Aktualisiert 02.11.2011 11:53

«Schwarze Witwe»

Cyberterroristin muss Strafe absitzen

Die Dschihadistin Malika El Aroud muss nach Verbüssung einer Freiheitsstrafe in Belgien auch in der Schweiz ins Gefängnis. Das Bundesstrafgericht hob den bedingten Vollzug einer sechsmonatigen Strafe auf.

von
Balz Bruppacher
Malika El Aroud muss laut Bundesstrafgericht auch in der Schweiz eine Strafe absitzen, nachdem sie in Belgien verurteilt wurde. Archivaufnahme vom Oktober 2003 in Brüssel.

Malika El Aroud muss laut Bundesstrafgericht auch in der Schweiz eine Strafe absitzen, nachdem sie in Belgien verurteilt wurde. Archivaufnahme vom Oktober 2003 in Brüssel.

Ihr Name sorgte kürzlich wieder für Aufsehen: Die «SonntagsZeitung» berichtete, der Mann von Malika El Aroud sei möglicherweise im Fall des in Pakistan entführten Schweizer Polizisten-Ehepaars als Übersetzer für die Taliban tätig. Mit der in Marokko geborenen 52-jährigen Belgierin musste sich nun erneut das Bundesstrafgericht in Bellinzona befassen.

Es ging um den Vollzug der am 21. Juni 2007 gegen El Aroud ausgesprochenen Freiheitsstrafe von sechs Monaten, bedingt auf drei Jahre. In dem wegweisenden Urteil sprachen die Richter in Bellinzona die Frau und ihren tunesischen Ehemann Moez Garsallaoui der Unterstützung einer kriminellen Organisation schuldig. Es handelte sich um den ersten Schuldspruch in der Schweiz wegen Unterstützung einer Terrororganisation.

Anleitungen zum Bombenbau

Erstmals setzte das Gericht zudem das Internet einer Waffe gleich. Auf der von Garsallaoui betriebenen Webseite waren Drohungen von Al Kaida gegen europäische Länder verbreitet, grausamste Gewaltvideos gezeigt und Anleitungen zum Bombenbau veröffentlicht worden. Der heute 43-jährige Tunesier entzog sich der Strafe von 24 Monaten, davon 6 unbedingt, durch Flucht. Seine Frau kam mit einer bedingten Strafe davon, weil die Richter in Bellinzona in ihrem Fall eine günstige Prognose stellten. Sie sei sich der Widerrechtlichkeit ihrer Handlungen bewusst, namentlich was die Gewaltdarstellungen betreffe.

In dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil widerruft das Bundesstrafgericht aber den bedingten Strafvollzug. Denn El Aroud wurde inzwischen in Belgien zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, und zwar wegen Mitgliedschaft und führender Rolle in einer Terrororganisation im Zeitraum von Anfang 2007 bis zu ihrer Verhaftung im Dezember 2008. Die militante Dschihadistin soll unter anderem als Kopf einer Al-Kaida-Zelle junge Kämpfer rekrutiert haben. El Aroud wurde auch als Ikone der Islamisten und schwarze Witwe bezeichnet. Ihr früherer Ehemann hatte zwei Tage vor den Anschlägen vom 11. September 2001 mit einem Selbstmordattentat den afghanischen Oppositionsführer Ahmed Shad Massud getötet.

Gemäss Strafgesetzbuch wird der bedingte Strafvollzug widerrufen, wenn der Verurteilte während der Probezeit rückfällig wird und wenn befürchtet werden muss, dass er weitere Straftaten begeht. Beides trifft laut den Richtern im Fall von El Aroud zu.

Weiterzug möglich

Die Behörden des Kantons Freiburg – El Aroud und Garsallaoui lebten vor ihrer Verhaftung in Düdingen – müssen nun den Strafvollzug übernehmen. Denkbar ist, dass sie Belgien auf dem Rechtshilfeweg um Strafübernahme ersuchen. Noch läuft allerdings die 30-tägige Frist für den Weiterzug des Urteils ans Bundesgericht in Lausanne. Die Schweizer Anwältin von El Aroud war für 20 Minuten Online nicht zu erreichen.

(Urteil SK.2011.2 vom 20. Oktober 2011)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.