Aktualisiert 17.06.2011 13:29

SNB-Stabilitätsbericht

CS und UBS als wandelnde Zeitbomben

Obwohl die beiden Grossbanken seit der Finanzkrise an Kapital zugelegt haben, fordert die Nationalbank noch mehr – und warnt vor einer Krise durch den Hintereingang.

von
Lukas Hässig
Hauptsitz der Credit Suisse (rechts) und der UBS am Paradeplatz in Zürich.

Hauptsitz der Credit Suisse (rechts) und der UBS am Paradeplatz in Zürich.

Rechtzeitig zur «Too big to fail»-Debatte im Ständerat publiziert die Nationalbank (SNB) am Donnerstag ihren jährlichen Stabilitätsbericht. Wer versöhnliche Worte an die Adresse von UBS und CS erwartet hat, sieht sich eines Besseren belehrt.

«Still going strong», könnte man die Stossrichtung der Notenbank betiteln. Die für die Stabilität des gesamten Systems zuständigen Notenbanker fordern nämlich nach wie vor deutlich mehr Eigenkapital von den zwei Schweizer Grossbanken.

Trügerische Kapitalausstattung

Es ist das alte Lied, das die SNB seit ungefähr 2004 in ihrem Stabilitätsbericht immer wieder anstimmt, das aber damals nicht gehört werden wollte und das nichts an Aktualität verloren hat.

Risikojustiert zählen UBS und CS bekanntermassen zu den sichersten Grossbanken der Welt. Der Wert, der dies zum Ausdruck bringt, heisst Tier-1-Quote, er stieg 2010 bei der UBS von 15,4% auf 17,8%, bei der CS von 16,3% auf 17,2%. Das sind international gesehen Spitzenresultate.

Das beruhigende Bild verdüstert sich jedoch rasch, wenn nicht mehr mit Risikogewichten und Modellen hantiert wird, sondern mit der plumpen und einfach zu überwachenden absoluten Grösse der Grossbanken.

Ihre Bilanzen zählen nach wie vor zu den grössten der globalen Finanzindustrie, sie sind je über 1000 Milliarden Franken schwer. Geht bei solch gigantischen Dimensionen in einer Ecke des unübersichtlichen Reichs etwas schief, kann das rasch dramatische Folgen annehmen, wie die Subprimekrise gezeigt hat. Ein vermeintliches Nebengeschäft brachte die stolze UBS zu Fall.

50-fache Verschuldung

«Size matters», nennen es die Angelsachen. Auch wenn ein Schweizer Hauskredit nicht gleich riskant ist wie ein Investment in ein komplexes, intransparentes Kreditvehikel, so bleibt der alte Grundsatz eben doch gültig, dass in grossen Bilanzen grosse Risiken schlummern. Entsprechend drängt die SNB neben der risikojustierten Sicht auf die absolute Betrachtung.

Und dort sind die beiden Grossbanken global betrachtet absolute Kellerkinder. Reduziert man ihr heutiges Eigenkapital um jene Milliarden, die im Notfall gar nicht greifbar sind, weil es sich allein um buchhalterische Grössen handelt, so sacken sowohl bei der CS als auch bei der UBS die Eigenkapitalquoten aufs Ganze gerechnet auf unter 2 Prozent.

Ein erschreckend tiefer Wert. Nehmen wir als Vergleich einen 1-Millionen-Hauskauf, für den der Käufer lediglich 20 000 Franken selbst aufzubringen hat, während der Rest von der Bank mittels Hypokredit vorgestreckt wird. Unvorstellbar.

«Der Hebel basierend auf dem verlustabsorbierenden Kapital bleibt hoch, bei über 50», bringt die SNB das Problem auf den Punkt. «Deshalb», folgert die Notenbank, «wären die Konsequenzen von Fehlbeurteilungen bei den Risiken entsprechend schwerwiegend».

Grossbankenkrise durch die Hintertür

Pointierter gesagt: Am Zustand der beiden Schweizer Grossbanken als wandelnde Zeitbomben für die Gesellschaft hat sich wenig geändert. Man mag sich an solchen Kraftausdrücken reiben. Doch eines schleckt keine Geiss weg. Die Notenbank hat vor, während und nach der grossen Krise bewiesen, dass sie mit ihrer Einschätzung des «Too big to fail»-Risikos von UBS und CS und den daraus resultierenden Gefahren für die Schweiz und ihre Bevölkerung richtig lag.

Es ist löblich, dass die Zentralbank an ihrem Kurs festhält und auch in ihrem Bericht klarmacht, dass es mehr Kapital (oder umgekehrt weniger Risiken) bei CS und UBS brauche. Sie verweist dabei auf ihr Negativszenario, das zu «substanziellen» Verlusten in den Grossbanken-Bilanzen führen könne, wenn beispielsweise die maroden EU-Peripheriestaaten eine nächste Finanzkrise auslösten und sich die Wirtschaftslage «generell» verschlechtern würde.

Davon wären auch die beiden Schweizer Grossbanken betroffen, die sonst nur ein beschränktes Direkt-Engagement in den Krisenstaaten Griechenland, Portugal usw. halten.

Die Krise droht quasi durch den Hintereingang. Deshalb, so die SNB, müssen UBS und CS noch viel mehr Kapital aufbauen. Das Mantra der Schweizer Notenbanker mag langweilig klingen. Es bringt aber die entscheidende Lehre aus der Krise auf den Punkt.

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