«Beichten» auf Insta: Cyber-Mobbing eskaliert in Grenchner Schule
Aktualisiert

«Beichten» auf InstaCyber-Mobbing eskaliert in Grenchner Schule

In der Grenchner Oberstufe wurden mehrere Lehrer und Schüler auf Instagram schwer gemobbt. Die Schule hat nun reagiert.

von
M. Kafantari
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Ein besonders erschreckender Fall von Cyber-Mobbing ereignete sich an einer Grenchner Oberstufe. Die Schule hat nun reagiert.

Ein besonders erschreckender Fall von Cyber-Mobbing ereignete sich an einer Grenchner Oberstufe. Die Schule hat nun reagiert.

grenchen.ch
Fast 200 Schüler hatten sich auf einer «Beicht-Seite» auf Instagram negativ über Mitschüler und vor allem Lehrpersonen geäussert.

Fast 200 Schüler hatten sich auf einer «Beicht-Seite» auf Instagram negativ über Mitschüler und vor allem Lehrpersonen geäussert.

20minuten
Die meisten der böswilligen Posts wurden anonym veröffentlicht. Der Schulleitung ist lediglich ein Verfasser namentlich bekannt, welcher aktiv gemobbt hat. «Als Schule können wir keine Massnahmen ergreifen, weil der Vorfall in der Freizeit stattfand. Es kann nur über Zivilrechtlichen Weg abgehandelt werden».

Die meisten der böswilligen Posts wurden anonym veröffentlicht. Der Schulleitung ist lediglich ein Verfasser namentlich bekannt, welcher aktiv gemobbt hat. «Als Schule können wir keine Massnahmen ergreifen, weil der Vorfall in der Freizeit stattfand. Es kann nur über Zivilrechtlichen Weg abgehandelt werden».

Symbolbild / Skynesher

Ein besonders erschreckender Fall von Cyber-Mobbing ereignete sich an einer Grenchner Oberstufe. Fast 200 Schüler hatten sich auf einer «Beicht-Seite» auf Instagram negativ über Mitschüler und vor allem Lehrpersonen geäussert. Schüler und Lehrer wurden auf dieser Seite durch beleidigende und bösartige Kommentare regelrecht gemobbt.

Als die Beschimpfungen immer krasser wurden und das Ganze ausser Kontrolle geriet, musste die Schule intervenieren. Am Wochenende wurden die Eltern der Jugendlichen mit einem Brief über die Angelegenheit in Kenntnis gesetzt. Eltern wurden gebeten, das Thema auch Zuhause anzugehen und mussten den Brief unterzeichnen, wie das Grenchner Tagblatt berichtet.

Ein bekannter Übeltäter

Die meisten der böswilligen Posts wurden anonym veröffentlicht. Der Schulleitung ist lediglich ein Verfasser namentlich bekannt, welcher aktiv gemobbt hat. Der Schüler habe der Schule gegenüber jedoch keine bestimmten Gründe für sein Handeln genannt und besuche derzeit weiterhin den Unterricht, sagt Rolf Glaus, Schulleiter der Sek 1 Zentrum in Grenchen. «Ihn zu bestrafen und die anderen Schüler nicht, wäre ungerecht», so Glaus. Er sei nicht der einzige Schuldige in diesem Fall. Glaus ergänzt: «Als Schule können wir keine Massnahmen ergreifen, weil der Vorfall in der Freizeit stattfand. Es kann nur über den zivilrechtlichen Weg abgehandelt werden».

Was derzeit auch geschieht: Zwei Betroffene haben sich bei der Kantonspolizei Bern gemeldet und Anzeige wegen Ehrverletzung erstattet. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Verschwunden und wieder da

Die betreffende Instagram-Seite wurde mittlerweile gelöscht. Glaus: «Auf Snapchat tauchte allerdings nur wenige Tage später ein ähnlicher Account mit verletzenden Inhalten auf.» Jedoch sei auch dieser wieder vom Netz genommen worden: «Die Schüler bekommen manchmal selbst kalte Füsse wenn sie merken, dass die Lehrerschaft davon Wind bekommen hat», so Glaus.

Der Schulleiter teilt mit, dass es das erste Mal sei, dass Internet-Mobbing in diesem Ausmass in einer Grenchner Schule stattfand. Meistens geht es gegen einzelne Schüler – dass dieses Mal auch Lehrer angegriffen wurden, ist für die Schule neu.

Social Media lernen

«Die Grenchner Schule ist kein Einzelfall», sagt Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Lehrer-Dachverbandes der Schweiz. Das Mobbing von Schülern via Social Media habe in den letzten Jahren zugenommen und auch Cyber-Mobbing gegen Lehrer sei nichts Neues. «Das ist definitiv kein Kavaliersdelikt», so Zemp. Schüler, die Cyber-Mobbing begehen, müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Den Jugendlichen müsse der Grundsatz «Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst» nahegelegt werden. Umso wichtiger sei es, den Schülern den Umgang mit Social Media beizubringen.

Das sieht auch Schulleiter Rolf Glaus so: «Auf Social-Media-Gefahren aufmerksam zu machen, ist das tägliche Brot.» Im Informatikunterricht gehöre das Thema zum Lehrplan, aber auch in Projektwochen der Schule werde immer wieder darüber gesprochen. Laut Glaus wird in Grenchen gar mit einem interaktiven Theater zusammengearbeit, bei dem es um die Gefahren von Social Media geht: «Dort können die Schüler den Umgang mit diesen Gefahren üben.» Weiterhin arbeite die Jugendpolizei mit der Grenchner Schule zusammen. Diese kläre die Jugendlichen über die Risiken von Social Media auf. Darüber hinaus würden Elternabende organisiert, um auch die Eltern zu informieren.

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