«Dachtet ihr, ihr wärt mich los?»
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«Dachtet ihr, ihr wärt mich los?»

Mit der Überprüfung zehntausender Stimmzettel nach der turbulenten Parlamentswahl hat sich das Gezerre um die politische Zukunft Italiens am Donnerstag fortgesetzt. Romano Prodi reagierte gelassen auf Vorwürfe Berlusconis über den Ablauf der knappen Abstimmung.

«Wir müssen uns über nichts Sorgen machen, wir sind gelassen», sagte der bisherige Oppositionsführer am Donnerstag den Nachrichtenagenturen Ansa und Apcom zufolge.

Berlusconi hatte seinen Vorwurf des Wahlbetrugs in der Nacht zum Donnerstag relativiert. Nach einem Treffen mit Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi hatte er noch am Abend erklärt: «Es gab viele Betrugsfälle.» Die Ergebnisse von mehr als 60 000 Wahlkreisen müssten nachgezählt werden, die Ergebnisse müssten sich ändern. «Dachtet ihr, ihr wärt mich los?», spottete der Regierungschef.

Wenig später erklärte er hingegen, das extrem knappe Ergebnis «erfordert eine gewissenhafte Überprüfung, um mögliche Fehler oder Unregelmässigkeiten zu ermitteln». Es mache keinen Sinn, «mit Worten zu spielen oder Vorwürfe gegen jemanden zu erheben». Von Wahlbetrug war in der Erklärung keine Rede mehr.

Prodi rief Berlusconi zu der Einsicht auf, dass weitere Verzögerungen für ihn sinnlos seien. «Wir haben gewonnen», sagte der Spitzenkandidat des Mitte-links-Bündnisses in seiner Heimatstadt Bologna. «Berlusconi muss nach Hause gehen.» (dapd)

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