Lehman-Brothers-Pleite: CS-Lehman-Opfer: Grenzenloser Ärger

Aktualisiert

Lehman-Brothers-PleiteCS-Lehman-Opfer: Grenzenloser Ärger

Viele CS-Anlage-Opfer haben sich bei 20 Minuten Online gemeldet und geschildert, wie sie von Beratern der Credit Suisse dazu gedrängt wurden, in Lehman-Papiere zu investieren.

Die Mutter von Frau A. liess sich im Sommer 2007 frühpensionieren und erhielt das gesamte Pensionskassenguthaben ausbezahlt. Eine CS-Beraterin versuchte, nachdem der Betrag auf dem Konto eingegangen war, die Mutter telefonisch zu erreichen. Vorerst ohne Erfolg. Was weiter geschah, erzählt Frau A.:

«Nach einem Beratungsgespräch sagte meine Mutter, sie glaube, dass die Beraterin mehr Interesse am Geld habe, als sie selbst. Ihr selbst ging es nämlich nie um die Vermehrung des Kapitals; sie wollte lediglich ihr Erspartes in Sicherheit wissen. Die Beraterin meinte, es sei schade, alles auf dem Sparkonto zu belassen und sie hätte da eine Alternative. Nach Rücksprache mit Familienmitgliedern erklärte sich meine Mutter bereit, in Bundesobligationen anzulegen.

«100 Prozent Kapitalschutz»

Die Beraterin riet ihr aber, auch einen Betrag in Lehman-Papiere zu investieren. Diese seien 100 Prozent kapitalgeschützt und würden mehr Zinsen abwerfen. Das einzige Risiko bestehe darin, am Ende der Laufzeit und schlechtem Geschäftsgang nicht einmal den Minimalzins von 2 Prozent zu erhalten. Meine Mutter sagte der Beraterin, momentan brauche sie das Geld nicht und sie solle sie hierbei wie ihre eigene Mutter beraten und behandeln, da sie selber gar nichts von Anlagen verstehe und sich auch nie darum gekümmert oder darüber informiert habe. Meine Mutter dachte, sie tue der Bank damit etwas Gutes, und dass das Vertrauen auf Gegenseitigkeit beruhe.

Tochter zu Lehman-Investition gedrängt

Bevor meine Mutter aber dieses Geschäft abgewickelte, erklärte sie der Beraterin, dass sie mir vom Pensionskassenguthaben zuerst einen Teil schenken wolle. Das war schnell gemacht und kurz danach wiederholte sich das Verhaltensmuster. Die für mich zuständige Beraterin kontaktierte mich, noch bevor ich selbst die Gutschriftsanzeige in den Händen hatte. Vorher hatte ich noch nie etwas von ihr gehört. Ich sollte bei ihr zu einem Gespräch vorbeikommen. Beim Gespräch sagte ich ihr, dass ich das Geld aus der Schenkung nie anrühren werde, solange meine Mutter noch lebe, und dass der Betrag immer zu ihrer Verfügung stehe. Die Beraterin versicherte auch mir, dass das Kapital nach Laufzeit zurückbezahlt würde - vielleicht ohne Zins, aber zu 100 Prozent.

Das veranlasste mich ebenfalls, den vollen Betrag in Lehman-Papiere anzulegen. Ich habe auf die Beraterin mit ihren guten Argumenten gehört und ihr voll vertraut, vor allem, weil sie sich so verständnisvoll in Bezug auf meine Mutter zeigte. So erzählte sie mir, dass auch sie mit ihrer Mutter solch ein enges Vertrauensverhältnis habe wie ich.

165 000 Franken verloren

Fakt ist, dass meine Mutter und ich von den CS-Mitarbeiterinnen angegangen wurden und dies so lange, bis wir zum Gespräch vorbeikamen. Wir haben ihnen vertraut und glaubten, wenn es gut laufen würde, bekämen wir etwas vom Gewinn und wenn nicht, hätten wir wenigstens unsere Einlage wieder zurück. Wir beide sind kleine Sparer und seit fast 40, bzw. 20 Jahren bei der CS. Wir haben 165 000 Franken verloren und sowohl meine Mutter als auch ich haben einen Absagebrief erhalten. Die beiden Beraterinnen arbeiten nicht mehr in der Filiale.»

Die Kundenberaterin als Ghostwriterin

Auch Herr B. hat eine interessante Geschichte zu erzählen:

«Meine betagte Mutter hat auf Anraten ihrer Bankberaterin Lehmann-Papiere bei der CS gekauft. Nach dem Totalverlust setzte die Kundenberaterin unter dem Siegel absoluter Verschwiegenheit sozusagen als Ghostwriterin meiner Mutter höchstpersönlich ein Schreiben gegen die CS auf. Darin bestätigt die Kundenberaterin selbst, dass sie das Finanzprodukt als absolut sicher verkauft habe.»

Herr B. ist deswegen überzeugt: «Entweder hat die Bankberaterin es unterlassen, sich selbst richtig zu informieren oder sie ist von ihrer Bank nicht richtig informiert worden.»

