Tourismus-Krise: «Dachten nicht, dass es so schlimm würde»

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Tourismus-Krise«Dachten nicht, dass es so schlimm würde»

Im letzten Jahrzehnt boomte in der Türkei der Tourismus. Doch Terror und geopolitische Spannungen mit Russland stürzen die Branche in die Krise.

von
mch
Die Blaue Moschee in Istanbul ist ein Touristen-Magnet. Doch wegen der Welle von Terror-Anschlägen kommen immer weniger Besucher aus dem Ausland.

Die Blaue Moschee in Istanbul ist ein Touristen-Magnet. Doch wegen der Welle von Terror-Anschlägen kommen immer weniger Besucher aus dem Ausland.

Keystone/Peter Klaunzer

In der Türkei sind die Hotelbuchungen für diesen Sommer gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent eingebrochen. Zudem ist die Kapazitätsauslastung der Hotels bereits über die Hälfte gesunken, wie das «Wall Street Journal» in Bezug auf Branchenzahlen berichtet. Dies, nachdem die Türkei in den letzten Monaten von mehreren Terroranschlägen getroffen wurde.

«Wir sind mit einer grossen Krise konfrontiert, deren Ausmass noch nicht erkannt wurde», sagt Bora Ali, ein Hotelier in Antalya, gegenüber der Zeitung. «Nicht einmal im Traum dachten wir, die Situation würde so schrecklich werden.» Wie Hunderte andere versucht der 35-Jährige nun, sein 3-Stern-Hotel zu verkaufen.

Der Tourismus leidet unter der Geopolitik

Sieben Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter arbeiten in der Türkei im Tourismus. Seit 2001 hat sich der Umsatz des türkischen Tourismus gemäss dem WSJ speziell auch wegen russischer Touristen verdreifacht. Zusätzlich sei die Türkei in den letzten Jahren für viele Araber und Europäer eine Ausweichdestination nach den Unruhen und Konflikten des «Arabischen Frühlings» geworden. Die Welle von Terror-Anschlägen der letzten Monate und die aktuellen geopolitischen Spannungen mit Russland schaden somit beiden Hauptfaktoren hinter dem türkischen Tourismus-Boom.

Die Aussendepartemente mehrerer Länder veröffentlichten Reise-Warnungen oder -Hinweise für die Türkei. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät, grössere Menschenansammlungen und Demonstrationen jeder Art zu vermeiden. «Trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen muss im ganzen Land mit Anschlägen gerechnet werden.»

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