Nach Abschiebung: «Da gehöre ich nicht hin»
Aktualisiert

Nach Abschiebung«Da gehöre ich nicht hin»

Nino Niederreiter muss zurück in die Juniorenliga. Nun blickt der 18-Jährige auf seine neun NHL-Spiele zurück und wagt einen ersten Ausblick.

von
Jürg Federer
New York

20 Minuten Online: Nino Niederreiter, war es hart, die NHL zu verlassen?

Nino Niederreiter: Es war hart, von den neu gewonnenen Freunden Abschied zu nehmen. Ich habe aber gespürt, dass es soweit kommen würde und ich war vom Entscheid der New York Islanders, mich zurück zu den Junioren zu schicken, nicht überrascht.

Wann haben Sie gespürt, dass Sie diese Saison nicht in der NHL spielen würden?

Mir wurde nach dem sechsten von neun Spielen bewusst, dass ich nur temporär einen Platz in diesem Kader haben würde. Ich habe gesehen, wie sich Spieler wie Kyle Okposo, Trent Hunter oder Rob Schremp von ihren Verletzungen erholt haben und da war für mich klar, dass ich in der dritten oder vierten Linie landen würde. Und da gehört ein Goalskorer wie ich einfach nicht hin. Wenn man Tore erzielen kann, braucht man die Mitspieler, die einem die Pässe dazu spielen. Die gibt es aber nicht einmal in den besten NHL-Teams in den hinteren Sturmreihen. Deshalb wusste ich, wie meine unmittelbare Zukunft aussehen würde.

Was haben Sie in neun NHL-Spielen mit den New York Islanders gelernt?

Dass es in der NHL extrem schwierig ist, sich Chancen zu erarbeiten. Und dass es in der NHL notwendig ist, die Chancen, die man sich erarbeitet, auch zu verwerten.

Und was müssen Sie noch lernen, bis Sie ein Stammspieler in der NHL sind?

Ich muss schneller laufen, schneller denken und schneller spielen. So einfach ist das.

Kann man das in einer Juniorenliga wie der WHL lernen?

Diese Frage ist berechtigt. Normalerweise spielt man immer auf dem Niveau des Gegners und das ist in der WHL tiefer als in der NHL. Deshalb bemühe ich mich nun, trotz schwächerer Gegner, einfach auf meinem NHL-Level weiterzuspielen. Nur so kann ich an meinen eigenen Leistungen wachsen.

Sie hatten einen furiosen Start in die NHL, Sie haben alle Gegner weggecheckt und dann wurde es immer ruhiger um Nino Niederreiter. Wie beurteilen Sie Ihre Leistung über neun NHL-Spiele selbst?

Was Sie ansprechen hat mit meiner Entwicklung in diesen neun Spielen zu tun. Am Anfang der Saison habe ich mir nur zugetraut, mit physischer Präsenz ein Zeichen zu setzen. Mit zunehmender Dauer habe ich mich aber mehr getraut, auch mit dem Puck etwas zu kreieren. Deshalb liess meine physische Präsenz nach. Alles in allem bin ich zufrieden mit meiner Leistung. Die New York Islanders haben mich gedraftet, weil ich ein Goalskorer bin und nicht weil ich Checks austeilen kann.

Was sind Ihre besten Erinnerungen an die letzten Wochen in der NHL?

Ganz klar das erste Spiel mit den New York Islanders gegen die Dallas Stars. Dann natürlich mein erstes Tor in der NHL und auch die Spiele in Kanada gegen Montreal und gegen Toronto waren eine grossartige Erfahrung.

Und was war Ihre schlimmste NHL-Erfahrung?

Glücklicherweise wurde ich von schlimmen Erfahrungen verschont.

War es der Stockschlag von Mike Cammalleri in der Saisonvorbereitung, der Sie kurzfristig ausser Gefecht gesetzt hat?

Nun ja, das war vielleicht mein schlimmster Moment. Aber ich habe ihn schon längst weggesteckt.

Ihr NHL-Vertrag läuft noch nicht, das besagt das NHL-Reglement. Haben Sie für Ihre Einsätze in der NHL trotzdem Geld erhalten?

Ja, die New York Islanders haben mich ganz normal für meine neun Einsätze mit meinem NHL-Salär (900 000 US Dollar für 82 Spiele, die Red.) entschädigt. Hinzu kommt ein Unterschriftsbonus von 90 000 US Dollar. Ich habe nun mehr als genügend Geld, um mein Leben zu bestreiten.

Ihre Eltern bezahlen also erstmals nicht mehr für Ihre Karriere.

Ja, meine Eltern müssen gar nichts mehr bezahlen. Ich stehe nun auf eigenen Füssen.

Aber das Leben in der WHL ist dennoch anders als in der NHL. Leben Sie nun wieder bei einer Gastfamilie?

Ja, das ist eine grosse Umstellung, auf Long Island habe ich im Hotel gelebt. Ich meine, es ist angenehm, dass man ein Zuhause hat und dass jemand das Abendessen für einem kocht. Aber ich muss auch um 11 Uhr zuhause sein, das ist etwas mühsam.

Sie haben Sven Bärtschi, Ihren neuen Schweizer Teamkollegen in Portland, vorher schon gekannt?

Ja, wir haben in Junioren-Nationalteams zusammen gespielt und wir waren schon länger wirklich gute Freunde. Ich freue mich auf die Junioren-Weltmeisterschaft in Buffalo mit ihm.

Ihr letztes Ziel, die NHL im Eiltempo zu erobern, haben Sie verpasst. Was sind Ihre neuen Ziele?

Wir haben hier in Portland ein extrem gutes Team. Die Chancen, den Memorial Cup zu gewinnen, sind sehr gut. Deshalb will ich mit den Winterhawks so lange erfolgreich spielen wie möglich. Und ich weiss, dass das mein letztes Jahr bei den Junioren sein wird. Ich habe viel Selbstvertrauen und ich bin optimistisch, dass ich nächstes Jahr NHL-Eishockey spielen werde. Eigentlich habe ich ja dieses Jahr schon jeden Kaderschnitt der New York Islanders überstanden. Es war mein Pech, dass die Islanders so viele Verletzte hatten, dass sie zuletzt sogar AHL-Spieler befördern mussten. Die sind mir schlussendlich vor der Sonne gestanden. Nächstes Jahr passiert mir das nicht mehr. Nächstes Jahr spiele ich in der NHL.

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