NHL-Update: Da warens nur noch acht Schweizer
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NHL-UpdateDa warens nur noch acht Schweizer

13 Schweizer sind in die Trainingscamps ihrer NHL-Klubs eingerückt, um sich für einen Platz in der härtesten Liga der Welt zu empfehlen. Mit mehr oder weniger Erfolg. Ein Überblick.

von
Monika Brand

Verteidiger Mark Streit hätte nebst Torhüter Jonas Hiller als einziger Schweizer nicht um seinen NHL-Platz zittern müssen. Doch nun ist der Berner verletzt und droht die Saison zu verpassen (20 Minuten Online berichtete). Streit ist somit vorerst weg vom Fenster. Auch ein weiterer Schweizer hat seit letzter Woche die Segel im NHL-Trainingscamp streichen müssen. Hier der Überblick über die einzelnen Teams mit Schweizer Beteiligung:

New York Islanders: Mark Streit und Nino Niederreiter

Verteidiger Mark Streit hat sich in einem internen Trainingsspiel an der linken Schulter verletzt und fällt wohl ein halbes Jahr aus. Damit droht der drittbeste Islanders-Skorer der vergangenen Spielzeit die Saison zu verpassen.

Shooting-Star Nino Niederreiter, der im Sommer als bester Schweizer aller Zeiten in der ersten Runde als Nummer 5 gedraftet wurde, konnte vergangene Woche einen Dreijahresvertrag unterzeichnen. Damit stehen die Zeichen nicht schlecht, dass «El Niño» zum Saisonstart sein Debüt in der NHL geben wird. Es ist aber durchaus möglich, dass der 18-Jährige nur etwas Luft bei den «Grossen» schnuppern darf. Die Isländers können den jungen Spieler nämlich bis zu neun Spiele lang testen und ihn danach immer noch zurück zu seinem Junioren-Team schicken. Für die Portland Winterhawks (WHL) verbuchte Niederreiter letzte Saison 76 Punkte (44 Tore/32 Assists) in 78 Spielen.

Die New York Islanders haben bisher noch kein Testspiel bestritten. Sie sind am Mittwoch bei den Calgary Flames zu Gast. Gut möglich, dass Nino Niederreiter dann erstmals bei seinem NHL-Team zum Einsatz kommt.

Anaheim Ducks: Jonas Hiller und Luca Sbisa

Die Ducks haben ihr Kader nach der ersten Trainingswoche bereits um 20 Mann auf 30 Spieler reduziert. Beide Schweizer sind noch im Rennen. Torhüter Jonas Hiller hat letzte Saison 59 Partien in der Regular Season bestritten und erhebt deshalb berechtigten Anspruch auf die Nummer-1-Position zwischen den Pfosten. Am Samstag hütete der Appenzeller im Testspiel gegen die Vancouver Canucks ein erstes Mal wieder für 60 Minuten das Tor der Ducks. Dabei musste er sich trotz 21 Paraden 4 Mal geschlagen geben.

Auch im Einsatz stand Verteidiger Luca Sbisa. Er kam auf ansehnliche 18:21 Minuten Eiszeit, was gleichbedeutend mit der fünftlängsten Einsatzzeit unter den Anaheim-Spielern war. Der 20-Jährige schoss dabei zweimal aufs Tor und kam auf eine 0-Bilanz. Beim Testspiel gegen die Phoenix Coyotes vom Mittwoch gab es übrigens nur zwei andere Spieler (Visnovsky und Fowler), die mehr Eiszeit als Sbisa (19:05 Minuten) erhielten . Dennoch muss sich der Schweizer in der NHL noch durchsetzen. Er debütierte zwar bereits vor zwei Jahren bei den Philadelphia Flyers in der härtesten Liga der Welt, letzte Saison schickten ihn die Ducks aber nach acht Spielen zurück zu den Junioren. Um sich besser weiterentwickeln zu können wechselte Sbisa dort von seinem bisherigen WHL-Team Lethbridge zu Nino Niederreiter nach Portland.

Montreal Canadiens: Yannick Weber und Robert Mayer

Verteidiger Yannick Weber hat in den letzten beiden Jahren bereits elfmal NHL-Luft geschnuppert, jetzt will er sich endgültig in der härtesten Liga der Welt durchsetzen. Die Chancen dazu stehen nicht einmal so schlecht. Im Testspiel gegen die Ottawa Senators kam der Neuenburger am Samstag gleich während 26:43 Minuten zum Einsatz und hatte damit am zweitmeisten Eiszeit nach NHL-Saurier Jaroslav Spacek (829 NHL-Spiele). Weber verliess das Eis mit einer +1-Bilanz und hatte vier Schüsse aufs Tor. Bereits am Mittwoch war er gegen die Boston Bruins (2:4) zum Einsatz gekommen, allerdings hatte er da «nur» 17:45 Minuten Eiszeit, eine -2-Bilanz und einen Schuss aufs Tor.

Torhüter Robert Mayer hat am Freitag im Spiel gegen die Ottawa Senators zum allerersten Mal in seiner Karriere NHL-Luft geschnuppert. «Ich habe ganz genau beobachtet, was Alex (Auld) in der ersten Spielhälfte gemacht hat, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was mich erwartet», so der 20-Jährige auf der Klub-Homepage. «Ich habe versucht mich vor dem Spiel zu entspannen, aber es ist schwierig nicht nervös zu sein. Ich meine, wenn du vor so etwas nicht nervös bist, dann läuft etwas falsch!» Wie der 211 NHL-Spiele erfahrene Alex Auld liess Mayer bei seinem Debüt nur einen einzigen Treffer zu und zeigte 18 Paraden. Die «Habs» gewannen 4:2. Ein gelungener Einstand also. Dennoch wird Torhüter Mayer den Sprung ins NHL-Team wohl eher nicht schaffen, haben doch gleich drei seiner Goalie-Konkurrenten bereits über 100 Spiele NHL-Erfahrung.

