Mafia in Italien: Da werden mehr als Tischdecken gewaschen
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Mafia in ItalienDa werden mehr als Tischdecken gewaschen

Die Mafia reisst sich immer mehr gut laufende Restaurants in Rom unter den Nagel. Ein gastronomisches Interesse? Von wegen.

von
F. D'Emilio
AP

Gianfranco Romeo ist empört. Er, ein Strohmann, der der Mafia bei Geldwäschegeschäften in römischen Restaurants dienlich gewesen sein soll? Keineswegs. «Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für die Arbeit im Restaurant», betont er. «Ich fing einst als Tellerwäscher an.»

Romeo steht im Zusammenhang mit einem sich ausweitenden Geldwäsche-Skandal im Visier der römischen Ermittler. Er soll als Besitzer eines beliebten Restaurants aufgetreten sein, das die Mafia zur Wäsche von Kokain-Profiten genutzt haben soll. Die Gangster werden verdächtigt, systematisch immer mehr Touristen-Restaurants in der italienischen Hauptstadt für ihre Geschäfte aufzukaufen.

Romeo sieht sich als Opfer

Er könne es kaum erwarten, vor Gericht gestellt zu werden, um sich zu verteidigen, sagt Romeo. Er werde die Staatsanwaltschaft fragen, wie sie ihn als Strohmann bezeichnen könne, wo er doch mit seinem eigenen Geld bezahlt habe. Er und andere Investoren seien nur zur Zielscheibe der Ermittler geworden, weil sie aus Kalabrien stammten, beschwert er sich. Dort, in der südlichsten Region des italienischen Festlandes, hat die 'Ndrangheta, die zu den mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt zählt, ihren Ursprung.

Indem die Behörden Restaurants von hart arbeitenden Leuten wie ihm beschlagnahmten, stellten sie alle Kalabrier in Rom unter Generalverdacht, protestiert Romeo. Allein an der von Touristen überfluteten Via dei Pastini waren in diesem Jahr drei Trattorien im Zusammenhang mit den Geldwäsche-Ermittlungen Ziel von Razzien. Die 'Ndrangheta sei sehr auf den Besitz solcher Geschäfte aus, um Milliarden aus dem Rauschgifthandel reinzuwaschen, erklären die Behörden. Auch die aus Neapel stammende Camorra verfolge an anderer Stelle in Rom eine ähnliche Strategie.

Da werden mehr als nur Tischdecken und Laken gewaschen

Die von den Ermittlungen betroffenen Cafés und Restaurants haben weiter geöffnet. Kellner tragen Pizza und Wein auf, während die Fahnder Steuerakten und Eigentumsurkunden durchforsten. Auch Touristenhotels stehen auf der Liste, in denen mehr als nur schmutzige Bettlaken gewaschen worden sein sollen. In einem Fall haben die Ermittler den Verdacht, dass ein zum Hotel umgebautes Kloster rechtzeitig zum Heiligen Jahr 2000 von der 'Ndrangheta gekauft wurde.

Gianfranco Romeo wurde nach eigenen Worten eines Morgens von der Polizeirazzia geweckt. Zwei Tage später wurden die Pforten der Restaurants wieder geöffnet, die Touristen kamen zurück. Nur die wenigsten wissen etwas von dem Verdacht. Lediglich die Parlamentarier blieben aus, beklagt Romeo. «Sie sagen, dass sie jetzt nicht mehr kommen können.»

Gastro-Verband ist besorgt

Staatsanwalt Michele Prestipino beschreibt den Einsatz seiner Leute unterdessen als Sisyphusarbeit: «Wir können zehn Geschäfte am Tag beschlagnahmen. Und sie können zehn weitere am Tag kaufen.» In Rom fänden die Mafiosi gute Bedingungen. «Es ist ein Ort, an dem auch auffälliger Reichtum sich mit anderem Reichtum vermischt», sagt er.

Auch in Restaurants und Hotels in Mailand, Turin und anderen Städten Norditaliens breite die 'Ndrangheta sich aus. Die Lobby-Organisation der römischen Gastronomie FIPE zeigt sich alarmiert und fürchtet, abgedrängt zu werden. Im Gegensatz zu den ehrlichen Betreibern hätten die Gangster unerschöpfliche Geldquellen, um die Wirtshäuser zu gut gehenden Goldgruben zu machen, beklagt FIPE-Präsident Fabio Spada.

Sie verteidigen sich gegenseitig

Ins Visier der Fahnder geriet auch der aus Kalabrien stammende Geschäftsmann Salvatore Lania. Bei ihm erregten abgefangene Telefonate den Verdacht, dass er in Kontakt mit Mitgliedern der 'Ndrangheta stand. Als die Behörden dann seine Daten überprüften, stiessen sie nach Angaben des zuständigen Ermittlers Renato Chicoli auf eine Steuererklärung «mit fast nichts». Sie hätten sich natürlich gefragt, wie so jemand offenbar Restaurants in teurer Lage kaufen konnte.

Romeo verteidigt Lania als wahren Gastronom, der hart und ausdauernd arbeite. «Er kann in zwei Stunden 200 Pizzas backen», beteuert er.

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