Milliardenverlust: CS setzt auf Vermögensverwaltung – doch genau da laufen die Kunden davon

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MilliardenverlustCS setzt auf Vermögensverwaltung – doch genau da laufen die Kunden davon

Die Credit Suisse will sich auf das Geschäft mit reichen Menschen konzentrieren. Doch die Kundschaft hat in kurzer Zeit 84 Milliarden Franken von der Bank abgezogen.

von
Marcel Urech
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Die Aktionärinnen und Aktionäre der Credit Suisse haben am Mittwoch an einer ausserordentlichen Generalversammlung zwei Kapitalerhöhungen gutgeheissen.

Die Aktionärinnen und Aktionäre der Credit Suisse haben am Mittwoch an einer ausserordentlichen Generalversammlung zwei Kapitalerhöhungen gutgeheissen.

20min/Celia Nogler
Die Zustimmung lag bei über 90 Prozent.

Die Zustimmung lag bei über 90 Prozent.

20min/Marco Zangger
Damit steigt die Saudi National Bank definitiv bei der CS ein.

Damit steigt die Saudi National Bank definitiv bei der CS ein.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Vermögensverwaltung soll das Geschäft der Zukunft für die CS sein.

  • Doch ausgerechnet das Wealth Management leidet gerade bei der Bank.

  • Das sei für die CS äusserst besorgniserregend, sagen Finanzexperten.

Die Credit Suisse verliert Milliarden und will mit Geld der Saudi National Bank aus der Krise kommen. Die Aktionärinnen und Aktionäre finden das gut und haben an einer ausserordentlichen Generalversammlung hinter verschlossenen Türen mit über 90 Prozent Zustimmung zwei Kapitalerhöhungen gutgeheissen.

«Das Abstimmungsergebnis bestätigt das Vertrauen in unsere Strategie, die wir im Oktober vorgestellt haben», sagt Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann. Man konzentriere sich nun auf die Umsetzung der «strategischen Prioritäten», um die Basis für künftiges Wachstum zu schaffen.

Zu diesen Prioritäten gehört die Vermögensverwaltung, in der die CS reiche Kundinnen und Kunden zu Themen wie Finanzplanung und Anlagen berät. Doch genau hier hat die Bank Probleme: Die Kundschaft zieht ihr Geld gerade ab. Seit Ende September ist das verwaltete Vermögen um zehn Prozent geschrumpft.

Minus in der Zukunftssparte

Dass dieser Bereich im vierten Quartal voraussichtlich mit einem Verlust von 75 Millionen Franken abschliessen werde, überrascht den Analysten Christian Schmidiger nicht. Das habe auch mit dem Verkauf der Anteile auf der Fondsplattform Allfunds zu tun, schreibt er in einem Newsletter der Zürcher Kantonalbank.

Milliardenverlust im vierten Quartal

Die Credit Suisse rechnet für das vierte Quartal mit einem Verlust von 1,5 Milliarden Franken, wie sie in einer Medienmitteilung bekannt gibt. Es wäre der fünfte Quartalsverlust in Folge. Dazu beigetragen haben vor allem die tiefroten Zahlen in der Investmentbank. Nun setze man aber «Massnahmen zur Schaffung der neuen Credit Suisse» um, so die Bank, die von einer «radikalen Umstrukturierung» spricht.

Dass die CS ausgerechnet im Wealth Management Verluste erwartet, sorgt für Wirbel. Denn die Bank kündigte eben erst an, sich auf die Vermögensverwaltung konzentrieren zu wollen. Die CS verzeichnete per 11. November aber Nettoabflüsse von rund sechs Prozent der Vermögen, die sie am Ende des dritten Quartals verwaltete. Laut der «FAZ» zog die Kundschaft in dieser Zeit 84 Milliarden Franken ab.

Das Vertrauen ist weg

Die Gewinnwarnung sei «fast weniger schlimm» als die Mittelabflüsse durch Anleger, sagt ein Händler auf N-TV. Er verstehe nicht, dass die CS in der Vermögensverwaltung im vierten Quartal einen Verlust erwartet. Denn eigentlich habe sich der Markt erholt. Nur, wenn ein Grossteil der Verluste auf Allfunds zurückzuführen sei, könne man das Quartal «als brachialen Neuanfang werten und es fast positiv sehen.»

Kannst du verstehen, dass sich die Kundschaft von der CS abwendet?

«Die massiven Nettoabflüsse im Wealth Management, dem Kerngeschäft der CS neben der Schweizer Bank, sind sehr besorgniserregend - umso mehr, als sie sich noch nicht umgekehrt haben», sagt Andreas Venditti, Analyst bei der Bank Vontobel, im Gespräch mit «Bloomberg». Die CS müsse nun das Vertrauen der Kundinnen und Kunden so schnell wie möglich wiederherstellen - «aber das ist leichter gesagt als getan.»

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