Premiere in Winterthur: «Dachten, IZRS-Film sei Reisedokumentation»

Aktualisiert

Premiere in Winterthur«Dachten, IZRS-Film sei Reisedokumentation»

In einem Winterthurer Hotel findet am Abend die Vorführung eines umstrittenen Films statt. Veranstalter ist der Islamische Zentralrat Schweiz. Pure Provokation, finden seine Gegner.

von
kko

Der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) veranstaltet am Samstagabend nach eigenen Angaben eine «Filmpremiere und Spendengala für Syrien» im Hotel Römertor in Oberwinterthur. In der Dokumentation mit dem Namen «Die wahrhaftige Morgendämmerung» ist auch Abdallah al-Muhaysini, ein Jihadist mit mutmasslichen Verbindungen zur Terrororganisation Al-Qaida, zu sehen. IZRS-Vorstandsmitglied Naim Cherni, Macher des Films, hatte im November bereits ein Interview mit diesem veröffentlicht.

IZRS-Kritiker werten es als «pure Provokation», dass der Film in Winterthur gezeigt wird. «Dieser Verein ist auch in anderen Teilen der Schweiz aktiv und hat für die Premiere nun den Ort ausgesucht, der jüngst sowieso schon wegen radikalisierter Muslime in den Schlagzeilen war», sagt Blerim Bunjaku, Präsident des FAIR Winti und Politiker in Winterthur.

«Trotzreaktion» nach Aufdecken der extremistischen Zelle

Auch Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forum für einen fortschrittlichen Islam, glaubt, dass der IZRS Winterthur nicht zufällig als Veranstaltungsort gewählt hat. «Nachdem die extremistische Zelle dort aufgedeckt wurde, erscheint dies nun wie eine Trotzreaktion. Als ob Winterthur nun ein Zentrum der Jihadisten-Szene werden soll.» Sie sei entsetzt gewesen, als sie davon erfuhr.

Wie Bunjaku spricht sie von einer Provokation, nennt die Veranstaltung gar «einen schamlosen Akt gegenüber der Stadt Winterthur». Denn eigentlich wolle der IZRS die Öffentlichkeit damit schockieren.

Hotelbetreiber «überrannt»

Die Hotelbetreiber des Römertor beschreiben die aktuelle Situation als «nicht erfreulich». Sie hätten die Räumlichkeiten einfach vermietet, ohne sich im Klaren darüber zu sein, wie umstritten die Veranstaltung beziehungsweise auch der Veranstalter ist.

«Wir dachten, der Film sei eine normale Reisedokumentation mit anschliessender Diskussion», so Geschäftsführerin Carola Peter. So jedenfalls sei ihr der Event angekündigt worden.

«Jetzt wurden wir von zahlreichen Reaktionen überrannt», sagt sie zu 20 Minuten. Das Hotel sei gegenüber anderen Religionen und Kulturen sehr offen, Peter betont aber: «Wir distanzieren uns von Extremismus oder allfälligem propagandistischem Inhalt des Films».

Darüber, ob eine Absage der Veranstaltung Thema war, wollte sie keine Auskunft geben. Gegen 18 Uhr noch einmal nachgefragt, hiess es, der Event sei im Gang und verlaufe ohne Zwischenfälle.

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