Zürich: Cyber-Polizist wird zum neuen Trendberuf
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ZürichCyber-Polizist wird zum neuen Trendberuf

Immer mehr Kriminelle tummeln sich im Internet. Doch die Schweiz ist schlecht geschützt. Es mangelt an Security-Spezialisten.

Die Zeit der Hobbyverbrecher im Internet ist vorbei. Immer grösser wird die Bedrohung durch organisierte Online-Banden. 1000 Milliarden Dollar an Schäden sollen sie 2010 rund um den Globus verursacht haben, schätzt der Software-Entwickler McAfee. «Cyberkriminalität ist die Achillesferse der Schweiz», warnt Ivan Bütler, Chef des IT-Sicherheitsunternehmens Compass Security. «Wir sind gegen die Bedrohungslage nicht gewappnet.» Dabei geht es längst nicht mehr bloss um den Missbrauch von Serverkapazitäten, Bankkonto- oder Kreditkontoinformationen. «Geistiges Eigentum wird weltweit im grossen Stil gestohlen», so Gabriel Brönnimann, Spezialist für Cyber-Sicherheit an der ETH Zürich. Kriminelle – oft aus China oder Russland – würden etwa zunehmend Baupläne und Kundendaten klauen.

Mit der Bedrohung wächst der Bedarf an Sicherheits-Fachleuten sowie spezieller Hard- und Software. Laut dem Marktforscher MSM Research gaben Schweizer Unternehmen im letzten Jahr 1,85 Milliarden Franken aus, um sich gegen die Risiken zu schützen. Im laufenden Jahr dürfte diese Zahl um gut 4 Prozent weiterwachsen. Doch Fachleute zu finden, ist nicht einfach: «Besonders in der Schweiz nicht», klagt Andreas Kern von der UBS. «Wir würden es deshalb sehr begrüssen, wenn in der Schweiz die Ausbildung in diesem Bereich gestärkt würde.» In den USA schiessen Ausbildungsgänge zum Cyber-Polizisten wie Pilze aus dem Boden. Der Trend ist aber auch in der Schweiz angekommen: ETH Zürich, ZHAW, FH Luzern und weitere Fachhochschulen bilden jährlich Dutzende Informatiker aus, die auf IT-Sicherheit spezialisiert sind. Und es werden immer mehr: «Das Interesse ist riesig», sagt Thomas Dübendorfer, Präsident der Information Security Society Schweiz. (20 Minuten)

«Grossbanken stellen Hacker an»

Wegen Fachkräftemangel holen Firmen Hacker zur Hilfe, sagt Guido Rudolphi, Experte für Internet-Kriminalität und Inhaber des Unternehmens NetMon.

Sind Schweizer Unternehmen gegen Kriminelle im Internet angemessen geschützt?

Guido Rudolphi: Bei Weitem nicht. Vielen fehlt das Bewusstsein für die Bedrohung. 90 Prozent der Unternehmen verschlüsseln ihre E-Mails nicht. Das ist unglaublich naiv.

Es fehlt an Spezialisten. Was tut die Wirtschaft dagegen?

Viele Firmen stellen mittlerweile gezielt Hacker an, um Cyberkriminelle abzuwehren, – auch Schweizer Grossbanken.

Lassen sich solche Leute überhaupt integrieren?

Einen Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr kann man diesen Computer-Nerds nicht zumuten, die muss man anders motivieren.

Wie genau?

Sie müssen ohne strenge Vorgaben arbeiten dürfen, auch von zuhause aus. Oder im Verbund mit Leuten, die nicht in der Firma arbeiten, die man aber online «kennt».

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