Kunstbanausen: Dalí, Renoir oder Rubens – alles gefälscht
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KunstbanausenDalí, Renoir oder Rubens – alles gefälscht

Hunderte Meisterwerke mit den Signaturen von Dalí, Renoir oder Rubens stapeln sich in den Räumen der kolumbianischen Anti-Drogen-Polizei in Bogotá. Die Gemälde sind bei Drogenbossen sichergestellt worden. Alle waren gefälscht.

Die Drogenbosse hatten die Bilder für Millionen Dollar gekauft, um damit ihre extravaganten Residenzen zu schmücken. Dass die Neureichen der Drogenkartelle mangels Sachverstand zum Grossteil Fälschern auf den Leim gehen, stellt sich oft erst nach aufwändigen Gutachten der beschlagnahmten Bilder bei der Polizei heraus.

«Die Wände dieses Gebäudes sind voll von Werken ohne jeden künstlerischen Wert», sagt Omar Figueroa, der bei der kolumbianischen Rauschgiftbehörde DNE für beschlagnahmte Güter zuständig ist.

30 Prozent sind zu überprüfen

Bei 70 Prozent der beschlagnahmten Gemälde ist bereits sicher, dass es sich um Fälschungen handelt. Der Rest wird noch von Sachverständigen untersucht. Rund 500 solcher Gemälde von kolumbianischen und internationalen Künstlern befinden sich inzwischen im Besitz der DNE.

Jedes beschlagnahmte Gemälde wird dem Nationalmuseum in Bogotá zur Begutachtung übergeben. Leider sei es nicht immer einfach, die Echtheit eines Werkes festzustellen, erklärt ein Vertreter des Museums.

Ein Gutachten könne Jahre dauern und erfordere manchmal auch die Hilfe von Experten für europäische Kunst, was für die Behörde kostspielig wird.

Könnte ja trotzdem echt sein

«So einen Fall haben wir gerade mit einem Rubens, der bei Hernando Gómez Bustamante beschlagnahmt wurde», erzählt Figueroa. Der Drogenboss Gómez Bustamante wurde 2004 in Kuba festgenommen und später an die USA ausgeliefert.

«Das Gemälde wird untersucht, aber wir müssten einen Spezialisten für diese Schule kommen lassen, und dafür fehlen uns die Mittel», bedauert Figueroa. «Wir glauben nicht, dass es sich um einen echten Rubens handelt, aber wir haben keine Möglichkeit, das zu verifizieren. Also warten wir, bei den Herren Drogenhändlern weiss man ja nie.»

In diesem Jahr plant die DNE eine grosse Auktion, bei der sie auf Einnahmen von umgerechnet 100 Millionen Euro hofft. Für 48 Millionen Euro hat sie nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Jahren bereits beschlagnahmte Güter verkauft, darunter Autos, Flugzeuge, Boote oder Motorräder.

Die Käufer haben entgegen der landläufigen Meinung kein Problem damit, Fahrzeuge oder Luxusgüter zu besitzen, die vorher berüchtigten Dealern gehörten, sagt Figueroa.

Seine Behörde wolle lediglich sicher gehen, dass die verkauften Sachen nicht wieder zu den Drogenhändlern oder ihren Familien zurückkehrten, indem sie über Strohmänner zurückgekauft würden.

(sda)

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