Lehman-Brothers-Pleite: CS zahlt - aber nicht alle
Aktualisiert

Lehman-Brothers-PleiteCS zahlt - aber nicht alle

Die Credit Suisse hat nach eigenen Angaben rund 2000 Schweizer Kunden ihre wertlosen Lehman-Papiere abgekauft. Die 1200 Geschädigten der Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer wissen davon aber offenbar nichts.

Für 100 Millionen Franken habe die Credit Suisse wertlose Lehman-Papiere zurückgekauft. Damit sei für die CS der Fall-Lehman abgeschlossen - lediglich 11 Kunden hätten das Angebot abgelehnt, sagte Walter Berchtold, Chef des CS-Privat-Banking, gegenüber der «NZZ am Sonntag». Laut René Zeyer, Sprecher des Vereins Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer, wirft diese Aussage Fragen auf: Wie konnte die CS 2000 Kunden ein Angebot unterbreiten, ohne dass die Schutzgemeinschaft davon etwas hörte? Laut Zeyer erhielten dort nur eine Handvoll Personen Entschädigungsangebote, und das im Gesamtwert von lediglich rund einer Million Franken. Mit dieser Aussage konfrontiert sagt CS-Sprecher Georg Söntgerath: «Die Credit Suisse hat, wie immer betont, mit den einzelnen Betroffenen direkt gesprochen und jeden Fall einzeln behandelt. Entsprechend haben wir den Betroffenen individuelle Angebote gemacht.»

Undurchsichtige Rückzahlungskriterien

Die CS entschädigte nach eigenen Angaben jene Kunden, die 50 Prozent ihrer Anlagen in Lehmann-Produkte investiert und lediglich ein Gesamtvermögen von bis zu einer halben Million Franken auf CS-Konten hatten. Laut Zeyer haben aber auch Vereinsmitglieder, die diese Kriterien nicht erfüllten, Angebote erhalten - andere trotz erfüllter Bedingungen nicht. Söntgerath betont: «Die Angebote der Credit Suisse erfolgten grundsätzlich entlang der kommunizierten Parameter, wobei jeweils die individuelle Situation, das heisst auch Grenzfälle, berücksichtigt wurden.»

Keine Warnung

Gegenüber der Sonntagspresse liess der CS-Privat-Banking-Chef Walter Berchtold verlauten, die Bank habe ihre Zusammenarbeit mit Lehman-Brothers im März 2008 beendet. Zeyer sieht dies anders: Die CS habe ihren Kunden noch bis Juli 2008 Produkte der im September Pleite gegangenen US-Investmentbank verkauft und nie vor Risiken gewarnt. Dem widerspricht Söntgerath: «Kapitalgeschützte Produkte zu einem tiefen Marktpreis versprachen gute Renditen. Unsere Kundenberater haben im Gespräch aber auf sämtliche Risiken aufmerksam gemacht.» Laut Söntgerath war der Untergang der Bank Lehman-Brothers, die bis zum Schluss gute Ratings erhielt, trotz der Probleme nicht abzusehen.

Im Regen stehen gelassen

Zeyer stört sich auch an der Aussage der CS, für die Bank sei der Fall Lehman mit den Entschädigungszahlungen an 2000 Anleger nun abgeschlossen. Es dürfe nicht sein, dass die Grossbank noch Tausende von Lehman-Opfern im Regen stehen lasse, nachdem sie still und heimlich rund 2000 Kunden eine Entschädigung angeboten habe. Wie viele Kunden leer ausgingen, will die CS nicht sagen. Laut «SonntagsZeitung» ist bekannt, dass CS-Kunden in ihren Portfolios Lehman-Produkte im Wert von 700 Millionen Franken hatten.

Bis zu 4000 Geschädigte

Vom Totalverlust der US-Investmentbank Lehmann Brothers im vergangenen September waren bis zu 4000 Schweizer Anleger betroffen. Sie hatten über Produkte der Credit Suisse in die US-Investment-Bank investiert. Die Schweizer Grossbank hatte ab Herbst 2007 im grossen Stil Lehman-Derivate verkauft.

(scc/sas)

Deine Meinung