Aktualisiert 05.07.2012 11:57

Kunstfurz«Dabei zu sein, schmeichelt uns natürlich»

In unserem Kunst-Duell messen sich die hässlichsten Skulpturen der Schweiz. Auf den vordersten Rängen: Mocmoc vom Bahnhofplatz Romanshorn. Künstler Johannes M. Hedinger freuts.

von
Susanne Lüthi

Vor dem Romanshorner Bahnhof steht seit nun bald zehn Jahren die Skulptur Mocmoc. Die Diskussionen rund um die Plastik des Kunstduos Com&Com, das Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger 1997 gegründet haben, entzweit die erwachsene Bevölkerung noch immer, den Kindern gefällt das pokémonartige, gehörnte Tier.

Selbstverständlich darf der Kunstaufreger aus der Gemeinde am südlichen Bodenseeufer in unserem grossen Duell nicht fehlen. Dort streiten etwas über 30 Werke um das Prädikat «hässlichstes Kunstwerk der Schweiz», es dürfen gerne noch mehr werden, mailen Sie uns Ihren Favoriten.

Com&Com über Mocmoc

Im Duell auf den vorderen, das heisst den schlechteren Rängen, tummelt sich also Mocmoc. Wir wollten von den Künstlern wissen, warum Mocmoc aussieht, wie er aussieht und wie es sich anfühlt, wenn sein Werk als hässlich bezeichnet wird. Das Wort hat Johannes M. Hedinger, die eine Hälfte des Duos.

Herr Hedinger, erzählen Sie uns die Geschichte von Mocmoc?

Johannes M. Hedinger: Mocmoc entstand aus einem Wettbewerb für die Neugestaltung des Romanshorner Bahnhofplatzes und entspringt einem Legendenkonstrukt. So soll der im Bodensee lebende Mocmoc einst dem Fischersbuben Roman sein Horn gegeben haben, um eine Feuersbrunst zu melden. Romans Horn rettete die Stadt, die so zu ihrem Namen kam.

Das Ding sieht aber reichlich modern aus für eine Legendengestalt.

Die Manga-Disney-Äthetik haben wir speziell für die Kinder gewählt, sie waren unser erstes Zielpublikum und haben Mocmoc zum Erfolg verholfen. Seither reist die Geschichte von Mocmoc rund um die Welt, unter anderem an die Kunstbiennalen von Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten und nach Singapur, wo er seinen Kumpel Mermer traf. Derzeit werden deren Abenteuer an einer Ausstellung im Kunstmuseum Olten gezeigt.

Sind Sie beleidigt, dass Ihr Werk im 20-Minuten-Duell als hässlich bezeichnet wird?

Nein, gar nicht. Das haben wir sogar erwartet. Mocmoc spaltet schon bald zehn Jahre die Bevölkerung. Dass dieses Potenzial weiterhin vorhanden ist, zeigt das Duell. Nur sind wir vom zwischenzeitlichen 2. Rang leider auf den 6. abgestiegen. (lacht)

Welches ist für Sie die grausligste Kunst im öffentlichen Schweizer Raum? Roman Signers Fass, das dank Ihnen auch im Duell auftaucht - allerdings erst auf Rang 20?

Nein, Signers Fass ist sogar ein sehr gelungenes Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum (das natürlich auch heftige Reaktionen ausgelöst hat). Ich fand einfach, es darf in dieser Liste nicht fehlen. Gute Kunst erzeugt oft Reibung, lanciert Diskussionen und Debatten und im Kern geht es bei Werken im öffentlichen Raum sehr oft um Identität und Heimat.

Dennoch: Welches finden Sie das schlechteste?

Es fällt mir schwer, nur von einem Foto die «schlechteste» Kunst zu wählen. Da muss man immer auch den Kontext kennen und das Werk an Ort und Stelle erleben, ob und wie es mit dem Umfeld in Dialog tritt. Schlecht finde ich, wenn ein Kunstwerk mich nicht berührt, wenn gar nichts geschieht. Wenn es reine Dekoration und Möblierung des öffentlichen Raumes ist. Es steht schon einiges an visueller Umweltverschmutzung rum, und die Frage sei erlaubt, ob das auch mal wieder abgeräumt werden dürfte.

Und welches Beispiel finden Sie, abgesehen von Signers Fass, gelungen?

In eurer Auswahl hat es meiner Meinung nach sehr viel gute, substanzielle Kunst von hervorragenden Künstlern wie den Brunnen von Meret Oppenheim, den Würfel von Sol LeWitt, «Die Liegende» von Josephson, den Block von Not Vital, «Maillart Extended» von Richard Serra, die Platte von Ulrich Rückriem oder eben das Fass von Roman Signer - allesamt Vertreter aus dem Kunstolymp. Da auch vertreten zu sein, schmeichelt uns natürlich.

Ihre Stimme zählt

Wenn auch Sie mitreden wollen, was gelungene und weniger gelungene Kunst ist, können Sie das in den Kommentaren tun. Und darüber abstimmen ganz einfach mit einem Klick auf das Bild oben.

Während der Mocmoc die Romanshorner Bevölerung noch immer entzweit, haben sich die Künstler Com&Com längst anderen Projekten zugewandt. Das neuste heisst «Bloch». Vereinfacht gesagt, geht es dabei darum, dass ein Baumstamm um die Welt reist und erzählt von Identität und Heimat. Wer es genauer wissen will findet alle Details auf www.bloch23781.com.

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