Ex-Töff-Star Tom Lüthi im Interview – «Da sitzt man ja nicht einfach kopflos auf den Töff und dreht Runden»
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Ex-Töff-Star Tom Lüthi im Interview«Da sitzt man ja nicht einfach kopflos auf den Töff und dreht Runden»

Tom Lüthi stand am vergangenen Wochenende zum letzten Mal als Rennfahrer im Einsatz. Im Gespräch mit 20 Minuten spricht er über seine Karriere und über die Risiken des Motorradsports.

von
Florian Gnägi
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Thomas Luethi war überwältigt davon, dass so viele Familienmitglieder und Freunde bei seinem letzten Rennen in Valencia dabei waren.

Thomas Luethi war überwältigt davon, dass so viele Familienmitglieder und Freunde bei seinem letzten Rennen in Valencia dabei waren.

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Der Berner mit der Nummer 12 fuhr in Spanien auf Rang 12.

Der Berner mit der Nummer 12 fuhr in Spanien auf Rang 12.

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Trotz der vielen positiven Gefühle, die er beim Abschiedsrennen erfuhr, bereut Lüthi den Rücktrittsentscheid nicht.

Trotz der vielen positiven Gefühle, die er beim Abschiedsrennen erfuhr, bereut Lüthi den Rücktrittsentscheid nicht.

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Darum gehts

  • Tom Lüthi beendete am vergangenen Wochenende seine grosse Töff-Karriere.

  • Im Interview mit 20 Minuten spricht er über seine Laufbahn und über seine Zukunft.

  • Der Berner ist stolz auf das Erreichte und bereut seinen Rücktrittsentscheid nicht.

Tom Lüthi, im Gespräch mit uns sagten Sie im August, dass es ganz speziell sein wird nach Ihrem letzten GP. Inwiefern traf das so ein?

Ja absolut. Das ganze Rennwochenende war sehr speziell für mich. Ich habe immer probiert, mich einfach auf meinen Job zu konzentrieren und den Rest auszublenden, aber natürlich ging das nicht. Ich war überwältigt davon, dass meine ganze Familie sowie viele Freunde und langjährige Wegbegleiter alle dabei waren. Das war wirklich sehr schön und hat das Rennwochenende für mich zu etwas ganz Speziellem gemacht.

Was bleibt Ihnen von Ihrem letzten Rennen sonst noch in Erinnerung?

Mit meiner Nummer 12 beim letzten Rennen auf Platz 12 fahren hat schön gepasst. Ansonsten hat mir das Training am Samstag sehr gefallen. Dort hatte ich ein richtig gutes Gefühl auf dem Töff, konnte pushen und ein super Resultat herausfahren, das gab mir sehr viel.

Bereuen Sie Ihren Rücktritts-Entscheid noch nicht?

Nein, bis jetzt noch gar nicht. Irgendwann kommt dann bei mir sicher ein Loch, aber im Moment bin ich einfach froh und stolz darauf, was ich erreicht habe. Ich bin nach wie vor absolut überzeugt davon, dass das der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt war.

Was war das schönste Rennen in Ihrer Karriere?

Es gab viele schöne Momente, aber wenn ich ein Rennen herauspicken müsste, dann dasjenige, als ich 2005 in Valencia Weltmeister wurde. Dieser Erfolg eröffnete mir viele Möglichkeiten und war der Antrieb für eine lange Karriere.

Was war der schlimmste Moment in ihrer Karriere?

In einem Sportlerleben sind immer Verletzungen schwierig. 2013 habe ich mir bei einem Test den Ellbogen schwer verletzt. Da wusste ich im ersten Moment nicht, ob ich je wieder Töff fahren kann, schaffte es dann aber wieder zurück.

Welche Entscheidung in Ihrer Rennkarriere bereuen Sie und weshalb?

Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer. Nach dem WM-Titel 2005 noch mal ein Jahr in der 125er Klasse zu fahren, war wohl nicht richtig. Da hätte ich vielleicht sofort in die 250er Klasse aufsteigen sollen. Im Grossen und Ganzen bin ich aber zufrieden mit meinen Entscheiden.

Ab 2022 werden Sie Sportchef beim deutschen Moto-3-Team PrüstelGP. Was können Sie von Sportchefs mitnehmen, mit denen Sie selber zusammengearbeitet haben?

Man kann immer von allen lernen und muss die Augen und Ohren offen halten. Ich muss aber meinen eigenen Weg finden in dieser neuen Herausforderung. Es gibt aber auch Beispiele wie der Spanier Pablo Nieto, der nach seiner Karriere denselben Schritt gemacht hat wie ich jetzt. Von solchen Leuten kann man sicher etwas abschauen.

Sie wollen dafür sorgen, dass der Motorradrennsport in der Schweiz nicht wieder in Vergessenheit gerät. Wie wollen Sie das anstellen?

Vor meiner Zeit war ein riesiges Loch. Der Motorradrennsport war medial überhaupt nicht präsent. Mit meinem Weltmeistertitel ist dann sehr viel passiert. Dann wurde der Sport bekannt. Das Ziel ist nun, das aufrechtzuerhalten. Die Finanzierung einer Karriere ist nicht einfach und es gibt leider nur sehr wenige talentierte Nachwuchsfahrer. Noah Dettwiler ist einer davon, den ich jetzt betreuen werde. Ich versuche ihm mit Ratschlägen und meinem Beziehungsnetzwerk weiter zu helfen.

Sie hätten eigentlich Manager des verstorbenen Jason Dupasquier werden sollen. Wie stark beschäftigt Sie sein Tod noch?

Es war ein riesen Einschnitt. Eigentlich lief alles nach Plan, dann kam dieser Unfall. Ich habe damals ein Rennen ausgelassen, aber mich entschieden weiter zu machen.

Hatten Sie als Rennfahrer Angst vor dem Tod?

Es kann natürlich immer etwas passieren, aber es wird viel getan für die Sicherheit in diesem Sport. Die Organisatoren machen sich diesbezüglich viele Gedanken, das kann ich natürlich nur unterstützen.

Ist Ihre Freundin eigentlich froh, dass Sie nicht mehr Rennen fahren?

Sie hat Einblick in das Ganze und weiss, was für die Sicherheit gemacht wird. Da sitzt man ja nicht einfach kopflos auf den Töff und dreht ein paar Runden. Klar, wusste sie, dass es ein Risiko-Sport ist und immer etwas passieren kann. Vielleicht ist sie schon froh, dass dieses Risiko nun nicht mehr existiert, aber sie ist auch ein grosser Fan von diesem Sport und weiss genau, dass ich das bedacht anging und hart dafür trainiert habe.

Haben Sie Angst vor dem, was jetzt kommt? Glauben Sie, dass Ihnen langweilig wird?

Bis jetzt noch gar nicht, aber ich hoffe, dass es zumindest einen kleinen Moment geben wird, in dem mir zwei bis drei Tage langweilig ist. Es ist jetzt ein nahtloser Übergang, aber ich plane im Winter vor dem kommenden Saisonstart noch Ferien zu machen, um mal richtig durchschnaufen zu können.

In Ihrer Karriere hatten Sie 17 GP-Siege und 65 Podestplätze - hat man als Töfffahrer mit einem solchen Palmares finanziell ausgesorgt?

Es kommt natürlich immer darauf an, wie man lebt und was man sich vom eigenen Lebensstandard vorstellt. In der Moto-GP-Klasse gibt es schon Fahrer, die ausgesorgt habe, aber die kann man vielleicht an ein bis zwei Händen abzählen. Viele Fahrer in diesem Zirkus kämpfen hart, aber haben finanziell längstens nicht bis zum Lebensende ausgesorgt.

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