Aktualisiert 06.02.2008 16:25

«Da war einer am zappeln»

Ein junger Luzerner Fasnächtler hat in der Nacht auf Aschermittwoch einen Mann vor dem Ertrinken gerettet. Ans kalte Wasser war der Retter bereits gewohnt: Er ist während der Fasnacht zweimal in einem Brunnen gelandet.

Güdisdienstag morgens um 02.00 Uhr in Luzern. Die eingefleischten Fasnächtler geben in den letzten Stunden vor Aschermittwoch immer noch alles. Auch Christian Lüthi trinkt Unter der Egg mit seinen Kollegen von der Joggumusig Nüderef noch ein Bierchen und feiert das Ende der Lozärner Fasnacht. Da hört der 22-jährige Mann aus Beromünster einen Hilfeschrei. Jemand sei in die Reuss gefallen!

«Jetzt gehst du mal rein ins Wasser»

«Da war tatsächlich einer am zappeln und da dachte ich mir, jetzt gehst du mal rein ins Wasser», schildert Lüthi die Ereignisse im Gespräch mit 20minuten.ch. Obwohl es bitterkalt war und die Strömung der Reuss an dieser Stelle beträchtlich ist, habe er nicht lange gezögert. «Es ging alles ganz schnell. Ich wusste, der braucht Hilfe, da habe ich instinktiv gehandelt.» Also hat er kurzerhand sein Hasenkostüm abgestreift, die Schuhe ausgezogen und sich in die kalten Fluten gestürzt.

Zweimal im Brunnen

Angst hatte er keine, denn er konnte sich in den vergangenen Tagen an kaltes Wasser gewöhnen. «Ich bin im Verlauf der Fasnacht zweimal in eiskaltem Brunnenwasser gelandet», sagt er. Was ihn genau dort hinein getrieben hat, wollte er nicht verraten - «es war ein Experiment», meint er nur vielsagend.

Seine physische Abhärtung und sein rasches Handeln hat an diesem Dienstagabend dem Verunfallten vielleicht das Leben gerettet. Gemeinsam mit einem Helfer zog er den etwa 20-Jährigen aus der Reuss. «Er war völlig ausser Atem, durchgefroren und total verstört», so Lüthi. Der verunglückte Mann wurde danach ins Spital gebracht, wie der Mediensprecher des Kantonsspitals Luzern gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» bestätigte.

Lüthi selbst verletzte sich bei der Rettung die Hand. Sie musste genäht werden. Vorher musste der junge Lebensretter noch seine klatschnasse Hose in einem Restaurant gegen trockene Hosen einer Kollegin austauschen. «Das war recht lustig. Es hat natürlich jede Menge Sprüche gehagelt.»

Beim Pinkeln reingefallen

Heute geht's Christian Lüthi bis auf die Wunde am Finger rundum gut. Er sei ein wenig mitgenommen, «aber das ist an einem Aschermittwoch normal.» Auch Vater Lüthi ist einfach nur froh, dass sein Sohn das Abenteuer unbeschadet überstanden hat. «Ich bin auch ein 'Wässriger' und viel auf und im Wasser», sagt er zu 20minuten.ch, «aber ich weiss nicht, ob ich diesen Sprung gewagt hätte.»

Warum der gerettete Mann ins Wasser gefallen ist, weiss man noch nicht genau. Zeugen sagten, er sei beim Pinkeln in die Reuss gefallen.

Tina Fassbind, 20minuten.ch

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