Hitzfeld locker wie nie: «Da muss ich meine Frau fragen»

Aktualisiert

Hitzfeld locker wie nie«Da muss ich meine Frau fragen»

Die Schweiz fährt nach Brasilien, der Druck ist weg. Selten hat man Ottmar Hitzfeld so entspannt erlebt wie am Tag vor dem Slowenien-Spiel.

von
S. Compagno & E. Tedesco

Natürlich verlangt Hitzfeld auch im letzten Spiel der für die Schweiz so erfolgreichen WM-Qualifikation gegen Slowenien eine «optimale Leistung» und einen «maximalen Erfolg». Natürlich fordert er «mehr Kaltschnäuzigkeit beim Ausnützen von Torchancen». Professionelle Botschaften an eine Mannschaft, die von bisher 810 Minuten WM-Qualifikation 770 Minuten soliden bis hervorragenden Fussball gespielt hat.

Hitzfeld ist ein Mensch, dem man ansehen kann, wie er sich fühlt. Ganz ausgeprägt war das zu seinen Zeiten beim FC Bayern. Steigerte sich der Erfolgsdruck ins Unerträgliche, wurden seine Lippen noch schmaler, seine Furchen tiefer, seine Augen zu Schlitzen. Dann stand er an der Seitenlinie, starr, den Gürtel seines beigen Regenmantels derart eng festgezurrt, dass seine Silhouette an eine Sanduhr erinnerte.

Zum Lachen in den Keller?

Bei der Pressekonferenz vor dem Slowenien-Spiel war ein ganz anderer Hitzfeld zu sehen: lächelnd, entspannt, ja sogar zu Spässen aufgelegt. Auf die Frage, ob er mit der Verjüngung seiner Nati selber auch jünger geworden sei, scherzte Hitzfeld: «Da muss ich meine Frau fragen, welchen Eindruck sie hat.»

Und als ein anderer Journalist in Erfahrung bringen wollte, wie er seine Beziehung zur Nati definiere: «Ich muss der Mannschaft keinen Heiratsantrag machen.» Frank Mill, in den 90er-Jahren Stürmer bei Borussia Dortmund, prägte den Spruch, dass Ottmar Hitzfeld zum Lachen in den Keller gehe. Davon ist derzeit nichts zu sehen.

Vertragsgespräche stehen an

Die demonstrativ gute Laune ist im Vorfeld der Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung zwischen Hitzfeld und dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) durchaus als Signal zu verstehen. In den nächsten Wochen werden sich Hitzfeld, SFV-Präsident Peter Gilliéron und der Nationalmannschafts-Delegierte Peter Stadelmann zu Gesprächen treffen. Alles andere als eine Prolongation des nach der WM 2014 endenden Arbeitsverhältnisses bis 2016 wäre eine Überraschung.

Zunächst aber wartet noch Slowenien. Die Mannschaft von Srecko Katanec kämpft mit Island im Fernduell um den Platz in der Barrage. Die Slowenen brauchen einen Sieg um die Isländer, die zeitgleich auf Norwegen treffen, noch abzufangen. Spätestens am Dienstag um 20 Uhr hört dann auch bei Ottmar Hitzfeld der Spass wieder auf.

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