Aktualisiert 21.01.2015 08:56

Anschläge in Paris Cyber-Dschihadisten hacken Schweizer Websites

Seit den Anschlägen in Paris fluten Terror-Sympathisanten das Internet mit einer Propagandawelle. Vor allem französische Websites sind betroffen – aber auch solche aus der Schweiz.

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Die Website des Schweizer Unternehmens: Nach den Anschlägen in Paris überfluten Aktivisten viele Seiten mit solchen Botschaften.

Die Website des Schweizer Unternehmens: Nach den Anschlägen in Paris überfluten Aktivisten viele Seiten mit solchen Botschaften.

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Das Hackerkollektiv «Fallaga Team» betreibt eine Facebook-Seite, auf der sie jeweils ihre neusten Hacks veröffentlichen.

Das Hackerkollektiv «Fallaga Team» betreibt eine Facebook-Seite, auf der sie jeweils ihre neusten Hacks veröffentlichen.

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Der Hacker «eRRor 7rB» trieb auf hunderten Seiten sein Unwesen.

Der Hacker «eRRor 7rB» trieb auf hunderten Seiten sein Unwesen.

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Am Dienstagmorgen sah die Website von Hiwin, einem Unternehmen in Jona SG, komplett anders aus: schwarzer Hintergrund, darauf ein Cartoon eines Hundes, der auf das Grab von «Charlie Hebdo» uriniert. Darunter die Botschaft: «Ich bezeuge, dass es keinen anderen Gott gibt ausser Allah.»

Hiwin-Geschäftsführer Daniel Schraner wurde davon völlig überrascht: «Ich habe keine Ahnung, warum unsere Seite davon betroffen ist.» Da die Website in Frankreich gehostet werde und auf der französischen Partnerseite dasselbe Motiv zu sehen gewesen sei, liege der Schluss nahe, dass die Schweizer Hiwin rein zufällig von Hackern verändert wurde.

«Geht nur darum, Botschaften zu vermitteln»

Eine weitere Schweizer Website wurde vom selben Hacker oder Hackerkollektiv, das sich «eRRoR 7rB» nennt, betroffen: Stadtbranche.ch wies am Morgen teilweise veränderte Inhalte auf. Dennoch handelt es sich offenbar um Einzelfälle. Bei der Melde- und Analysestelle Informationssicherung des Bundes (Melani) sind bisher keine weiteren betroffenen Websites bekannt.

Sprecher Max Klaus: «Als kleiner Trost für die Seitenbetreiber ist zu sagen, dass die Hacker mit einem sogenannten Defacement einer Website keinen weiteren Schaden anrichten. Es geht ihnen rein darum, ihre Botschaft zu vermitteln.» Die letzte grössere Attacke auf Schweizer Websites habe Melani nach der Minarett-Initiative registriert. Als sich abgezeichnet habe, dass die Initiative angenommen wird, seien zeitweise rund 3000 Websites betroffen gewesen.

19'000 Websites betroffen

Frankreich trifft es derzeit noch härter. Gemäss der Nachrichtenagentur AP wurden 19'000 französische Websites Ziel eines Angriffs. Während die meisten Unternehmen auf ihren Websites Cartoons, verstörende Bilder oder Botschaften fanden, traf es andere schlimmer: Mit DDOS-Attacken wurden ihre Server lahmgelegt – die Seiten waren für längere Zeit offline.

Dies war bei den betroffenen Schweizer Websites nun nicht der Fall. Nach kurzer Zeit konnte Hiwin seine Seite bereinigen. Der oder die Hacker namens «eRRoR 7rB» sind auch dem Schweizer Chaos Computer Club nicht bekannt. Sprecher Hernani Marques: «Das sieht schwer nach dem Werk von Scriptkiddies aus. So nennt man Aktivisten, die ohne viel Kenntnis fertige Programme verwenden oder sie zurechtbiegen, um auf fremden Websites ihre Botschaften zu platzieren.»

Twitter-Konto von «Le Monde» gehackt

Der Syrischen Elektronischen Armee (SEA) gelang es in der Nacht auf Mittwoch den Twitter-Account der französischen Zeitung «Le Monde» zu hacken. Die Aktivistengruppe setzte im Namen der Zeitung Meldungen wie «Je ne suis pas Charlie» ab – die negative Formulierung der seit den Anschlägen auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» weltweit bekannten Solidaritätsbekundung «Je suis Charlie».

Das Twitter-Konto wurde nach dem Angriff vorübergehend gesperrt, um 4 Uhr funktionierte es wieder. «Le Monde» entschuldigte sich für die «betrügerischen Botschaften», die in ihrem Namen getwittert wurden.

In der Vergangenheit waren bereits die Sender BBC und Al-Dschasira Opfer von SEA-Attacken.

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