Aktualisiert 23.10.2003 18:15

Zürich,

Dandy Cool

Noch bestreiten sie das Vorprogramm von David Bowie. Dabei wären die Dandy Warhols eigentlich die legitimen Thronfolger des Thin White Duke.

Text -- Lukas Rüttimann

Bühne frei für eine Band, die cooler ist, als die Polizei erlaubt. Die Dandy Warhols sehen spektakulär aus, musizieren ohne Grenzen im Kopf, haben Talent, Charisma und einen höchst ungesunden Lebenswandel. Noch Fragen?

Den meisten ist die Band aus Portland, Oregon, freilich erst seit ihrem Werbehit «Bohemian Like You» (für einen Telefonkonzern) ein Begriff. Doch während sich andere Bands in einer solchen Situation vor lauter Scham selbst kasteien würden (Stichwort: Ausverkauf), geniessen die Dandys einfach ihren Erfolg – und meinen dazu lapidar: «We acted like rock stars then, we act like rock stars now.»

Diese Coolness ist nur einer der Gründe, weshalb die Band um Courtney Taylor Taylor (nein, kein Stotterer – der Mann heisst wirklich so) von vielen als Nachfolge-Act des inzwischen manchmal etwas berechenbar gewordenen David Bowie (Seite 4 und 5) gehandelt wird. Wie der innovative Pop-Baron in seinen besten Tagen präsentieren sich die Dandy Warhols auch als eine Art Schwamm zeitgenössischer Befindlichkeiten, die sie in origineller und zwingender Weise zu einer eigenen Kunstform verarbeiten. So haben die vor allem in Europa erfolgreichen Dandys mit ihrem exaltierten Outfit aktuelle Trends wie Glamrock und Neopunk schon vor Jahren vorweggenommen.

Auch musikalisch ist das Quartett mit Dame so etwas wie ein Barometer: Waren die ersten DW-Hits wie «Not If You Were the Last Junkie on Earth» originelle Pop/Rock-Nummern, zeugen die Hits aus dem neusten Werk «Welcome to the Monkey House» von Einflüssen aus Electro, 80er-Jahre-Synthie-Pop und 70er-Jahre-Artrock. So strotzen aktuelle Hits wie «The Last High» oder «We Used to Be Friends» vor Frische und Innovation, mit der einst auch schon David Bowie die Popszene aufzumischen verstand.

Die damalige Coolness des Duke spiegelt sich heute immerhin in seiner Grösse, die Dandy Warhols als Vorband zu engagieren. Damit beweist der Mann nicht nur Geschmack, sondern vor allem auch eine gehörige Portion Mut.

Date

Freitag, 24. Oktober, 19.30 Uhr Hallenstadion ZH, (ausverkauft).

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