Marissa Mayer: «Damit tut sie weiblichen Chefs keinen Gefallen»
Aktualisiert

Marissa Mayer«Damit tut sie weiblichen Chefs keinen Gefallen»

Yahoo-Chefin Marissa Mayer posiert lasziv im blauen, hochgeschlossenen Kleid auf einer Liege. Darf eine Chefin das? Zwei Expertinnen geben Antwort.

von
Sabina Sturzenegger

Sie kann sich alles leisten: Einen umstrittenen Führungsstil, eine eigene Kinderkrippe für ihren Sohn sowie die längste Einkaufsliste, die die Internetbranche je gesehen hat: Marissa Mayer, 37-jährige Chefin von Yahoo, ist das It-Girl der Wirtschaftswelt.

Jetzt leistet sich Mayer auch noch ein Bild von sich in der neuesten US-Ausgabe der «Vogue». Im blauen, hochgeschlossenen Kleid und mit High-Heels räkelt sie sich für die Fashionbibel auf einer Design-Liege.

Mayer als schöne Chefin

«Darf eine Chefin das?», fragten die Medien und die Twitter-Gemeinschaft sogleich. Lisa Feldmann, ehemalige Chefredaktorin der Schweizer Frauenzeitschrift Annabelle, sagt zu 20 Minuten: «Ich finde das Bild wunderschön!»

Sie sehe das Problem nicht, wenn eine kluge, schöne Chefin wie Mayer sich als Frau zeige. «Es kann doch nicht sein, dass sich Frauen verstecken müssen, sobald sie Chefinnen sind», sagt die heutige Leiterin des Magazins «Interview» in Berlin.

Männliche Chefs zeigen ihre Körper auch

Im Übrigen würden auch männliche Chefs immer mehr auf ihre Körper achten, und diesen auch gern zeigen: «Wenn erfolgreiche Manager sich fit trimmen und Marathon laufen, tun sie das ja auch, um gut auszusehen, und etwas herzugeben», argumentiert Feldmann.

Monique Ryser, Präsidentin der Business Professional Women Schweiz (BPW), ist ebenfalls der Meinung, dass das Bild der Yahoo-Chefin nicht schade: «Solange es Marissa Mayer egal ist, was andere, zum Beispiel ihre Mitarbeiter, mit dem Bild machen, ist es kein Problem.» Mayer könne damit leben, dass sie als Bildschirmschoner oder Wandverzierung im Büro missbraucht werde.

Nicht alle sind wie Mayer

Das ist für die BPW-Präsidentin gleichzeitig der Grund, warum ein solches Bild nicht für jede weibliche Führungskraft empfehlenswert ist. «Man darf den Fall von Marissa Mayer nicht verallgemeinern», warnt Ryser.

Die Yahoo-Chefin zeige mit dem Bild, dass sie keine ‹normale› Chefin sei. «Damit tut sie jedoch allen anderen Frauen in Führungspositionen keinen Gefallen. Es zeigt ihnen vielmehr, dass sie als Chefin nicht so sein können, wie Marissa Mayer», sagt Ryser.

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