Klamme Kulturinstitution: Dada-Haus verliert grosse Geldgeber
Aktualisiert

Klamme KulturinstitutionDada-Haus verliert grosse Geldgeber

Das Zürcher Cabaret Voltaire kämpft mit finanziellen Problemen. Weil wichtige Mäzene abgesprungen sind, müssen Veranstaltungen abgesagt und Ausstellungen verkleinert werden.

von
Antonio Fumagalli

Ein Standort an bester Lage, eine auf Jahre hinaus bezahlte Miete und ein Kunstshop, der profitabel ist – auf den ersten Blick scheint das Cabaret Voltaire, im Volksmund auch Dada-Haus genannt, ausgesprochen günstige Rahmenbedingungen zu haben. Doch finanzielle Schwierigkeiten begleiten es seit Jahren ebenso konstant wie die Provokationen.

In den letzten Monaten haben sich die Wolken über der Zürcher Kulturinstitution erneut verdichtet: «Drei von sechs privaten Geldgebern haben ihre Verträge nicht verlängert, mit einem sind wir noch in Verhandlung», sagt Co-Direktor Philipp Meier. Resultat: Ein Loch von über 100 000 Franken in der Kasse des Trägervereins.

«Kulturhistorisch einzigartige Rolle»

Zwei der abgesprungenen Mäzene wollen anonym bleiben, der dritte ist Andy Rihs, langjähriger CEO von Sonova. «Ich wollte mit meinem Engagement verhindern, dass das Dada-Haus untergeht. Meine Anschubhilfe war allerdings von Anfang an befristet und ich verstehe nicht, weshalb sich die Stadt Zürich nicht ähnlich stark wie für andere Kulturinstitutionen engagiert», sagt der Multimillionär.

Zürichs Kulturbeauftragter Peter Haerle lässt die Kritik nicht gelten: «Die Stadt übernimmt bereits die Miete des Cabaret Voltaire bis ins Jahr 2017. Eine Betriebsfinanzierung war noch nie ein Thema und ist auch weiterhin nicht vorgesehen.» Er betont allerdings die «kulturhistorisch einzigartige Rolle» des Dada-Hauses für Zürich.

«Club zur Spiegelgasse» vs. «Club zum Rennweg»

Weshalb denn das Loch in der Kasse? «Kunst ist unter ökonomischen Gesichtspunkten fast immer ein defizitäres Geschäft. Ihr Wert misst sich nicht in Franken und Rappen, das gilt für den Dadaismus erst recht», sagt Jürgen Häusler, der Präsident des Trägervereins. Kurator Meier ergänzt: «Natürlich könnten wir mit kommerziellen Artikeln den Shop-Ertrag weiter steigern. Aber wir wollen und dürfen nicht aussehen wie all die Läden neben uns», so der Kurator.

Zwar konnten die Einnahmen aus dem Laden und den Saal-Vermietungen in den letzten Monaten gesteigert und die Ausgaben gedrosselt werden. Ein Fehlbetrag blieb dennoch. Das wirtschaftliche Heil soll nun ein neues Modell bringen: Meier & Co. riefen vor einer Woche – in Anlehnung an den finanzkräftigen «Club zum Rennweg» – den «Club zur Spiegelgasse» ins Leben. Wer jährlich 1250 Franken lockermacht, ist dabei und kriegt als Gegenleistung exklusive Einladungen.

«...desto mehr leidet das Programm»

Zehn Mitglieder konnten innert kurzer Zeit gewonnen werden. Um in finanziell ruhigere Fahrwasser zu geraten, sind allerdings noch Dutzende weitere nötig. Bereits mussten die Verantwortlichen Ausstellungen redimensionieren und eigene Veranstaltungen absagen. Wenn nun nicht bald Club-Mitglieder hinzustossen, drohen weitere Kürzungen. Philipp Meier legt Wert darauf, dass die Schliessung des Hauses nicht zur Diskussion stehe. Aber: «Je mehr wir uns aufs Geldeintreiben konzentrieren müssen, desto mehr leidet das Programm.»

Auch der Präsident des Trägervereins ist überzeugt, dass der «Club zur Spiegelgasse» auf positives Echo stossen wird. Bei der Abstimmung von 2008, als das Zürcher Stimmvolk mit grosser Mehrheit die Miete zusicherte, habe man gemerkt, dass das Cabaret Voltaire in der Bevölkerung breit verankert sei. «Diesen Goodwill wollen wir nun ausnützen», sagt Häusler. Es wird eine Kunst sein.

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