Dalai Lama: «Ich bitte China, einen Dialog zu führen»

Aktualisiert

Dalai Lama: «Ich bitte China, einen Dialog zu führen»

Der Dalai Lama hat in einem offenen Brief an das chinesische Volk sein Gesprächsangebot an die Regierung in Peking erneuert. Er appellierte an die dortige Führung, sich solchen Gesprächen nicht zu verschliessen.

«Ich bitte die chinesische Führung dringend, sich in Weisheit zu üben und einen bedeutsamen Dialog mit dem tibetischen Volk zu führen», schrieb das geistliche Oberhaupt der Tibeter in dem am Freitag in Indiens Hauptstadt Neu Delhi veröffentlichten Brief.

Zugleich bekräftigte er seinen Willen, sich gemeinsam mit der chinesischen Führung für Frieden und Stabilität in der Region einzusetzen. Es gehe ihm nicht um eine Unabhängigkeit Tibets von China, sondern darum, «die eigene Kultur, Sprache und Identität» der Tibeter zu bewahren.

Die Olympischen Spiele in Peking wolle er nicht behindern, betonte der Dalai Lama. Als bevölkerungsreichstes Land der Erde, mit langer Geschichte und reicher Zivilisation sowie als aufstrebende Wirtschaftsmacht verdiene China die Spiele, so das geistliche Oberhaupt der Tibeter.

Aber die Regierung müsse sich den Respekt der internationalen Gemeinschaft durch die Einhaltung von Prinzipien wie Freiheit und Rechtsstaatlichkeit im eigenen Land erst verdienen.

Chinas staatliche Medien warnte der Dalai Lama davor, mit der Verwendung «trügerischer und verzerrter Bilder» den «Samen für Spannungen zwischen den Volksgruppen mit unvorhersehbaren langfristigen Folgen» zu säen. Zudem brachte er seine tiefe Trauer über die tibetischen sowie chinesischen Todesopfer der Ausschreitungen zum Ausdruck.

Klöster weiterhin geschlossen

In der tibetischen Hauptstadt Lhasa blieben am Freitag infolge der Ausschreitungen weiter alle buddhistischen Kloster geschlossen. Es sei schwierig zu sagen, wann die Einrichtungen ihre Pforten wieder öffnen dürften, sagte ein Mitarbeiter der Tourismusbehörde von Lhasa, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP am Telefon.

Den Mitte März ausgebrochenen blutigen Ausschreitungen waren mehrtägige friedliche Proteste buddhistischer Mönche vorausgegangen. Mönche des Jokhang-Tempels hatten am Donnerstag die Regierung in Peking vor ausländischen Journalisten scharf kritisiert.

Nach Angaben eines dabei anwesenden Journalisten der US-Zeitung «Wall Street Journal» durften die Mönche in Lhasa ihre Klöster seit dem 14. März nicht mehr verlassen.

Die Mönche, die sich am Donnerstag am Protest beteiligten, sollen nach chinesischen Angaben nicht bestraft werden. Exiltibetische Gruppen äusserten aber angesichts harter Strafen in früheren Fällen ihre Sorge über das «Wohlergehen und den Verbleib» der Mönche.

Augenschein von Diplomaten

Einen Tag nach den ausgewählten Journalisten liess China am Freitag eine Gruppe westlicher Diplomaten zu einem streng reglementierten Kurzbesuch nach Tibet reisen. Die Diplomaten aus 17 Botschaften trafen am Freitagabend in der tibetischen Hauptstadt ein, sollten aber am Samstag schon wieder zurückfliegen.

Das US-Aussenministerium sprach von einem «Schritt in die richtige Richtung». Die Visite sei aber «kein Ersatz» für Besuche von Diplomaten und anderen Beobachtern in den tibetisch bewohnten Unruhegebieten ausserhalb Lhasas. Diese Regionen sind für Diplomaten und Journalisten gesperrt.

(sda)

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