Dank Barnetta: Schweiz vor Gruppensieg
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Dank Barnetta: Schweiz vor Gruppensieg

Die Schweiz ist zum ersten WM-Sieg seit 1994 gekommen. Zwölf Jahre nach dem 4:1 gegen Rumänien in den USA schossen Alex Frei (16.) und Tranquillo Barnetta (88.) die Tore zum wichtigen 2:0 gegen Togo.

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Mit einem mühsamen 2:0-Sieg gegen Togo hat sich die Schweiz am Montag an die Spitze der Gruppe G geschossen und so das Tor zum Achtelfinale weit aufgestossen. Die Treffer erzielten der von Borussia Dortmund umworbene Stürmer Alexander Frei (16.) und der Leverkusener Tranquillo Barnetta (88.). 65'000 Zuschauer sahen im Dortmunder Westfalenstadion eine teilweise zerfahrene Partie, in der es wegen des Offensivdrangs beider Teams aber zu zahlreichen Torchancen kam.

Während die etwa 50'000 Schweizer Fans den Sieg ihrer Mannschaft bejubelten, sahen sich die Afrikaner durch eine Schiedsrichterentscheidung betrogen: Als der Schweizer Patrick Müller Togo-Stürmer Emmanuel Adebayor in der 35. Minute der ersten Halbzeit im Strafraum auflaufen liess, konnt Carlos Amarilla kein Foul erkennen. «Auf der Videoanalyse konnte man dann sehen, dass es ein klarer Elfmeter war», räumte auch der Schweizer Trainer Jakob «Köbi» Kuhn ein.

Togo-Coach Otto Pfister konnte seinen Ärger nur mit Mühe zurückhalten. «Man hat uns um die Früchte unserer Arbeit gebracht», schimpfte er. Durch die zweite Niederlage hat sein Team keine Chance mehr auf das Erreichen des Achtelfinales. Ob er angesichts des Misserfolgs und der Prämienstreites sein Amt behält, liess er am Montag offen. Der Mannschaft wollte er keine Schuld geben. «Sie hat sich gut verkauft», befand der Deutsche.

Der Schweiz reicht am letzten Spieltag ein Unentschieden gegen Südkorea, dass ebenfalls vier Punkte, aber ein schlechteres Torverhältnis hat. Auch Frankreich kann mit einem Sieg in der Partie gegen Togo noch eine Runde weiterkommen. Trotz der guten Ausganslage zeigte sich Kuhn unzufrieden mit seiner Mannschaft. Statt den Raum, den Togo gelassen habe, zu nutzen, habe sie ein «Festival der Fehlpässe» abgeliefert. Immerhin habe das Team Charakter und grossen Einsatz gezeigt. «Wenn wir den Ball gehalten hätten, hätten wir viel Kraft sparen können.»

Zu Beginn entwickelte sich ein munteres Spiel. In der 5. Minute prüfte Ricardo Cabanas vom 1. FC Köln den Togoer Torwart Kossi Agassa mit einem Fernschuss, eine Minute später tankte sich auf der anderen Seite Mohamed Kader gegen Philippe Senderos durch, scheiterte aber aus gut 11 Metern an Torhüter Pascal Zuberbühler.

Einer gelungenen Kombination zweier Bundesliga-Spieler entsprang schliesslich das 1:0. Der zuletzt angeschlagene linke Aussenverteidiger Ludovic Magnin vom VfB Stuttgart schlug eine weite Flanke auf Barnetta, der liess den Ball abtropfen und Frei musste nur noch den Fuss hinhalten. «Ich bin einfach nur glücklich», sagte der Stürmer, der durch ein unglückliches Handspiel im Spiel gegen Frankreich den ersten Schweizer Sieg bei der WM verhindert hatte. Am Montag wurde er von der FIFA zum «Man of the Match» gekürt.

Schweizer Fans besingen schon Finaleinzug

Mit zunehmender Spieldauer erarbeite sich Togo in der ersten Hälfte ein Übergewicht, die Schweizer agierten viel zu hektisch und leisteten sich in der Abwehr einige Schnitzer. Adebayor von Arsenal London forderte nach dem Foul von Müller in der 35. Minute lautstark einen Elfmeter, auch danach hatten die «Sperber» noch gute Möglichkeiten im Schweizer Strafraum. «Uns hat letztlich das Glück im Abschluss gefehlt», haderte Pfister.

Zur Halbzeit wechselte Kuhn für den glücklosen Daniel Gygax Hakan Yakin ein, der für deutliche Belebung im Schweizer Spiel sorgte. In der 64. Minute vergab der Ex-Stuttgarter nach schöner Vorlage von Frei freistehend. Togo bemühte sich weiter, kam aber nur noch zu wenigen Chancen. Barnetta sorgte schliesslich in der 88. Minute für die Entscheidung: Der eingewechselte Mauro Lustrinelli passte auf den Leverkusener Mittelfeldspieler, der mit einem schönen Schrägschuss aus etwa 15 Metern das 2:0 erzielte.

Togo wurde im schwülen Westfalenstadion lediglich von einem versprengten Häufchen Fans in gelben Trikots unterstützt. Die Schweizer, die die Dortmunder WM-Arena in leuchtendes Rot getaucht hatten, sangen nach dem Abpfiff schon das «Finale» herbei. Kuhn teilte die Euphorie nicht. «Wir haben lange Zeit unheimlich viele Fehler gemacht. Aber ich weiss, was dass die Truppe das besser kann.» Die nächste Gelegenheit hat sie am Freitag in Hannover.

Togo - Schweiz 0:2 (0:1)

Westfalenstadion. - 65 000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Amarillo (Par).

Tore: 16. Frei 0:1. 88. Barnetta 0:2.

Togo: Agassa; Assimou Touré, Tchangai, Nibombe, Forson; Agboh (25. Salifou); Dossevi (69. Senaya junior), Romao, Maman (87. Malm); Kader, Adebayor.

Schweiz: Zuberühler; Philipp Degen, Müller, Senderos, Magnin; Barnetta, Cabanas (77. Streller), Vogel, Wicky; Gygax (46. Hakan Yakin); Frei (87. Lustrinelli).

Bemerkungen: Togo ohne Abalo (gesperrt) und Assemoassa (verletzt), Schweiz ohne Behrami (verletzt). - Verwarnungen: 45. Salifou (Foul), 47. Adebayor (Reklamieren), 52. Romao (Foul), 92. Vogel (Unsportlichkeit).

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