Aktualisiert 15.01.2019 15:27

St. GallenCVPler ist bei Schule und Pfadi unerwünscht

Am Montag wurde bekannt, dass der St. Galler CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler wegen Chats mit minderjährigen Mädchen verurteilt wurde. Als Lehrer wird er nie wieder arbeiten.

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taw
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Mittels Strafbefehl wurde CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie verurteilt.

Mittels Strafbefehl wurde CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie verurteilt.

Der Strafbefehl wurde im Dezember rechtskräftig.

Der Strafbefehl wurde im Dezember rechtskräftig.

staatsanwaltschaft.sg.ch

Michael Hugentobler wurde wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie verurteilt (siehe Box). Der CVP-Kantonsrat ist ausgebildeter Primar- und Sekundarlehrer und war bis Juli 2017 noch als Lehrer tätig, zuletzt an der katholischen Kantonssekundarschule Flade in St. Gallen.

Dort heisst es auf Anfrage, dass man seit Montagmittag, 14. Januar, Kenntnis von der Verurteilung Hugentoblers habe. Zuvor wusste man nichts vom Verfahren. «Schulrat und Lehrerschaft sind zutiefst betroffen und bedauern die unentschuldbaren Übergriffe», so Schulratspräsidentin Margrit Stadler.

Keine Hinweise

Michael Hugentobler sei bis vor drei Jahren als Lehrperson in der Flade angestellt gewesen, danach wechselte er auf eigenen Wunsch in die IT-Branche. Fortan sei er an der Flade als IT-Supporter und Berater tätig gewesen, ab August 2018 im Auftragsverhältnis mit seiner eigenen Firma. Seit Montag habe er jedoch keinerlei Mandate mehr von der Schule und keinen Zutritt mehr in die Räumlichkeiten der Flade.

«Während der gesamten Zeit, als Michael Hugentobler in der Flade tätig war, gab es keinerlei Hinweise auf ein fehlbares Verhalten; er war ein geschätzter Mitarbeiter», so Stadler. Die Flade verlangt von allen Lehrpersonen vor der Anstellung einen Strafregisterauszug, das sei üblich.

Kein Tätigkeitsverbot

Ein Tätigkeitsverbot wurde in vorliegendem Fall nicht ausgesprochen. Laut Roman Dobler, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen, waren dafür die damals geltenden gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt. Als Lehrer wird Hugentobler dennoch nie wieder arbeiten. «Er hat sein Lehrerpatent im letzten Jahr unwiderruflich abgegeben», so Dobler. Mit der Verurteilung hat Hugentobler einen Eintrag im Strafregister, eine Meldung an das Bildungsdepartement St. Gallen wurde jedoch nicht gemacht. Grundlage für eine solche Meldung wäre ein Tätigkeitsverbot gewesen.

Prävention in Pfadi wichtig

In seiner Freizeit war Hugentobler in der Pfadi engagiert. Auf der Website der Pfadi Helveter war er bis am Montag noch als Verantwortlicher für die Website aufgeführt. Am Dienstag erscheint er dort nicht mehr. Zudem ist Hugentobler am Montag auch als Vorstandsmitglied des Vereins Bundeslager 2021 per sofort zurückgetreten, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst. Das Bundeslager (Bula) ist ein nationales Pfadilager der Pfadibewegung Schweiz. In diesem Lager treffen sich Pfadis aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. «Die Pfadibewegung Schweiz betrachtet sexuelle Ausbeutung und Übergriffe sowie Grenzverletzungen als zentralen Angriff auf die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen. Als Jugendverband duldet die Pfadibewegung Schweiz weder sexuelle Ausbeutung noch grenzverletzendes Verhalten in der Pfadi», so die Medienverantwortliche Daniela Diener.

Die Pfadibewegung Schweiz verlange nicht regelmässig Strafregisterauszüge von Erwachsenen, die sich in der Pfadi engagieren. Man empfehle jedoch insbesondere bei externen Leitenden, die in der Abteilung nicht bekannt sind, eine Referenz von der früheren Abteilung einzuholen. «Ist diese nicht erhältlich, empfiehlt es sich, einen Sonderprivatauszug zu verlangen», so Diener.

Die Prävention sexueller Ausbeutung nehme in den Aus- und Weiterbildungen für Pfadileiterinnen und -leiter sowie in deren Betreuung einen wichtigen Stellenwert ein. «Pfadileitende werden während der Ausbildung darauf sensibilisiert, das Verhalten ihrer Mitleitenden achtsam zu begleiten sowie offen und ehrlich zu kommunizieren», sagt Diener.

Strafbefehl rechtskräftig

Michael Hugentobler chattete ab Februar 2017 mit einer vermeintlich 13-Jährigen. Er stellte ihr intime Fragen und nahm vor der Webcam sexuelle Handlungen an sich vor. Auch sie sollte sich ausziehen und selbst streicheln. Zudem bat er um intime Fotos.

Bei der 13-Jährigen handelte es sich um einen Ermittler. Zwei weiteren Personen, die angaben 15 Jahre alt zu sein, schickte er Bilder seines erigierten Glieds.

Der 37-Jährige wurde mittels Strafbefehl wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie von der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen verurteilt. Dies zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 100 Franken und einer Busse in Höhe von 3600 Franken. Der Strafbefehl wurde im Dezember rechtskräftig. Hugentobler bereue das Ganze sehr.

Am Montag informierte der CVP-Kantonsrat seine Partei. Wie er 20 Minuten sagt, werde er per sofort von allen Gremien zurücktreten. Auch aus der Partei trat er mittlerweile aus.

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