicherung bei Mitarbeitern

«Kein CEO hat je jemanden gerne entlassen. Manchmal ist das notwendig zum Schutz der Firma», sagte Thiam vor Journalisten in Zürich. «Wir versuchen, den Abbau über natürliche Abgänge zu erreichen.» Ob das noch möglich ist, ist laut Analysten allerdings fraglich.

Laut dem Schweizer Bankenpersonalverband (SBPV) liegt es nahe, dass es statt des Abbaus über die natürliche Fluktuation zu Massenentlassungen kommen wird. «Wir fordern die CS auf, die geplanten Massnahmen den Mitarbeitenden und den Sozialpartnern offenzulegen», schreibt der Verband. Bei den Angestellten in der Schweiz herrsche wegen des Stellenabbaus eine «grosse Verunsicherung».

«Ich kann nicht täglich auf den Kurs schauen»

Die Aktien der CS gingen als Reaktion auf das Jahresergebnis am Donnerstagmorgen auf Talfahrt. Kurz vor Mittag notierten die CS-Papiere über 11 Prozent im Minus.

An der Pressekonferenz erklärte CS-Chef Thiam, dass er nicht verleugnen könne, dass der Aktienkurs gefallen sei. «Aber was ich tue, hat mit dem kurzfristig sinkenden Kurs nichts zu tun. Als CEO kann man nicht täglich auf den Kurs schauen. Man muss längerfristig denken. Es wäre ein Fehler, dem Geist der Kurzfristigkeit nachzugeben», so der Manager.

Analysten sprechen von einem Desaster

In Analystenkreisen zeigt man sich erschüttert, was die CS-Geschäftsentwicklung im Schlussquartal 2015 anbetrifft. Die Deutsche Bank spricht in einem Kommentar schlicht von «schwachen Resultaten» infolge eines schwachen Anleihen-Geschäftes und von Kostendruck. Bei Vontobel äussert man sich genau gleich, wobei hier die «enttäuschenden Kapitalquoten» speziell erwähnt werden.

Andere Analysten reden gar von einem «Desaster». Die Erträge seien dem Unternehmen regelrecht weggebrochen, heisst es etwa. Als «Fels in der Brandung» wird dabei einzig die Universalbank Schweiz gesehen. In allen anderen Geschäftszweigen seien dagegen die Ergebnisse deutlich schwächer als erwartet ausgefallen.

Weniger Boni

Sparen will die CS auch bei den Bonuszahlungen. Die total zu entrichtende variable Vergütung wurde im vergangenen Jahr um 11 Prozent gesenkt. So wurden für 2015 insgesamt variable Entschädigungen im Umfang von 2,9 Milliarden Franken gesprochen. Im Vorjahr waren der Belegschaft noch 3,3 Milliarden Franken zugesprochen worden, im Jahr 2013 gar 3,6 Milliarden Franken.

Zu den schwierigen Faktoren zählt die CS die Sorgen um die chinesische Konjunktur, den Einbruch der Ölpreise oder die gegenläufige Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken. Die beschlossenen Sparmassnahmen sollen die Fixkosten um jährlich 500 Millionen Franken senken.

Was CS-Chef Thiam an der Pressekonferenz gesagt hat, sehen Sie im Liveticker:

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