Sexuelle Belästigung: «Da ist es normal, Frauen in den Schritt zu fassen»

Aktualisiert

Sexuelle Belästigung«Da ist es normal, Frauen in den Schritt zu fassen»

58 Prozent der Frauen haben Angst, nachts allein unterwegs zu sein. 44 Prozent erlebten schon sexuelle Übergriffe. Experten fordern Benimmkurse für Buben und mehr Polizei.

von
D. Pomper
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Eine gewichtete Umfrage von 20 Minuten mit 2500 Teilnehmerinnen zeigt: 58 Prozent der Frauen fürchten sich, nachts allein unterwegs zu sein. Am ängstlichsten sind Frauen über 64. Von den 18- bis 34-Jährigen geben 59 Prozent an, sich unwohl zu fühlen, bei den 35- bis 49-Jährigen sind es 51 Prozent. Weiter geben 44 Prozent der Frauen an, schon einmal Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein: 41 Prozent wurden sexuell belästigt, drei Prozent wurden vergewaltigt.

Eine gewichtete Umfrage von 20 Minuten mit 2500 Teilnehmerinnen zeigt: 58 Prozent der Frauen fürchten sich, nachts allein unterwegs zu sein. Am ängstlichsten sind Frauen über 64. Von den 18- bis 34-Jährigen geben 59 Prozent an, sich unwohl zu fühlen, bei den 35- bis 49-Jährigen sind es 51 Prozent. Weiter geben 44 Prozent der Frauen an, schon einmal Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein: 41 Prozent wurden sexuell belästigt, drei Prozent wurden vergewaltigt.

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Warum werden so viele Frauen Opfer sexueller Gewalt? «Es gibt noch immer zu viele Männer, die Frauen und ihre körperliche Integrität nicht respektieren», sagt Daniela Brühwiler von der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich. In gewissen Clubs sei es normal, Frauen an die Brüste oder in den Schritt zu fassen.

Warum werden so viele Frauen Opfer sexueller Gewalt? «Es gibt noch immer zu viele Männer, die Frauen und ihre körperliche Integrität nicht respektieren», sagt Daniela Brühwiler von der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich. In gewissen Clubs sei es normal, Frauen an die Brüste oder in den Schritt zu fassen.

Sicherheitspolitiker Thomas Hurter (SVP) fordert, an Risiko-Orten genügend Sicherheitspersonal aufzubieten, damit sich Frauen nachts sicherer fühlten. Noch wichtiger aber sei, Polizeieinsätze im Nachhinein nicht zu verurteilen. «Das führt nämlich dazu, dass Bürger lieber wegschauen als eingreifen.»

Sicherheitspolitiker Thomas Hurter (SVP) fordert, an Risiko-Orten genügend Sicherheitspersonal aufzubieten, damit sich Frauen nachts sicherer fühlten. Noch wichtiger aber sei, Polizeieinsätze im Nachhinein nicht zu verurteilen. «Das führt nämlich dazu, dass Bürger lieber wegschauen als eingreifen.»

Keystone/Anthony Anex

Wie sicher fühlen sich Frauen in der Schweiz? Eine gewichtete Umfrage von 20 Minuten mit über 2700 Teilnehmerinnen zeigt: Obwohl die Schweiz als eines der sichersten Länder der Welt gilt, fürchten sich 58 Prozent der Frauen, nachts allein unterwegs zu sein. Am ängstlichsten sind Frauen über 64 Jahre. Von den 18- bis 34-Jährigen geben 59 Prozent an, sich unwohl zu fühlen, bei den 35- bis 49-Jährigen sind es 51 Prozent.

Weiter geben 44 Prozent der Frauen an, schon einmal Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein: 41 Prozent wurde sexuell belästigt, drei Prozent wurden vergewaltigt.

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Wie ein Blick in die Kriminalstatistik 2016 zeigt, wurden letztes Jahr insgesamt 7329 Widerhandlungen gegen die sexuelle Integrität registriert. Das bedeutet eine erneute Zunahme gegenüber dem Vorjahr (+8,5 Prozent). Bei den sexuellen Belästigungen waren von den 705 Beschuldigten 324 Schweizer und 381 Ausländer, darunter 82 Personen aus dem Asylbereich. Auch bei den sexuellen Nötigungen und Vergewaltigungen waren über die Hälfte der Beschuldigten Ausländer. Bei den Exhibitionisten waren über die Hälfte Schweizer.

«Normal, Frauen in den Schritt zu fassen»

Warum werden so viele Frauen Opfer sexueller Gewalt? «Es gibt noch immer zu viele Männer, die Frauen und ihre körperliche Integrität nicht respektieren», sagt Daniela Brühwiler von der Frauenberatung sexuelle Gewalt Zürich. In gewissen Clubs sei es normal, Frauen an die Brüste oder in den Schritt zu fassen. Am häufigsten betroffen von sexueller Gewalt seien 18- bis 29-Jährige, die häufiger im Ausgang unterwegs seien.

Den hohen Anteil ausländischer Beschuldigter bei Widerhandlungen gegen die sexuelle Integrität erklärt sich Brühwiler mit dem Frauenbild, das von der Kultur abhängig sei. «In einigen Kulturen sind Frauen in den Augen gewisser Männer dazu da, deren Bedürfnisse zu befriedigen und immer verfügbar zu sein.»

Man solle sich aber davor hüten, das Bild des fremden Mannes, der aus dem Busch springt und eine Frau attackiert, zu bewirtschaften. «Das ist ein Mythos. Rund 80 Prozent der Frauen kennen den Täter. Er stammt meist aus dem Familien- und Freundeskreis.» Schlussendlich gehe es immer um eine Machtausübung, die natürlich auch unter Schweizern vorkomme. Brühwiler: «Der Mann will der Chef sein und verlangt von der Frau allzeitige Verfügbarkeit.»

Schulkurse und mehr Sicherheitspersonal

Um die Zahl der sexuellen Übergriffe zu senken fordert Brühwiler, dass Buben schon in der Schule lernen sollten, Frauen anständig zu behandeln. «Sie sollen frühzeitig lernen zu kommunizieren, statt übergriffig zu werden.»

Sicherheitspolitiker Thomas Hurter (SVP) dagegen fordert, an Risiko-Orten genügend Sicherheitspersonal aufzubieten, damit sich Frauen nachts sicherer fühlten. Noch wichtiger aber sei, Polizeieinsätze im Nachhinein nicht zu verurteilen. «Das führt nämlich dazu, dass Bürger lieber wegschauen als eingreifen.» Die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft werde grösser, da niemand mehr die Übeltäter zurechtweise. Auch Ausländer, die in die Schweiz kämen und ein anderes Frauenbild pflegten, hätten sich an die hiesigen Umgangsformen zu halten.

Die Umfrage

An der 20-Minuten-Umfrage zu Feminismus und Gleichberechtigung nahmen vom 4. bis 6. April 6889 Personen aus der Deutschschweiz teil. Darunter 4121 Männer und 2768 Frauen.

Die Daten wurden von den Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen nach geographischen und sozio-demographischen Variablen gewichtet, damit die Auswertung möglichst genau der Bevölkerungsstruktur der Schweiz entspricht. (dp)

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