Merkel gegen Steinmeier: «Da wollen zwei so weitermachen»
Aktualisiert

Merkel gegen Steinmeier«Da wollen zwei so weitermachen»

Ein Duell, das keines war: Die TV-Debatte zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier war zum Gähnen – und davon profitiert der SPD-Kandidat. Bereits wird über eine Neuauflage der Grossen Koalition spekuliert.

von
Peter Blunschi

Der Vergleich musste kommen. Neben dem feurigen und spannenden US-Wahlkampf des letzten Jahres wirkte das sogenannte Duell zwischen der CDU-Bundeskanzlerin und ihrem SPD-Herausforderer wie ein gemütliches Plauderstündchen. «Yes, we gähn!» titelte nicht nur das Boulevardblatt «Bild» in Anspielung auf den Obama-Slogan, sondern auch die linke «taz» auf ihrer Website. Andere Medien sprachen von «Duett statt Duell».

Zwar stimmen nicht alle in das Lamento ein, der Kommentator des Berliner «Tagesspiegels» etwa fand die Debatte «weder langweilig noch inhaltsleer». Doch in der Tonalität passte sie bestens zum bisherigen Nicht-Wahlkampf, in dem vor allem Angela Merkel jeden Ansatz zur Kontroverse im Keim erstickt hat. In einem Punkt aber sind sich die deutschen Medien einig: Wenn es am Sonntag einen Sieger gab, so heisst er Frank-Walter Steinmeier.

Steinmeier hat Chance genutzt

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl hatte der bislang eher farblose SPD-Kanzlerkandidat die wohl letzte Möglichkeit, sich zu profilieren. «Steinmeier hatte eine Chance – und er hat sie zu nutzen gewusst», kommentiert «Spiegel Online». Für die «Süddeutsche Zeitung» war er «sicher besser, als es seine eigenen Anhänger erwartet hatten». Und die konservative «Welt» titelte im Kommentar «Nur für Steinmeier ist dieses Remis ein Gewinn».

Angela Merkel hingegen wurde als «überraschend defensiv» wahrgenommen («Süddeutsche Zeitung»), sie habe sich auf ihre Rolle als «Ich auch!»-Kanzlerin beschränkt («Spiegel Online»). Es sei kein spannendes Duell gewesen, sondern «eine Fachdiskussion zwischen Kanzlerin und Vizekanzler» («Bild»). Kein Wunder, wird in den deutschen Medien heftig spekuliert, es könnte nach der Wahl in zwei Wochen so weitergehen wie bisher – mit einer Grossen Koalition aus CDU/CSU und SPD.

Alle Anzeichen auf Status Quo

«Da wollen zwei so weitermachen», lautet der Titel des «Bild»-Kommentars. «Spiegel Online» stellte fest, dass Angela Merkel die Antwort schuldig blieb, «warum die Union ganz dringend einen neuen Koalitionspartner namens FDP braucht». Und der «Tagesspiegel» brachte es auf den Punkt: «Eigentlich können die beiden ganz gut miteinander, haben wohl viele Zuschauer gedacht». In Deutschland, so scheint es, deuten alle Anzeichen auf Status Quo.

Nur 14,18 Millionen Zuschauer

Das Fernsehduell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier haben am Sonntagabend 14,18 Millionen Zuschauer angesehen - weit weniger als erwartet. Die Zahl teilte die ARD am Montag mit. Vorausgesagt worden waren bis zu 20 Millionen Zuschauer. Das Duell war live von ARD, ZDF, Sat.1 und RTL übertragen worden. Das Erste verzeichnete dabei 7,86 Millionen Zuschauer, das ZDF 3,47 Millionen, RTL 2,06 Millionen und Sat.1 0,79 Millionen. «Auch wenn Merkel-Steinmeier geringer eingeschaltet wurde als die bisherigen Kanzler-Duelle, war doch die gestrige Sendung das politische Fernsehereignis des Jahres 2009», erklärte die ARD. (ap)

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