2G und zusätzlich getestet – Österreich spurt vor – «2G+ würde auch für die Schweiz Sinn machen»
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2G und zusätzlich getestetÖsterreich spurt vor – «2G+ würde auch für die Schweiz Sinn machen»

Ab heute gilt in Wien 2G+: Wer eine Veranstaltung besuchen möchte, muss neben einem Impf- oder Genesenenzertifikat zusätzlich einen PCR-Test vorweisen. Infektiologe Andreas Cerny fände das auch in der Schweiz sinnvoll.

von
Michelle Muff
(20 Minuten)
Daniel Graf
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In eine Bar kommt nur noch, wer ein Impf- oder Genesenenzertifikat hat und zusätzlich ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen kann: In Wien gilt ab heute in verschiedenen Bereichen 2G+. Infektiologe Andreas Cerny findet die Massnahme sinnvoll. 

In eine Bar kommt nur noch, wer ein Impf- oder Genesenenzertifikat hat und zusätzlich ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen kann: In Wien gilt ab heute in verschiedenen Bereichen 2G+. Infektiologe Andreas Cerny findet die Massnahme sinnvoll.

privat
 «Immer häufiger haben auch Geimpfte und Genesene einen schweren Verlauf und müssen hospitalisiert werden. Das liegt daran, dass der Immunschutz einige Monate nach der Impfung oder der Infektion abnimmt», so Cerny.

«Immer häufiger haben auch Geimpfte und Genesene einen schweren Verlauf und müssen hospitalisiert werden. Das liegt daran, dass der Immunschutz einige Monate nach der Impfung oder der Infektion abnimmt», so Cerny.

20min/Celia Nogler
 Auch in der Schweiz wäre die Einführung einer 2G+-Regel aus epidemiologischer Sicht eine sinnvolle Massnahme, so der Infektiologe.

Auch in der Schweiz wäre die Einführung einer 2G+-Regel aus epidemiologischer Sicht eine sinnvolle Massnahme, so der Infektiologe.

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

  • In Österreich gilt schon ab heute in gewissen Bereichen 2G+.

  • Das bedeutet: Wer eine Grossveranstaltung, eine Bar oder einen Club besuchen möchte, muss genesen oder geimpft und zusätzlich getestet sein.

  • Infektiologe Andreas Cerny sieht darin eine sinnvolle Massnahme: «Auch in der Schweiz wäre so etwas denkbar.»

Nachdem Österreich vergangene Woche Ungeimpfte in den Lockdown schickte, folgt nun auch der Lockdown für alle. Bereits heute Freitag gilt: Um Einlass in Lokale der Nachtgastronomie sowie an Grossveranstaltungen im Sport- und Kulturbereich zu erhalten und an Zusammenkünften von mehr als 25 Personen teilzunehmen, muss neu neben einem Covid-Zertifikat auch ein negatives PCR-Testergebnis vorgewiesen werden – unabhängig davon, ob die Veranstaltung drinnen oder draussen stattfindet. Diese so genannte «2G+-Regel» gilt auch in Teilen Deutschlands bereits.

Der negative PCR-Test darf nicht älter sein als 48 Stunden, nur in Ausnahmefällen genügt auch ein Schnelltest. Zusätzlich wird in Wien die FFP2-Maskenpflicht auf alle Innenräume ausgeweitet. Österreich reagiert mit den Verschärfungen auf die stets steigenden Corona-Fallzahlen und die teils prekäre Situation in Gesundheitseinrichtungen. Am Mittwoch wurde ein neuer Höchstwert von 14’416 Neuinfektionen gemeldet – so viel, wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

«Immunschutz bei Genesenen und Geimpften nimmt ab»

Mit ein Grund für die Einführung der 2G+-Regel sind laut dem Tessiner Infektiologen Andreas Cerny die zunehmenden Impfdurchbrüche: «Immer häufiger haben auch Geimpfte und Genesene einen schweren Verlauf und müssen hospitalisiert werden. Das Problem ist, dass der Immunschutz einige Monate nach der Impfung oder der Infektion abnimmt.» Für Cerny ist 2G+ «eine sinnvolle Massnahme, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen».

Die Abnahme der Antikörper wirke sich verschieden aus: «Etwa sechs Monate nach der Impfung liegt die Schutzwirkung gegen schwere Verläufe bei etwa 80 Prozent. Die Schutzwirkung vor einer leichten oder asymptomatischen Covid-Infektion beträgt zum gleichen Zeitpunkt nach der Impfung nur noch etwa 30 Prozent. Das heisst, nach einer Infektion ist lange ein Schutz vor schweren Verläufen gegeben, nicht aber davor, sich erneut zu infizieren.» Immer mehr Personen seien zwar nicht gefährdet, würden aber zur Zirkulation und damit zur Ausbreitung des Coronavirus auch unter gefährdeten Personen beitragen.

«Auch in der Schweiz wäre 2G+ sinnvoll»

«Man möchte soziale Aktivitäten aufrechterhalten. Mit der 2G+-Regelung versucht Österreich, das der Bevölkerung zu ermöglichen», so Cerny. Auch in der Schweiz wäre die Einführung einer 2G+-Regel aus epidemiologischer Sicht eine sinnvolle Massnahme, so der Infektiologe: «Aktuell ist das aber unrealistisch. In der Schweiz müssen zuerst andere Teilmassnahmen ergriffen werden, bevor eine solche Regelung eingeführt werden würde.» Diskutiert werden etwa eine Wiedereinführung der Maskenpflicht in allen Innenräumen oder erneute Homeoffice-Regelungen. Am Donnerstagmittag verkündete Gesundheitsminister Alain Berset aber noch, dass derzeit keine weiteren Massnahmen nötig seien.

Booster-Kampagne spät ausgerollt

Auch in der Schweiz beschäftigt der abnehmende Impfschutz die Behörden. Gesundheitsminister Alain Berset sagte am Donnerstagmittag an einer Pressekonferenz, dass sich bei über 65-Jährigen der Schutz innerhalb von sechs Monaten nach der Impfung von 90 auf 80 Prozent verschlechtere. Darum sei es wichtig, dass sich ältere Personen mit einer Booster-Impfung schützen. Diese sei grundsätzlich für alle sinnvoll. Doch die Booster-Kampagne ist im Vergleich zu anderen Ländern spät ausgerollt worden und kommt nur schleppend voran. In einigen Kantonen müssen selbst Seniorinnen und Senioren teils noch wochenlang auf einen Termin zum Boostern warten. Das stösst Parlamentariern und Infektiologen sauer auf, sie fordern jetzt rasches Handeln.

«Die Deltavariante, die nun zirkuliert, ist sehr viel ansteckender. Eine Person infiziert mehr andere Personen als in früheren Wellen», so Cerny. Er plädiert deswegen auch in der Schweiz auf die Einführung von der 2G-Regel: «Zusätzlich soll auch wieder eine Maskenpflicht in Innenräumen und in Schulen eingeführt werden. Und es müssen nun dringend Boosterimpfungen für gefährdete Personen zur Verfügung gestellt werden.»

Die Impfwoche habe nicht viel gebracht und auch bei den Boosterimpfungen komme es zu Verzögerungen, so Cerny: «Aktuell treffen wir in der Schweiz keine präventiven Massnahmen, sondern schauen zu, wie die Welle ihren Lauf nimmt.» Man müsse jetzt Teilmassnahmen einführen, sonst riskiere man, dass es wieder zu Schliessungen komme: «Mit den aktuellen Massnahmen fortzufahren, genügt nicht.»

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