Aktualisiert 29.04.2008 08:41

«Damals war das undenkbar, jetzt Tatsache»

Der Freiburger René Fasel (58), seit 14 Jahren Präsident des internationalen Verbandes IIHF, steht vor schönen Tagen. Im Interview äussert sich Fasel über die Premiere in Kanada, die neue Euroliga und andere Pläne.

René Fasel, freuen Sie sich auf die erste WM in Kanada?

«Das Turnier wird mit Sicherheit ein Highlight in meiner Zeit als IIHF-Präsident. Als ich 1994 gewählt wurde, fragte ich mich schnell einmal, ob wir jemals eine WM in Kanada parallel zu den Playoffs um den Stanley Cup organisieren können. Damals war das noch undenkbar, jetzt wird es Tatsache.»

Warum ist es jetzt möglich?

«Jahrelang war die IIHF eine europäische Organisation. Natürlich hatten wir Mitglieder aus anderen Kontinenten. Aber unser Kerngeschäft lag in Europa. Als ich vor 14 Jahren anfing, hatten die USA und Kanada überhaupt nicht das Gefühl, dass die IIHF auch ihre Organisation ist. Aber wir näherten uns an und schlugen Brücken. Die U20-WM war in Übersee in der Vergangenheit stets ein Riesen-Hit. Seit 1998 nehmen NHL-Akteure an Olympischen Spielen teil. Das alles hat dazu beigetragen, dass in Kanada reges Interesse am internationalen Hockey generiert wurde. Und deshalb kann jetzt auch im Eishockey-Mutterland erstmals eine WM stattfinden.»

Nach der WM werden Sie als IIHF-Präsident wiedergewählt. Warum haben Sie erneut kandidiert?

«Primär weil ich den Job liebe und noch nicht alle Ziele erreicht habe.»

Was steht noch auf der Pendenzenliste?

«Wo soll ich anfangen? Erstens glaube ich, dass wir noch mehr Nationen für das Spiel gewinnen können. Und viele unserer Mitglied-Länder können sich noch stark verbessern. Es freute mich riesig, dass Ungarn vor anderthalb Wochen nach 70 Jahren erstmals den Aufstieg in die A-Gruppe schaffte. Und dass Australien in die erste Division (B-WM) aufstieg. An solchen Beispielen lassen sich die Fortschritte der Hockey-Bewegung aufzeigen. Heute zählt die IIHF 65 Mitglieder. Bei den Männern nehmen 48 Länder an der WM teil, bei den Frauen sind es 33. Vor 14 Jahren bestand die IIHF nur aus 35 Ländern.»

Eishockey ist in vielen Ländern populär

Im letzten Jahr engagierte sich die IIHF stark im europäischen Klubeishockey. Warum?

«Weil eine funktionierende europäische Liga gut für den Sport ist. Wenn wir den Klubs eine internationale Dimension bieten, bin ich überzeugt, dass das Hockey besser wird. Nächsten Oktober startet die Champions Hockey League mit zwölf Teams aus sieben Ländern. Im darauffolgenden Jahr sollen 22 Länder teilnehmen. Ich erinnere mich, wie Holland in den Siebzigerjahren zur Fussballmacht aufstieg. Alles begann damals mit den Fortschritten von Ajax und Feyenoord im Europacup. Und was hat der Europacup dem Fussball, Basketball und Handball gebracht? Der Fokus von Klubs und Fans wurde erweitert. Die Euroliga bescherte diesen Sportarten zusätzliche Plattformen und auch zusätzliche Mittel. Eishockey ist in vielen Ländern sehr populär. Ich sehe nicht ein, warum ausgerechnet wir keine solche Liga führen sollen.»

Und warum wird die CHL ein Erfolg, nachdem doch die alte Euroliga ein Verlustgeschäft war?

«Es gibt drei Gründe. Erstens: Der alten Euroliga fehlten die Mittel. Die Champions Hockey League wird im ersten Jahr zehn Millionen Euro an Preisgeldern ausschütten. Soviel Geld wurde noch nie in Klubeishockey investiert. Zweitens ist der Modus viel besser, weil von Anfang an die besten Teams gegeneinander spielen werden. Und drittens winkt dem Sieger die Teilnahme am Victoria Cup gegen einen NHL-Herausforderer. Und genau diese Vergleiche haben sich Klubs, Spieler und Fans jahrelang gewünscht.»

Das bringt uns zu der Beziehung zwischen dem internationalen Verband und der NHL. Wie steht es darum?

«Ich bin stolz auf die Partnerschaften mit der NHL, aber auch mit der Spielergewerkschaft. Es ist kein Geheimnis, dass diese Beziehungen früher nicht gut waren. Mittlerweile sind wir aber richtige Partner. Das belegen die Transferabkommen der europäischen Ligen mit der NHL und die Olympia-Teilnahme der NHL seit 1998.»

Ist das Ihr grösster Erfolg? Dass Sie die NHL vor zehn Jahren an die Olympischen Spiele holen konnten?

«Nagano war bisher sicher mein persönliches Highlight. Nicht nur wegen der NHL, sondern auch, weil 1998 erstmals die Frauen um olympische Medaillen spielten. Mittlerweile ist Eishockey an Winterspielen die wichtigste Sportart geworden. Wir verkaufen die meisten Tickets, haben die meiste TV-Zeit und stellen die meisten Teilnehmer. Eishockey ist innerhalb der olympischen Bewegung sehr wichtig geworden. Viele Leute wissen nicht mehr, dass das nicht immer so war. In den Siebzigerjahren nahm Kanada nicht am Olympiaturnier teil. Und 1976 in Innsbruck entschieden sich die Schweden, nicht anzutreten. Heutzutage wäre das undenkbar.» (si)

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