26 Angestellte klagen - Mobbing und Ausraster – CS weist Vorwürfe zurück
Publiziert

26 Angestellte klagenMobbing und Ausraster – CS weist Vorwürfe zurück

Warnbriefe, Beschimpfungen, persönliche Angriffe: 26 Mitarbeitende beklagen sich über eine vergiftete Arbeitskultur in der Nahost-Niederlassung der Credit Suisse.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Angestellte der CS-Niederlassung im Nahen Osten und Afrika haben Angst vor ihrem Chef.

Angestellte der CS-Niederlassung im Nahen Osten und Afrika haben Angst vor ihrem Chef.

Getty Images via AFP
Sie werden von ihm bedroht und beschimpft, sagten 26 Angestellte gegenüber Bloomberg.

Sie werden von ihm bedroht und beschimpft, sagten 26 Angestellte gegenüber Bloomberg.

Getty Images/500px Prime
Sie berichten von einem übermässigen Leistungsdruck.

Sie berichten von einem übermässigen Leistungsdruck.

Getty Images via AFP

Darum gehts

  • CS-Angestellte beklagen sich über ihren Chef.

  • Er soll sie beschimpft und beleidigt haben.

  • Mindestens fünf Top-Banker und über 20 Junior Relationship Manager verliessen die Niederlassung wegen des Chefs.

Nach den Fehltritten mit den Finanzvehikeln Greensill und Archegos ist die Credit Suisse (CS) erneut unter Druck. Während die Schweizer Grossbank um Top-Talente kämpft, laufen ihr in der Niederlassung im Nahen Osten und Afrika die Mitarbeitenden in Scharen wegen einer vergifteten Arbeitskultur davon. Einschüchterung und Mobbing kommt von oberster Stelle.

Seit 15 Jahren ist der Franzose Bruno Daher dort der Chef und hat die CS zur Nummer 1 in der Region gemacht. Bei seinen über 100 Mitarbeitenden ist er aber berüchtigt wegen seinen Beschimpfungen und persönlichen Angriffen, wie «Bloomberg» unter Verweis auf 26 aktuelle und ehemalige Angestellte schreibt.

Daher habe schon eine Schweizer Fahne in den Abfallkübel geworfen, «wo sie hingehöre», und dabei Drohungen ausgesprochen. Angestellte beschreiben ein Bootcamp wie beim Militär. Nach etwa sechs Monaten hätten sie Warnbriefe erhalten, worin sie zu mehr Leistung aufgefordert worden seien.

Kundengelder für Leistungsziele riskiert

Der Leistungsdruck sei so gross, dass Daher manche Angestellte dazu gebracht habe, übermässige Risiken etwa mit Greensill einzugehen, die zu Kundenverlusten beigetragen hätten. Einige sagten, sie litten unter körperlichen Symptomen wie Brustschmerzen und seien traumatisiert, wenn sie nur an ihre Erfahrungen bei der Arbeit denken würden.

Mindestens sechs Mitarbeitende sollen sich in den letzten fünf Jahren intern beschwert haben. Was daraus wurde, ist nicht bekannt. Seit 2019 hätten mindestens fünf Top-Banker und über 20 Junior Relationship Manager die Niederlassung wegen des Chefs verlassen. Daher soll gedroht haben, ihre Karrieren zu zerstören, sollten sie sich negativ über ihn äussern.

Daher will nichts sagen, CS streitet Vorwürfe ab

Umso überraschter waren die CS-Angestellten, als Daher im Mai in einem Verkaufsmeeting um Entschuldigung für sein Verhalten bat. So tue es ihm leid, dass er zuvor gesagt hatte, seinen Bankern eine Waffe an den Kopf halten zu wollen, wenn sie keine Leistung bringen. Er würde nicht alles wörtlich meinen.

Gegenüber Bloomberg lehnte Daher einen Kommentar ab. Die CS weist die Vorwürfe zurück, die «unbegründet, falsch, oder aus dem Zusammenhang» gerissen seien. Dahers Team habe mehrere Branchenauszeichnungen erhalten und werde regelmässig intern überprüft.

Die Abteilung folge «strikten Vertriebsprozessen». Diese würden sicherstellen, dass Produkte auf das Risikoprofil der Kundchaft abgestimmt sei. Auch die Zahl der Abgänge von Angestellten sei in den letzten sieben Jahren stabil geblieben und entspreche den allgemeinen Marktschwankungen bei Finanzdienstleistern in der Region.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

35 Kommentare