Aktualisiert 02.08.2012 16:43

Heikle Mission«Curiosity» im Landeanflug auf den Mars

Seit Ende November ist das «Mars Science Laboratory» der Nasa auf dem Weg zum roten Planeten. Dort soll es ausserirdisches Leben suchen. Zuvor muss es die für Montag früh geplante Landung überstehen.

Die bislang ehrgeizigste und teuerste Mars-Mission erreicht am kommenden Montag gegen 7 Uhr MESZ einen ersten Höhepunkt: Der Mars Rover «Curiosity» (Neugier) der US-Weltraumbehörde Nasa landet auf dem roten Planeten. Die höchst riskante Landung wurde als «Sieben Minuten des Terrors» bezeichnet.

Dies ist die Zeit, die das bislang cleverste aller interplanetaren Fahrzeuge benötigt, um von einer Geschwindigkeit von 20 000 Stundenkilometern zum totalen Stillstand zu gelangen. Dann wird der Rover an Kabeln vom Mutterschiff langsam in einen Krater hinabgelassen (siehe Video unten).

Während vierzehn bangen Minuten werden die Wissenschaftler auf der Erde nicht wissen, ob das Manöver geglückt ist. So lange braucht das Radiosignal, um vom Mars zur Erde zu gelangen. «Der Schwierigkeitsgrad für die Landung liegt bei über zehn», sagte Adam Steltzner, ein Ingenieur beim Jet Propulsion Laboratory der Nasa, das die Mission leitet, zur Nachrichtenagentur AP.

Suche nach organischen Substanzen

Das 2,5 Milliarden Dollar teure «Curiosity»-Projekt soll herausfinden, ob auf dem Mars einst Mikroben leben konnten. Frühere Missionen haben bereits Eis und Spuren von früheren Wasserläufen gefunden. «Curiosity» wird Steine und Erde anbohren, um nach Kohlenstoff und anderen Elementen zu suchen.

360-Grad-Aufnahme vom Mars

Ziel der Landung ist der Gale-Krater nahe des Mars-Äquators. Es ist bekannt, dass Gale einst mit Wasser gefüllt war. Dies lässt sich aus Bildern schliessen, die Spuren von Ton und Sulfatsalzen zeigten, die sich mit Wasser bilden. An seinen Flanken wird «Curiosity» nach organischen Substanzen suchen, die als Bausteine des Lebens gelten.

Bisher endete jeder zweite Versuch, auf dem nach dem römischen Kriegsgott benannten Planeten zu landen, mit einer Katastrophe. Das Fahrzeug von der Grösse eines Mini Coopers reiste achteinhalb Monate, um den Mars zu erreichen. Wie ein himmlischer Akrobat wird sich das Fahrzeug während der siebenminütigen Landephase drehen und diverse Manöver ausführen.

Komplexes Bremsmanöver

Warum setzt die Nasa auf eine so halsbrecherische Technik? Sie hatte keine Wahl. Frühere Fahrzeuge wie die kleineren «Spirit» und «Opportunity» plumpsten auf die Marsoberfläche, wo sie von Airbags gepolstert bis zum Stillstand hopsten. Doch «Curiosity» wiegt fast eine Tonne.

Da reicht die Reibung der dünnen Mars-Atmosphäre zum Bremsen nicht aus. Also vollführt «Curiosity» eine Serie von S-Kurven. Bei einer Geschwindigkeit von 1450 Stundenkilometern entfaltet sich ein riesiger Fallschirm, das Hitzeschild fällt ab und die Rückstoss-Raketen im Rucksack zünden. Dann entrollen sich die Kabel und lassen das Fahrzeug langsam zur Oberfläche hinunter.

Auch wenn die Choreographie nach Plan läuft, könnte ein plötzlicher Sandsturm, ein Windstoss oder ein anderes Problem die Landung durchkreuzen. Ein Scheitern wäre eine riesige Blamage für die Nasa.

Diese veranstaltet laut der Nachrichtenagentur DPA ein Grossevent um die Landung: Überall in den USA würden öffentliche Veranstaltungen organisiert, wie Übernachtungspartys in Museen, da das Ereignis in den USA mitten in der Nacht stattfindet. Ausserdem veröffentlicht die Nasa ein Computerspiel, das das Aufsetzen des Fahrzeugs simuliert.

Übertragung auf den Times Square

Die Landung des «Curiosity» wird auch live auf dem berühmten New Yorker Times Square übertragen - zumindest indirekt. Wie die US-Raumfahrtbehörde mitteilte, gibt es zwar keine Livebilder vom Mars.

Dafür soll aber eine Leitung in das kalifornische Kontrollzentrum gelegt werden, wo das Signal für eine erfolgreiche Landung eingehen soll.

«In der Stadt, die niemals schläft, ist der historische Times Square genau der richtige Ort für die New Yorker, um an dieser historischen Landung teilzuhaben», erklärte John Grunsfeld, der das Projekt für die Nasa mitverantwortet.

Auch auf 20 Minuten Online können sie das Geschehen am Montagmorgen ab 5:30 Uhr live verfolgen.

Die Mission des MSL in 5:29 Minuten. (Video: NASA-TV) (sda)

Die wichtigsten Marsmissionen im Überblick

Seit 1960 hat es gut 40 Versuche gegeben, den Mars mit unbemannten Missionen näher zu erforschen. Mehr als die Hälfte davon scheiterten. Hier ein Überblick über wichtige Missionen:

10. Oktober 1960: Die damalige Sowjetunion schickt die «Marsnik 1» ins All - doch die Trägerrakete versagt noch in der Erdatmosphäre.

14. Juli 1965: Die US-Sonde «Mariner 4» liefert beim Vorbeiflug 21 Fotos - die ersten Nahaufnahmen des Roten Planeten.

12. Februar 1976: Die sowjetische «Mars 5» erreicht die Umlaufbahn des Nachbarplaneten.

20. Juli 1976: Mit der US-Sonde «Viking 1» gelingt es erstmals, ein Landegerät auf der Marsoberfläche abzusetzen. Die ersten Bilder von der Oberfläche eines fremden Planeten werden übermittelt.

24. Oktober 2001: Die US-Sonde «Mars Odyssey» erreicht die Umlaufbahn und entdeckt Wassereis auf dem Mars.

14. Dezember 2003: Die erste japanische Mars-Mission scheitert - die Sonde «Nozomi» verfehlt den Planeten um fast 1000 Kilometer.

25. Dezember 2003: Bei der ersten europäischen Mission «Mars Express/Beagle 2» geht das Landegerät verloren. Der Orbiter ist bis heute in Betrieb.

4./25. Januar 2004 Die US-Zwillingssonden «Spirit» und «Opportunity» landen auf dem Mars. Beide Rover können nach Erfüllung ihrer 90-tägigen Primärmissionen noch jahrelang weiter betrieben werden. Zu «Opportunity» hält die Nasa bis heute Kontakt.

25. Mai 2008: Die US-Mission «Phoenix Mars Lander» bringt ein stationäres Landegerät auf die Marsoberfläche und weist definitiv die Existenz von Wassereis auf dem Mars nach.

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