Steuerhinterziehung: CS-Präsident warnt Bern wegen US-Steuerstreit
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SteuerhinterziehungCS-Präsident warnt Bern wegen US-Steuerstreit

Auch eine auf den ersten Blick schmerzhafte Lösung sei für alle besser als keine Lösung, sagt VR-Präsident Urs Rohner zum Thema Steuerstreit mit den USA.

Urs Rohner: «Die Vorstellung, die zum Teil immer noch herrscht, es sei ein Problem von 13 Banken, und die anderen seien nur marginal betroffen, ist bestimmt falsch.»

Urs Rohner: «Die Vorstellung, die zum Teil immer noch herrscht, es sei ein Problem von 13 Banken, und die anderen seien nur marginal betroffen, ist bestimmt falsch.»

Der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, Urs Rohner, warnt Bundesrat und Parlament vor einem Nein zum angeblich bereitliegenden Abkommen im Steuerstreit mit den USA. «Zu glauben, dass man dieses Problem auf die lange Bank schieben kann und dass es sich mit der Zeit von selbst löst, ist unrealistisch», sagte Rohner in einem Interview, das die «Neue Zürcher Zeitung» am Dienstag publizierte.

«Sollte eine Vereinbarung scheitern, nachdem man fast drei Jahre intensiv verhandelt hat, könnte das meines Erachtens zu einer Eskalierung des Streits führen. Davor kann ich nur warnen», sagte Rohner. Es sei von hohem Wert, Rechtsfrieden zu erreichen.

Speditiv abschliessen

Den Vorwurf, er betreibe Grossbankenpolitik auf Kosten der kleinen Institute, wies der CS-Präsident zurück. «Wie man hört, umfasst die Regelung, über die diskutiert wird, Banken wie die Credit Suisse, die bereits Gegenstand von Untersuchungen sind, gar nicht direkt.» Es sei im Interesse des Finanzplatzes und jeder einzelnen Bank, das Dossier USA vollumfänglich und für alle speditiv abzuschliessen.

«Dass das Thema generell geregelt werden muss, darüber besteht kein Zweifel, und zwar spätestens seit die UBS, gestützt auf den UBS-Staatsvertrag, eine Einigung mit den US-Behörden erzielt hat», bekräftigte Rohner seinen Willen nach einer so genannten Globallösung.

Zu damit vermutlich verbundenen Bussen der US-Behörden sagte der CS-Präsident, er glaube nicht, dass eine Bank, die keine amerikanischen Kunden mit unversteuerten Vermögen habe, werde zahlen müssen. «Sind aber nach US-Auffassung amerikanische Vorschriften verletzt worden, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanische Justiz solche Fälle untersucht und bestraft.» Wichtiges Kriterium dürfte laut Rohner sein, ob amerikanische Kunden noch übernommen wurden, nachdem die US-Behörden mit dem UBS-Fall ihre Haltung verschärft hatten.

Nicht nur Problem von 13 Banken

Sollte keine generelle Regelung mit den USA zustande kommen, wäre gemäss Rohner jede Bank gut beraten, eine Lösung auf individueller Basis zu erzielen. «Aber die Vorstellung, die zum Teil immer noch herrscht, das sei ein Problem von 13 Banken, und die anderen seien nur marginal betroffen, ist bestimmt falsch.» Die Liste der Banken könne jederzeit länger werden.

Den Vorwurf, die Schweiz verhandle speziell schlecht, teile er nicht. Das US-Rechtssystem sei auf Konflikt ausgelegt, wo beide Seiten ihre Interessen sehr hart vertreten müssten. Sein Eindruck sei, dass die Amerikaner am Schluss vernünftige Lösungen wollten und auch dazu stehen würden. Aber natürlich spiele die Macht der Behörden dabei eine Rolle. (sda)

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