100 000 Franken verloren – trotz zugesichertem Kapitalschutz

Herr C. ist seit über 20 Jahren CS-Kunde. Eine CS-Festgeldanlage wurde jeweils auf Empfehlung der Bank über mehrere Monate verlängert. Ende November 2007 war das Festgeld wieder fällig und Herr C. erhielt einen Anruf seiner Bank:

«Ich wurde gefragt, ob ich das Geld in naher Zukunft brauche. Als ich verneinte, sagte der CS-Berater, er würde mir diesmal ein anderes Produkt empfehlen. Dieses sei vom Zins her mindestens so interessant wie das Festgeld, biete aber zusätzlich den Vorteil eines 100 prozentigen Kapitalschutzes. Er sandte mir ein E-Mail samt Beilage und empfahl mir die Anlage als 'Alternative zum fälligen Festgeld'; diese sei 'VOLL kapitalgeschützt' (Hervorhebung durch CS, E-Mail liegt der Redaktion vor). Als wir kurze Zeit später wieder telefonierten, erklärte der Berater, ich müsse bei dieser Anlage mindestens 100 000 Franken investieren - weniger mache keinen Sinn. Als ich einen Moment lang zögerte, versicherte er mir abermals, ich ginge ja keinerlei Risiko ein; im schlimmsten Fall würde ich 100 Prozent des investierten Kapitals zurückerhalten.

Schliesslich sagte ich zu und dachte nicht mehr an die Sache. Als im September 2008 die Medien von der Finanzkrise berichteten und immer wieder der Name Lehman fiel, kam mir dieser bekannt vor und ich rief die CS an. Zu meiner völligen Verblüffung wurde mir erklärt, ich müsse im schlimmsten Fall mit einem Totalausfall rechnen. Vielleicht lasse sich das Papier noch auf dem Sekundärmarkt verkaufen – das sei aber sehr unwahrscheinlich. Immerhin könne ich mich damit trösten, einer relativ hohen Gläubigerkategorie anzugehören.

Ich war sprachlos. Als ich darauf hinwies, dass mir doch voller Kapitalschutz zugesichert worden war, gab man mir zur Antwort, das gelte in diesem Fall nicht, denn das Emittentenrisiko liege beim Kunden. Ich würde mit 100 000 Franken niemals ein Risiko eingehen. Ich habe die Anlage, vor allem in dieser Höhe, ausschliesslich deshalb getätigt, weil mir die CS dazu geraten und vollen Kapitalschutz zugesichert hatte. Von Lehman, Emittent oder Emittentenrisiko war nie die Rede gewesen – weder im erwähnten Mail noch im Telefongespräch mit dem Berater.»

Factsheet mangelhaft?

Herr C. lässt am Factsheet, das die Anlage beschreiben soll, kein gutes Haar:

«'Lehman', 'Emittent' oder 'Emittentenrisiko' kommen weder in der Kurzbeschreibung noch unter Risiken vor. Das Versprechen «100 Prozent Kapitalschutz» begegnet einem insgesamt fünfmal, aber kein einziges Mal in Verbindung mit dem Namen Lehman. Unter Risiken finden sich keinerlei Hinweise auf eine mögliche Rückzahlung von weniger als 100 Prozent des investierten Kapitals. Die Information, dass das Produkt nicht von CS emittiert wird, findet sich erst im kleingedruckten Disclaimer. Das Factsheet kommt im typischen CS-Branding daher. Logo, Grafik und Farbgestaltung vermitteln ganz klar den Eindruck: Hier kauft man ein CS-Produkt.»

Im kleingedruckten Disclaimer heisse es schliesslich auch, dass das «Dokument ein persönliches Gespräch mit dem Relationship Manager nicht ersetzen» könne. Für C. ist klar: «Was mir der Relationship Manager zu sagen hatte, kann man zum Glück schwarz auf weiss im E-Mail nachlesen: Die Anlage ist 'VOLL kapitalgeschützt'- unterzeichnet von xy, Relationship Manager CREDIT SUISSE'». Die CS hingegen gehe beim Ablehnungsschreiben mit keinem Wort auf das E-Mail ein.

Kundentreue wird bestraft

Herr D. ärgert sich darüber, dass die CS nicht auf die jeweiligen Fragen eingeht, sondern nur mit einem Standardbrief antwortet.

«Ich bin sehr enttäuscht von der CS und fühle mich unglaublich ohnmächtig über das Machtgefälle zwischen der grossen CS und mir als Kleinanleger. Wie kann ich die CS dazu bringen, mir meine Fragen zu beantworten? Den eingeschriebenen Brief mit allen Fragen hat sie ja nur mit einem Standardbrief beantwortet. Ich möchte einerseits eine Stellungnahme zu meinem Fall und andererseits finde ich es eine Frechheit, dass die CS Rückzahlungskriterien benennt, sich aber nicht daran hält! Der Anleger-Selbsthilfe sind verschiedene Fälle bekannt, bei denen die entsprechenden Entschädigten die beiden Kriterien nicht erfüllt haben, aber trotzdem einen grossen Teil des Verlustes zurückbezahlt bekamen. Darüberhinaus möchte ich wissen, weshalb die CS den Stichtag auf den 31. August 2008 festlegt. Kunden, die beim Kauf der Lehman-Papiere über 50 Prozent ihres Vermögens investiert hatten und in der Zwischenzeit der CS die Treue hielten (also alles verdiente Geld zur CS brachten anstatt es auf weitere Banken verteilten) und deshalb am 31. August 2008 weniger als 50 Prozent in Lehman-Produkte investiert hatten, haben nun das Nachsehen. Es kann doch nicht sein, dass Kundentreue bestraft wird!»

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