Aktualisiert 18.03.2016 12:50

BekennerschreibenCyber-Attacke auch auf SVP – Website gehackt

Eine Hacker-Gruppe will zehntausende Mail-Adressen von der SVP kopiert haben. Sie bekennt sich auch zu den Cyber-Attacken auf die Webshops.

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jbu/tob

Einer Gruppe von Hackern soll es gelungen sein, in die Internetseite der SVP einzudringen. Wie inside-it.ch schreibt, hat die Gruppierung namens NSHC die Datenbank der SVP geknackt. Dabei seien unter anderem knapp 50'000 Mail-Adressen, Namen und verschiedene Mailinglisten kopiert worden. Die Daten lägen der Redaktion vor.

Offenbar geht es den Hackern, die sich als Grey-Hats (siehe Box) verstehen, nicht darum, die Partei zu erpressen. Sie hätten auch nicht vor, die Daten zu veröffentlichen. Vielmehr wolle die Gruppe mit dem Angriff zeigen, dass die Schweiz nicht ausreichend gegen Cyberangriffe geschützt sei.

Trittbrettfahrer?

Die SVP bestätigt gegenüber 20 Minuten, es habe einen Angriff auf die Seite gegeben. Man sei am Mittwoch darauf aufmerksam geworden und kläre nun ab, was genau passiert ist. Ob Daten gestohlen wurden, wollte die stellvertretende Generalsekretärin Silvia Bär auf Anfrage nicht sagen. Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) des Bundes kennt die Gruppierung NSHC bislang nicht.

Auch Marc Ruef, IT-Sicherheitsexperte von der Scip AG, ist die NSHC-Gruppe nicht bekannt. Er sagt aber: «Das sind keine Grey-Hats, sondern Black-Hats. Systeme zum Absturz zu bringen, in Systeme einzubrechen und persönliche Daten zu entwenden ist juristisch und ethisch verwerflich. Da gibt es keine Diskussion», so Ruef.

Er geht davon aus, dass die Gruppe aufgrund ihrer Motivation und der Angriffe gegen die SVP in der Schweiz wohnhaft oder zumindest hier verwurzelt ist. Ebenfalls möglich sei, dass es sich dabei um Trittbrettfahrer handle, die Aufmerksamkeit suchen.

«Schweiz wachrütteln»

Die Hackergruppe bekennt sich auch dazu, an den Anfang Woche erfolgten Cyber-Angriffen auf Schweizer Onlinehändler beteiligt gewesen zu sein. Die Attacke gegen Interdiscount.ch und Microspot.ch, die zu Coop gehören, und gegen die SBB gingen auf ihr Konto, heisst es in dem Bericht. Für weitere Angriffe seien andere Gruppen verantwortlich, zu denen man keinen Kontakt habe.

Laut dem Bekennerschreiben, das inside-channels.ch vorliegt, gehe es den Hackern darum, zu zeigen, dass die Schweiz nicht ausreichend gegen Cyberangriffe geschützt sei. Es gehe darum eine Diskussion anzuregen, um die Schweiz so «wachzurütteln» und sicherer zu machen.

Hacker und ihre Hüte

Im Fachjargon werden Hacker und IT-Spezialisten in White-, Grey, und Black-Hats unterteilt. White-Hats sind «die Guten». Sie nutzen ihr Wissen innerhalb der gesetzlichen Grenzen und halten sich an eine Hackerethik. Ein gutes Beispiel ist der Chaos Computer Club (CCC). Grey-Hats hingegen dringen illegal in Systeme ein und verstossen damit gegen das Gesetz. Ihr Handeln rechtfertigen sie mit der Absicht, die Öffentlichkeit auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Black-Hats sind Cyberkriminelle. Sie fügen den Opfern Schaden zu, etwa in finanzieller Form, oder Verkaufen die erbeuteten Daten weiter.

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