Aktualisiert 05.05.2015 05:40

«Agglorobics»Dance-Battles statt Gewalt in Schweizer Agglos

Der Ghetto-Tanzstil kommt nach Bern und Luzern: Die Agglomerations-Bewohner sollen ihren Frust wegtanzen – und sich in Battles miteinander messen.

von
Sonja Mühlemann
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Bei Agglorobics tanzen sich die Teilnehmer den Frust von der Seele.

Bei Agglorobics tanzen sich die Teilnehmer den Frust von der Seele.

Davy de Pauw
Der Ghetto-Tanzstil stammt ursprünglich aus Los Angeles und kam dann in die französischen Banlieues.

Der Ghetto-Tanzstil stammt ursprünglich aus Los Angeles und kam dann in die französischen Banlieues.

Davy de Pauw
Nun sollen auch die Bewohner von belasteten Schweizer Quartieren gemeinsam Tanzen, sich kennenlernen und Verantwortung füreinander übernehmen lernen.

Nun sollen auch die Bewohner von belasteten Schweizer Quartieren gemeinsam Tanzen, sich kennenlernen und Verantwortung füreinander übernehmen lernen.

Davy de Pauw

Was in den Ghettos von Los Angeles und den Banlieues in Frankreich geschieht, soll nun auch in der Schweiz Einzug halten: Das Phänomen «Agglorobics». Die Idee: Unterschiedliche Bewohner eines Quartiers treffen sich zum gemeinsamen Tanzen und Trainieren. Gerade in den USA versuchen Quartierbewohner, tanzend ihren Frust ausdrücken: «Statt mit Gewalt bauen sie diesen mit Bewegung ab», sagt Tanzprofi Rebecca Weingartner, die das Projekt Agglorobics im Berner Gäbelbach-Quartier leitet.

Was im Ausland von selbst geschehe, wollen die Tanzprofis nun in die Schweiz bringen. Sie besuchen im Rahmen der Schweizer Tanzwoche sechs Agglomerationen. In Bern etwa soll der Gäbelbach-, in Luzern der Emmenbrücke-Style erfunden werden. Zwischen 5. und 7. Mai sind die Bewohner des Gäbelbach zum Workshop eingeladen. Start ist um 18.30 Uhr, Treffpunkt ist die Tramstation Gäbelbach. Am Sonntag, 10. Mai treffen dann die Gruppen aus sechs Schweizer Agglos aufeinander und treten in Fribourg zu einem Battle an.

Verantwortung füreinander übernehmen

«Mitmachen kann jeder – egal in welchem Alter und mit welchem Hintergrund», so Tanzprofi Weingartner. Die Teilnehmer lernen verschiedene Choreographie-Elemente und sollen sich von ihrem Quartier inspirieren lassen. Sie lernen etwa, ihre Gefühle für ihren Lieblingsort in Bewegungen umzusetzen. «Die verschiedenen Elemente werden beim Tanzen jedes Mal neu zusammengewürfelt – jede Aufführung wird anders sein.» Das gemeinsame Tanzen solle zu einem sozialen Treffpunkt werden. «Hierarchien spielen in der Gruppe keine Rolle und jeder muss Verantwortung für den anderen übernehmen», sagt Weingartner. Dies könne man in einem als schwierig geltenden Quartier in den eigenen Alltag umsetzen.

Weiter sollten durch das Tanzprojekt Agglorobics auch andere Grenzen überwunden werden: «Es werden etwa eher Mädchen aus wohlhabenden Schichten in den Ballett-Unterricht geschickt – wir wollen aber allen einen Zugang zu verschiedenen Tanzstilen ermöglichen.»

Weniger Vorurteile und Intoleranz

Auch in Luzern sollen Muster und Bewegungen der Agglo Emmenbrücke in einer Tanzperformance wiedergegeben werden. «Wir möchten erfahren, was hinter der Agglo steckt», erklärt Performerin Diana Rojas, die für die Tanzgruppe in Luzern verantwortlich ist. Man wolle Emmenbrücke ein Gesicht geben. Die 36-jährige Kolumbianerin hat bereits eine Gruppe von 15 bis 20 Leuten zusammengestellt. «Emmenbrücke ist bunt gemischt und gleichzeitig schweizerisch»,erklärt sie. Mit dem Projekt sollten Vorurteile und Intoleranz abgebaut werden. «Agglorobics» beinhalteten auch einen wichtigen sozialen Aspekt: «Das Projekt soll Menschen verbinden und zu einer Einheit formen. Wir wollen, dass die Teilnehmer Freude an ihrer Herkunft haben», erklärt Rojas.

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