Analyse: CS-Chef Brady Dougan kriegt Schonfrist
Aktualisiert

AnalyseCS-Chef Brady Dougan kriegt Schonfrist

Der angelsächsische CEO der CS kann sein geliebtes Investmentbanking aufpolieren. Dafür hat ein ganz anderer Bereich jetzt kräftig Probleme.

von
Lukas Hässig
Brady Dougan - seine Tage bei der CS sind gezählt.

Brady Dougan - seine Tage bei der CS sind gezählt.

Die Schonfrist wird verlängert. CS-Konzernchef Brady Dougan sieht mit einem OK-Resultat in der Investmentbank leichte Morgenröte. Das gibt dem Finanzmulti Zeit für eine geregelte Nachfolge.

Diese bleibt nach den Resultaten zum 1. Quartal 2012 weit oben auf der Prioritätenliste. Unter dem Strich erzielte die Credit Suisse nur ein Rinnsal von Reingewinn von 44 Milliönchen. Sie begründet dies mit hohen Bewertungsverlusten.

Für die Investmentbank weist sie einen rechten Gewinn vor Steuern von 993 Millionen aus. Das sind deutlich mehr als die 625 Millionen in der Vermögensverwaltung. Im Vorquartal wies die Investmentbank noch einen hohen Verlust aus.

Brady wird gehen – aber nicht sofort

Nach dem Pendelumschwung in der Investmentbank geht es um die zentrale Frage, wer die CS in die Zukunft steuern soll. Brady Dougan wird es nicht sein. Aber er muss auch nicht Hals über Kopf abgelöst werden, was unkalkulierbare Risiken mit sich gebracht hätte.

Der Amerikaner hat die Nummer 2 der Schweizer Grossbanken seit 2007 durch stürmische See gesteuert. Er hat sich als integrer, fleissiger Topbanker einen Namen gemacht, der die Bank in- und auswendig kennt und sie auf der globalen Bühne und bei den Grosskunden vertreten kann.

Keine klare Vision

Was Dougan nicht geschafft hat ist, der Bank eine klare Vision für die zukünftige Bankenlandschaft zu verpassen. Er spricht viel von neuem Banking, mit weniger Risiken, mehr Kapital und stabileren Gewinnen.

Auf dem Weg dorthin vergeht aber viel Zeit. Die Aktionäre sind unzufrieden mit der Kursentwicklung und fragen sich, wann sie mit ihren CS-Titeln endlich wieder einmal auf einen grünen Zweig kommen.

CS ist Feuer und Wasser

Das Kernproblem der Bank hat sich unter Dougan eher akzentuiert. Die CS ist nach wie vor eine grosse Investmentbank. Bester Beweis dafür ist das aktuelle Resultat. Es war der «Swing» im Handels- und Anleihengeschäft, der für eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen gesorgt hat.

Wie sich Investmentbank und Vermögensverwaltung als Feuer und Wasser jemals erfolgreich verbinden sollen, bleibt das Rätsel von Dougan&Co. Mal crasht das eine, dann boomt das andere. Einzige Konstante dieses Modells sind die hohen Boni, die vom Investmentbanking getrieben sind.

Das illustrieren die Zahlen für die Monate Januar bis März, die sich mit der Brille des Managements ganz anders lesen als aus dem Blickwinkel des Shareholders. «Wir sind gut ins Jahr 2012 gestartet», verkündet CS-Chef Dougan per Communiqué und verweist auf einen «normalisierten» Reingewinn von gut 1,3 Milliarden.

Buchhaltungs-Zauber

Aus Aktionärssicht ist diese «Normalisierung» reiner Buchhalter-Zauber. Die nackte und brutale Wahrheit kommt in der klassischen Rechnungslegung zum Vorschein.

Dort werden die erwähnten 44 Millionen auf die Anzahl ausstehender Aktien verteilt. Das führt zu einem Gewinn pro Aktie von 3 Rappen. Die Eigenkapitalrendite beträgt damit mickrige 0,5 Prozent, weniger als biedere Eidgenossen-Obligationen abwerfen.

Wie schlecht der Shareholder mit der CS fährt, zeigt der Vergleich von Buchwert und Aktienkurs. Zieht man von allen Aktiven in der CS-Bilanz sämtliche Schulden ab und teilt den so verbleibenden Buchwert auf die Aktien auf, resultiert ein Buchwert pro Aktie von 27.43 Franken. Gestern schloss die CS-Aktie bei 23.55 Franken. Bis zum Buchwert fehlen über 15 Prozent.

Work in Progress in der Vermögensverwaltung

Vor allem in der Vermögensverwaltung ist die CS noch nicht dort, wo sie hin will. Mit verschiedenen Massnahmen, darunter der umstrittenen Integration der Tochterbank Clariden Leu, soll der Vorsteuergewinn ab 2014 um 800 Millionen im Jahr erhöht werden. Einen Grossteil davon erhofft sich die Rennleitung durch tiefere Kosten. Im ersten Quartal ging diese Rechnung nicht auf. Die Kosten sanken nur um 2 Prozent.

Im Vergleich zum Vorquartal genügte das für ein Gewinnplus. Nimmt man aber das erste Quartal von 2011 als Vergleichsgrösse, sieht es um das Private Banking der CS schlecht aus. Der Vorsteuergewinn sackte bei dieser Betrachtung um 27 Prozent ab.

«Work in Progress», könnte man die Arbeiten im CS-Private-Banking nennen. Dauert das länger als geplant, dann droht bei einem erneuten Absturz in der Investmentbank das nächste Donnerwetter. Die Zeit bis dahin muss Ober-Stratege Urs Rohner als Präsident der CS dazu nutzen, den für die nächste Phase im Leben der Bank richtigen operativen Steuermann zu bestimmen.

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