Mellingen – Cyberangriffe auf Schweizer Gemeinden – Hacker profitieren von der Pandemie
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MellingenCyberangriffe auf Schweizer Gemeinden – Hacker profitieren von der Pandemie

Nach Montreux und Rolle haben Cyberkriminelle jetzt auch die Aargauer Gemeinde Mellingen ins Visier genommen und sich Zugang zu E-Mail-Konten verschafft und schickten schädliche E-Mails an die Bewohner. Dass ausgerechnet Schweizer Gemeinden immer häufiger Opfer von Cyberattacken werden, ist für den IT-Kenner Reto Vogt kein Zufall.

Der Journalist und Chefredakteur von Inside IT Reto Vogt beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der IT-Branche. In dieser Zeit hat er nichts Vergleichbares gesehen. Die Angriffe selbst sind kein neues Phänomen, der Erfolg dabei aber schon. Der Fall Mellingen liegt nun bei den Strafbehörden. Die Gemeinde bestätigt den Angriff schriftlich. Nur der Mail-Server war betroffen, die Angreifer oder Angreiferinnen konnten sich auf keine sonstigen Systeme oder Daten Zutritt verschaffen. Ausserdem gäbe es keine Anhaltspunkte, dass vom Angriff besonders schützenswerte Daten betroffen waren.

Es ist jedoch noch nicht definitiv klar, ob die Daten der Einwohner und Einwohnerinnen gestohlen wurden. Anders in der Waadtländer Gemeinde Rolle: Ende Mai tauchten dort im Darknet Informationen über Unternehmen und Bewohner und Bewohnerinnen auf. Die Hacker und Hackerinnen forderten daraufhin Lösegeld von der Gemeinde. Für den Kenner der IT-Branche sind besonders kleine Gemeinden für Cyberattacken anfällig. Reto Vogt sieht bei vielen Gemeinden Nachholbedarf bei der IT-Sicherheit und erklärt sich dies hauptsächlich als finanzielle Hürden, die bewältigt werden müssen. Ausserdem sollen in Zukunft die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen besser geschult werden, um solche Ransomware-Angriffe frühzeitig zu erkennen.

Gerade die Corona-Pandemie und die damit verbundene Digitalisierung bietet laut dem Experten zusätzliche Angriffsfläche. Und nicht nur Gemeinden geraten ins Visier von Cyberkriminellen, sondern auch Privatunternehmen. Waren 2019 ein Viertel aller Schweizer KMU von Hackern und Hackerinnen angegriffen worden, sind es dieses Jahr mehr als ein Drittel. Auch Spitäler müssen sich besonders vor Cyberkriminellen schützen, weil diese durch die Corona-Pandemie erpressbar geworden sind. Laut dem Experten sei die Frage nicht ob, sondern wann die Hacker und Hackerinnen in der Schweiz wieder erfolgreich zuschlagen.

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(Team Video News)

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