Polizei-Ratgeber: Dafür kassiert man als Fussgänger alles eine Busse
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Polizei-RatgeberDafür kassiert man als Fussgänger alles eine Busse

Laut der Kantonspolizei St. Gallen gibt es oft Unklarheiten, welche Rechte und Pflichten Fussgänger im Strassenverkehr haben. In einem Ratgeber, der kürzlich veröffentlicht wurde, schaffen sie Klarheit.

von
Adriel Monostori
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Auf Facebook gibt ein Ratgeber der Kantonspolizei St. Gallen Aufschluss über die Verkehrsregeln für Fussgänger.

Auf Facebook gibt ein Ratgeber der Kantonspolizei St. Gallen Aufschluss über die Verkehrsregeln für Fussgänger.

20min/ajm
Der Polizei sei nämlich aufgefallen, dass einige Personen mit ihren Pflichten im Strassenverkehr nicht vertraut sind.

Der Polizei sei nämlich aufgefallen, dass einige Personen mit ihren Pflichten im Strassenverkehr nicht vertraut sind.

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Unter anderem geht es um das richtige Verhalten von Fussgängern. 

Unter anderem geht es um das richtige Verhalten von Fussgängern.

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Darum gehts

  • Der Kantonspolizei St. Gallen ist aufgefallen, dass nicht alle die Pflichten von Fussgängern kennen.

  • Ein auf Social Media geposteter Ratgeber klärt deshalb auf.

  • Er gibt auch Aufschluss über einige Verhaltensregeln.

  • Auch einige Bussen sind aufgeführt.

«Auch als Fussgängerin oder Fussgänger gehört man zum Strassenverkehr. Viele kennen zwar die damit verbundenen Rechte, sind sich jedoch nicht über die ebenfalls dazugehörenden Pflichten im Klaren», heisst es in einem Post den die Kantonspolizei St. Gallen kürzlich auf Facebook veröffentlichte. Deshalb hat die Polizei einen kleinen Ratgeber zusammengestellt.

Wo haben Fussgänger Vortritt?

Personen, die zu Fuss im Strassenverkehr unterwegs sind, haben auf Fussgängerstreifen, Gehwegen sowie Fusswegen, die mittels blauem Gebotsschild gekennzeichnet sind, Vortritt. Jedes Kind wisse: «Auf dem Fussgängerstreifen habe ich Vortritt!» Aber auf einem Fussgängerstreifen unvermittelt die Strasse zu überqueren, ohne das Anhalten eines herannahenden Fahrzeugs abzuwarten, sei nicht nur rücksichtslos, sondern auch gefährlich.

In Begegnungszonen haben Fussgänger grundsätzlich Vortritt vor dem rollenden Verkehr. Dies gelte auch beim Überqueren der Strasse. Anders sehe dies bei 30er-Zonen aus. «Fussgänger dürfen zwar grundsätzlich überall die Strasse überqueren, sie müssen dabei aber den Fahrzeugen auf der Strasse den Vortritt gewähren», heisst es im Ratgeber.

Verhalten am Fussgängerstreifen und Lichtsignale

Das abrupte Betreten des Fussgängerstreifens ohne Rücksicht auf den rollenden Verkehr kann laut Polizei aus gesetzlicher Sicht ausserdem als «Erzwingen des Vortrittsrechts» gewertet werden, was eine Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung darstellt. Wird die Fahrbahn neben dem Fussgängerstreifen überquert, könne dies mit einer Busse von zehn Franken geahndet werden. Diese Regelung gilt bis 50 Meter vor und nach dem Fussgängerstreifen. Bei Fussgängerüberführungen und -unterführungen gelten dieselben Vorschriften.

Es kommt laut Polizei immer wieder vor, dass Personen in ihren Motorfahrzeugen während der Fahrt abgelenkt sind. «Betritt jemand in diesem Moment den Fussgängerstreifen, kann es zu gefährlichen Situationen oder sogar Unfällen kommen», heisst es im Ratgeber. Ähnlich gefährlich sei auch das Betreten der Fahrbahn beispielsweise hinter einem haltenden Bus oder parkierten Fahrzeugen.

Ampeln gelten auch für Fussgängerinnen und Fussgänger, zumindest diejenigen, die für solche vorgesehen sind. Das Betreten der Fahrbahn bei Rot und somit das Missachten des Lichtsignals kann so auch mit einer Busse von 20 Franken geahndet werden. «Es lohnt sich also nicht nur aus Sicherheitsgründen, die Grünphase eines Lichtsignals abzuwarten», so die Polizei.

Verhalten auf Schnellstrassen

Bei einer Panne auf einer Schnellstrasse ist gemäss Ratgeber höchste Vorsicht geboten. Es sei ratsam, beim Verlassen des Fahrzeugs auf einer Fahrbahn umgehend Schutz hinter der Leitplanke zu suchen. Zudem sollte man sich schnellstmöglich eine Warnweste überziehen. «Unabhängig davon wird das grundlose Betreten der Fahrbahn durch Drittpersonen mit einer Busse von 20 Franken bestraft und ist ebenfalls ausserordentlich gefährlich.» Viele unterschätzen laut Polizei eine solche Situation, respektive die damit verbundenen Gefahren.

Auch beim Joggen oder Spazieren am Fahrbahnrand ohne Gehweg gebe es einiges zu beachten: Halte man sich auf einer öffentlichen Strasse auf, so muss am linken Fahrbahnrand gegangen werden. Sind mehrere Personen zusammen unterwegs, müssen diese hintereinander gehen. Das Gehen oder Laufen ist auch auf Ausserorts-Strecken nicht verboten, erfordert jedoch umso mehr Vorsicht seitens der Fussgängerin oder des Fussgängers. Nicht erlaubt ist der ungezwungene Aufenthalt am Fahrbahnrand von Autobahnen und Autostrasse.

Zehn Franken Busse für:

  • Nichtbenützen des Trottoirs

  • Benützen eines Radwegs durch Fussgängerinnen und Fussgänger, wenn ein Trottoir vorhanden ist

  • Benützen eines Radwegs durch Fussgängerinnen und Fussgänger, wenn ein Fussweg vorhanden ist

Zwanzig Franken Busse für:

  • Nichtbeachten des Signals «Verbot für Fussgänger»

  • Nichtbeachten eines Wechselblinksignals oder eines einfachen Blinksignals

  • Umgehen, Übersteigen oder Unterqueren von Schranken und Halbschranken

Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen

Vor dem Beginn eines Spaziergangs am Strassenrand rät die Polizei dazu, sich bereits zu Hause Gedanken über die geeignete Ausrüstung machen. Ist es draussen dunkel oder die Witterung schlecht, sollte man sich helle Kleidung oder bestenfalls solche mit reflektierenden Komponenten anziehen. Ist solche Kleidung nicht vorhanden, mache es Sinn, sich bei schlechten Sichtverhältnissen mit einer Taschenlampe oder einem anderen Leuchtmittel auszurüsten.

Das Fazit aus Sicht der Polizei: «Rücksicht nehmen. Denn wenn alle Verkehrsteilnehmer aufeinander achten, können viele brenzlige Situationen frühzeitig entschärft werden oder entstehen gar nicht erst.»

Laut Polizeisprecher Pascal Häderli ist die Kapo SG im Fussgängerbereich vor allem präventiv tätig. «Wir suchen das Gespräch und machen Fussgängerinnen und Fussgänger auf ihr Fehlverhalten aufmerksam. Die meisten Fussgänger schätzen dies. Daher werden nur vereinzelt Bussen verteilt», sagt Häderli.

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