Aktualisiert 11.08.2008 14:47

Russischer Cyber-TerrorCyber-Krieg: Polen eilt Georgien zu Hilfe

Cyber-Krieg im Kaukasus: Viele georgische Webseiten funktionieren nicht mehr. Hinter den Attacken steht offenbar das Russian Business Network RBN, das vergangene Woche auch einen Zürcher Junginformatiker ins Visier genommen hatte. Nun greift auch Polen in den Cyber-Krieg ein.

von
Adrian Müller

Der georgische Internet-Verkehr ist schwer gestört: Die meisten Regierungsseiten sind nicht mehr erreichbar, zudem sind viele georgische Server unter fremder Kontrolle. Das Aussenministerium teilte am Montag Mittag mit, dass sich die Internet-User auf einem Regierungs-Blog auf blogspot.com sowie auf der Webseite des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski über die aktuelle Kriegslage informieren sollen.

RBN schlägt wieder zu

Für den Cyber-Angriff verantwortlich ist laut dem Watchblog «RBN Exploit» das berüchtigte Russian Business Network RBN. Dieses ist an allen Fronten aktiv: Vergangene Woche verbreiteten die Cyber-Krieger eine fingierte Selbstmorddrohung des Zürcher Junginformatikers Roman Hüssy (20 Minuten Online berichtete). «Das RBN ist zu allem fähig – sie können ein halbes Land offline stellen», erklärt Hüssy gegenüber 20 Minuten Online. Für ihn ist klar, dass hinter der Cyber-Attacke auf Georgien das RBN steht - er hält den oben genannten Blog für glaubwürdig.

Laut dem Internetdienst «heise.de» können in Georgien keine Internetseiten mit der Endung .ru (Russland) aufgerufen werden. Viele Internet-Server seien unter Kontrolle des RBN und würden von der russischen Regierung beeinflusst.

Polen gewährt Georgien Internet-Asyl

Polens Präsident Kaczynski greift seinem Amtskollegen Saakaschwili unter die Arme und gewährt Georgien Internet-Asyl: Damit soll der georgischen Regierung ermöglicht werden, unabhängige Informationen über ihren Konflikt mit Russland über die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien zu erhalten, wie am Montag aus dem Büro des Präsidenten in Warschau verlautete. Russland blockiere georgische Internet-Portale, hiess es in einer Mitteilung Kaczynskis. Deshalb habe Saakaschwili um Zugang zur polnischen Präsidenten-Website in englischer Sprache gebeten. Dort würden auch Erklärungen der georgischen Regierung veröffentlicht. (ap)

Spam-Jäger wieder online

Seit Montag Morgen ist die Webseite von Spam-Jäger Hüssy www.abuse.ch wieder online. Das Interesse an seinen Enthüllungen über die Cyber-Kriminellen ist riesig: «Ich habe so viele Besucher, dass manchmal die Seite abstürzt», freut sich der 21-jährige Roman Hüssy. Der Frontalangriff des RBN auf seine Person habe ihm somit mehr genützt als geschadet – durch die Attacke seien viele Personen auf seine Webseite aufmerksam geworden.

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