Sparmassnahmen: CS streicht Gratis-Kaffee für Mitarbeiter
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SparmassnahmenCS streicht Gratis-Kaffee für Mitarbeiter

Die Credit Suisse geht beim Sparen immer weiter. In diesen Wochen wird den Mitarbeitern in der Schweiz der Gratis-Kaffee gestrichen. Auch verbilligte Parkplätze fallen weg.

von
Lukas Hässig
Die CS verlang für einen Nespresso einen Franken und für einen Kaffee aus den Selecta-Automaten 90 Rappen.

Die CS verlang für einen Nespresso einen Franken und für einen Kaffee aus den Selecta-Automaten 90 Rappen.

Ab 1. Januar 2014 müssen alle Mitarbeiter für ihren bei der Credit Suisse gemieteten Parkplatz den vollen Betrag zahlen. Bisher profitierten sie von günstigen Tarifen, den Rest übernahm die Firma.

Die Massnahme gilt für die rund 20'000 Mitarbeiter der CS in der Schweiz. Sie sind Teil eines neuen Kostenkorsetts, das intern zu reden gibt, wie ein Bericht von Inside Paradeplatz von heute zeigt.*

Von Grill-Partys bis Zwangsferien

Neben der Aufhebung der Quersubventionierung von Parkplätzen wird in diesen Wochen auch der Gratis-Kaffee gestrichen. Diesen gab es bisher für einen Teil der Belegschaft. Die CS hält in einem Schreiben ans Schweizer Personal fest, dass sie nicht länger Kaffee und andere Getränke «unterstützen» wolle. Der Preis für einen Nespresso legte die Grossbank auf einen Franken fest, für einen Kaffee aus den Selecta-Automaten verlangt sie 90 Rappen.

Die Bank betont, dass mit den Massnahmen gleiche Bedingungen für alle geschaffen würden. Generell stellt sie sich auf den Standpunkt, dass im Rahmen eines Milliarden-Sparprogramms sehr viele Kosten auf den Prüfstand gelegt würden. Schon bei früheren Massnahmen zeigte sich, dass es der Grossbank ernst ist mit Sparen - auch bei vermeintlich kleinen Ausgabeposten. So wurden beispielsweise Unterstützungsbeiträge für Grill-Partys von Mitarbeitern des Schweizer Personalbereichs gestrichen, ebenso kürzte die Bank Ausgaben für die interne Postverteilung und die Bewirtschaftung von Büropflanzen.

Brady Dougan: Trotz Dämpfer im Investment Banking zufrieden mit Ergebnis

Beim Grünzeug geht die CS jetzt noch einen Schritt weiter. Ab morgen müssen sich die Mitarbeiter selbst um ihre Pflanzen kümmern. Wollen sie das nicht, dann werden bis Ende Jahr alle Palmen und Blumentöpfe durch die Immobilienabteilung entsorgt.

Im Frühsommer wurde bekannt, dass Mitarbeiter dazu aufgefordert würden, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Auch dahinter stand die neue Kosten-Philosophie. Über all den grossen und kleinen Sparmassnahmen steckt das Ziel, bis in 2 Jahren die totalen Kosten der Bank seit 2011 um rund 4,5 Milliarden Franken zu reduzieren. Derzeit befindet sich die CS etwa in der Mitte der Wegstrecke. Bei der Präsentation ihres Ergebnisses für das 3. Quartal von letzter Woche machte die CS-Spitze klar, dass für sie anhaltendes Kostenmanagement von strategischer Bedeutung ist.

Grosse Erhöhung für kleine Angestellte

Der Wegfall der Parkplatz-Subventionierungen sei intern ein grosses Thema, sagt ein CS-Insider im Gespräch. Für einfache Mitarbeiter könne der Preis in einer Filiale auf dem Land rasch einmal von bisher 50 Franken im Monat auf 200 Franken steigen. In Zürich würde der Marktpreis für viele von der CS gemieteten Parkflächen teilweise sogar über 500 Franken betragen.

Die hohen Mietpreise und die daraus resultierenden Preiserhöhungen für die CS-Mitarbeiter könnten dazu führen, dass der Schuss des Managements – zumindest kurzfristig – nach hinten losgeht. Wenn nämlich viele vom Preisschub betroffene Banker in Zukunft auf ihren Parkplatz verzichten und auf den öffentlichen Verkehr umsteigen, dann bleibt die Bank vorerst auf grossen Parkflächen sitzen.

Je nachdem, wie lange die CS gegenüber den Besitzern der Parkplätze vertraglich gebunden ist, muss sie einige Monate oder noch länger die ganze Miete berappen, ohne den bisherigen Anteil des Mitarbeiters. Mit anderen Worten: Es könnte sein, dass kurzfristig die Kosten fürs Mitarbeiter-Parking für den Konzern steigen. Erst nach Ablauf der Kündigungsfristen würde die CS Geld sparen. Alternativ könnte sie ihre Parkplätze extern vermieten. In den grösseren Städten mag das gelingen, in der Provinz möglicherweise nicht.

Was bringts?

So oder so fragt sich, wie viel die Bank durch ihre Mikro-Sparmassnahmen unter dem Strich gewinnt und wie viel ihrer Reputation sie bei den Mitarbeitern und im Publikum aufs Spiel setzt. Ein einfaches Beispiel zeigt das geschätzte Sparpotenzial auf. Trinkt jeder der 20'000 CS-Angestellten in der Schweiz im Schnitt täglich 2 Kaffees und kostet eine Tasse die Bank dank ihrer Einkaufsmacht 20 Rappen, dann kommt man auf Kosten von jährlich 2 Millionen. Im Gegenzug sorgt die CS im Extremfall für 20'000-fache Enttäuschung. Den gleichen Spareffekt hätte die Bank, wenn sie einem einzigen Konzernleitungsmitglied den Bonus um 2 Millionen kürzen würde. Damit käme CEO Brady Dougan immer noch auf über 5 Millionen im Jahr.

Die CS-Spitze argumentiert anders. Wenn Hunderte von Einzelmassnahmen je 2 Millionen im Jahr einbringen, dann spart die ganze Bank rasch eine halbe Milliarde. Das wäre substanziell. Aber selbst diese Summe verblasst im Vergleich zu den gesamthaft ausgeschütteten Boni. Für das Jahr 2012 zahlte die CS insgesamt 3,4 Milliarden, das waren 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

* Der Autor ist Herausgeber des Zürcher Finanzportals.

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