Straf­mass­nah­me für Jugendliche: Cybermobber müssen zum Internetkurs antraben
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Straf­mass­nah­me für JugendlicheCybermobber müssen zum Internetkurs antraben

Jugendliche, die online andere mobben, müssen in gewissen Kantonen Medienkompetenz-Kurse besuchen. Die Rückmeldungen sind positiv.

von
C. Kündig
«Oft sind mehrere Jugendliche in Cybermobbing-Fälle involviert», sagt Giancarlo Pellizzari, stv. Leitender Jugendanwalt des Kantons St. Gallen.

«Oft sind mehrere Jugendliche in Cybermobbing-Fälle involviert», sagt Giancarlo Pellizzari, stv. Leitender Jugendanwalt des Kantons St. Gallen.

Keystone/AP/Nati Harnik

Dieses Jahr haben junge Schweizer an Wochentagen im Schnitt zwei Stunden und 30 Minuten im Internet gesurft, 3 Stunden und 40 Minuten waren es gemäss der letzten James-Studie samstags und sonntags – 30 Minuten mehr als noch vor zwei Jahren. Diese Entwicklung scheint sich auch auf die Anzahl Online-Belästigungen auszuwirken: «Wir sind immer mehr mit solchen Anzeigen konfrontiert», sagt Günter Marz, Sozialarbeiter bei der Jugendanwaltschaft Aargau, zur «Schweiz am Sonntag». Hier sollen nun in mehreren Kantonen Medienkompetenzkurse – von der Jugendanwaltschaft verordnet – Abhilfe schaffen.

Im Kanton Aargau schickt die Jugendanwaltschaft gewisse Online-Mobber an zwei Nachmittagen in ihrer Freizeit an einen solchen Kurs. Das Ziel sei, Jugendliche, die erstmals straffällig werden, nicht nur zu bestrafen, sondern auch zu schulen, so Marz zur Zeitung.

Dass aufgrund ihrer Online-Posts, Fotos oder Whatsapp-Nachrichten Leute leiden könnten, seien sich die meisten Täter gar nicht bewusst, so Andy Schär, Pädagoge und Kurs-Leiter. «Die meisten haben einen grossen Schreck, erwischt worden zu sein.»

«Die Fälle haben sich auch in unserem Kanton vermehrt»

Medienkompetenzkurse für Cyber-Bullys gibt es auch in St. Gallen. Giancarlo Pellizzari, stv. Leitender Jugendanwalt des Kantons, erzählt: «Oft sind mehrere Jugendliche in Cybermobbing-Fälle involviert.» Dann komme es vor, dass eine ganze Gruppe in einen Medienkompetenzkurs geschickt werde – in der Regel im Rahmen einer persönlichen Leistung, also einer Strafe. «Solche Fälle haben sich in den letzten Jahren auch bei uns vermehrt», so Pellizzari. Früher habe es die Möglichkeit, in sozialen Netzwerken Personen zu mobben, ja auch noch nicht gegeben.

Die Schule treffe seiner Meinung nach keine Schuld. «Gemäss meiner Erfahrung nehmen die Schulen ihre Verantwortung diesbezüglich wahr.» Es liege in erster Linie nicht am mangelnden Wissen der Mobber, sondern wohl eher daran, dass diese sich bei der Tat «einfach nicht daran besinnen».

«Mehr Jungs als Mädchen»

Auch die Jugendanwaltschaft des Kantons Zürich schult manche Internet-Mobber in Medienkompetenz. Seit Beginn des Angebots 2014 haben diesen Kurs rund 20 Jugendliche besucht – «mehr Jungs als Mädchen», sagt Sarah Reimann, Sprecherin der Oberjugendanwaltschaft. Die Rückmeldungen seien sehr positiv.

Im Kurs sollen die Jugendlichen mit ihren Taten konfrontiert und bezüglich der strafrechtlichen Konsequenzen ihres Handelns aufgeklärt werden, erklärt Reimann. «Sie erlernen dabei auch Strategien, die sie künftig davor bewahren sollen, aus Langeweile, fehlender Selbstkontrolle oder aus dem Wunsch zur Provokation verbotene Inhalte im Netz zu verbreiten.» Ausserdem gebe es auch einen Elternabend, der den betroffenen Eltern wichtige Informationen zum Medienkonsum von Jugendlichen vermittle.

Hier findet man als Opfer Informationen und Hilfe

Jugend und Medien - die nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen:

Jugendundmedien.ch

Kinder im Internet - Plattform der Internet-Prävention für Eltern, Jugendliche und Kinder:

Kinder-im-internet.ch

Die Seite der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität:

Cybercrime.admin.ch

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