Von den ursprünglich 58 ins Trainingscamp eingeladenen Spieler sind bei den Montreal Canadiens immer noch deren 53 im Rennen.

Edmonton Oilers: Martin Gerber und Dominik Schlumpf

Die Oilers haben bereits nach drei Tagen im Camp 20 Spieler ausgemistet, unter ihnen auch den jungen Schweizer Verteidiger Dominik Schlumpf. Für den 19-Jährigen war aber schon die Einladung ins Trainingslager ein grosser Erfolg, hatte er sich doch durch ausgezeichnete Leistungen im Rookies-Camp aufgedrängt. Der ehemalige GCK-Lions-Junior kehrt zu seinem QMJHL-Team Shawinigan zurück, wo er sich in den letzten beiden Jahren den Ruf als «Warrior», also als besonders kampfstarker Spieler, erarbeitet hat.

Torhüter Martin Gerber befindet sich in Edmonton in einer schwierigen Situation. Die Kanadier haben ihn geholt, da Stammtorhüter Nikolai Chabibulin eine 30-tägige Gefängnisstrafe wegen Trunkenheit am Steuer und überhöhter Geschwindigkeit droht. Der Rekurs des Torhüters gegen das Urteil ist hängig, wann die Angelegenheit behandelt wird, ist unklar. Gerber ist der Lückenbüsser für Chabibulin, steht aber in dessen Schatten, solange der Russe noch nicht definitiv verurteilt ist und die Oilers keine Konsequenzen gezogen haben. Doch der Schweizer ist froh, nach einem Abstecher in die KHL und einer schweren Nackenverletzung zurück in Nordamerika zu sein. Der Emmentaler, der 2006 mit Carolina den Stanley Cup holte, muss sich im Trainingscamp beweisen, um nicht im Farmteam zu landen. Der 36-Jährige bestritt bisher ein halbes Testspiel gegen die Vancouver Canucks und hielt dabei seinen Kasten rein (14 Paraden). Die Oilers siegten 3:2.

Nashville Predators: Roman Josi

Viel Pech hat die NHL-Träume von Roman Josi in die Ferne gerückt. Der Verteidiger hat sich im Trainingscamp das linke Handgelenk gebrochen und muss vier bis sechs Wochen pausieren. Ausgerechnet jetzt, nachdem er in den bisherigen Testspielen sehr gute Noten erhalten hatte. Der 20-Jährige, der letzte Saison wesentlichen Anteil am Meistertitel des SC Bern hatte, muss die Saison im Farmteam bei den Milwaukee Admirals (AHL) beginnen. Die Chancen stehen aber gut, dass Josi sich nach seiner Genesung im Laufe der Saison fürs NHL-Team aufdrängen kann.

Ottawa Senators: Roman Wick

Die Senators haben bisher vier Testspiele bestritten. Roman Wick kam beim 5:0-Sieg gegen die Toronto Maple Leafs zum Einsatz, erhielt aber mit 10:37 Minuten am wenigsten Eiszeit. Trotzdem liess sich der Ex-Klotener einen Assist notieren. Tags darauf lief der Schweizer im Rückspiel gegen denselben Gegner (1:4) erneut auf, kam auf 12:04 Minuten Einsatzzeit, einen Schuss aufs Tor und eine ausgeglichene Bilanz.

Nach Hause geschickt wurden bei den Senators erst wenige Spieler, Wick ist weiterhin im Rennen - genau wie 44 andere.

Dallas Stars: Severin Blindenbacher

Die Dallas Stars haben am Sonntag ihr Kader auf 33 Mann reduziert. Severin Blindenbacher ist immer noch mit von der Partie. Zuletzt kam der Zürcher am Freitag im Testspiel gegen Colorado (2:1) zum Einsatz. Er kam auf eine Eiszeit von 21:05 Minuten, schoss einmal aufs gegnerische Tor und verliess das Eis mit einer -1-Bilanz. Nur zwei Spieler hatten mehr Einsatzzeit als der Schweizer Verteidiger. Auch am Mittwoch gegen Tampa stand Blindenbacher mehr als 20 Minuten auf dem Eis (21:41 Minuten), allerdings setzte es eine -2-Bilanz für ihn ab.

Blindenbacher, der sich zuletzt in Schweden etabliert hatte, hofft auf einen Stammplatz im NHL-Kader.

Tampa Bay Lightning: Juraj Simek

Der schweizerisch-slowakische Doppelbürger Juraj Simek hat auch im vierten Anlauf den Sprung ins NHL-Team nicht geschafft. Zusammen mit 20 anderen Spielern wurde er am Sonntag «gecutted», 28 verblieben im Kader. Simek steht für 48 Stunden auf einer Waiver-Liste, wird er während dieser Zeit nicht von einem anderen NHL-Team verpflichtet, muss er zurück ins Farmteam Norfolk (AHL).

Florida Panthers: Alain Berger

Etwas überraschend wurde der junge Alain Berger mit einem Probevertrag für das Trainingscamp der Florida Panthers aufgeboten. Er wurde jedoch bereits nach zwei Tagen wieder zurück zu seinem letztjährigen Juniorenteam geschickt. Der Berner wird die Saison mit den Oshawa Generals in der OHL bestreiten.

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