Dank Ches Zigarre Kult geworden
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Dank Ches Zigarre Kult geworden

Sein Foto des Zigarre rauchenden Che Guevara von 1963 ziert T-Shirts und Einkaufstaschen. Nächsten Mittwoch wird der weltberühmte Zürcher Fotograf René Burri 75 Jahre alt.

Schon Burris erstes Foto zeigte einen Prominenten: Winston Churchill. Der 13-jährige zukünftige «Magnum»-Fotograf hatte sich für dessen Besuch in Zürich Vaters Kamera ausgeliehen. Drei Jahre später trat er in die Kunstgewerbeschule ein und lernte dort die Grundlagen der Fotografie.

Zu seinen Lehrmeistern zählten der Bauhauskünstler Johannes Itten und Hans Finsler, ein Begründer der modernen Sachfotografie. Dessen Spiel mit abstrakten Linien und seine Hinweise zur Komposition des Motivs im Sucher schulten Burris Blick fürs Grafische.

Spielend an die Spitze

Die Fähigkeit, Flächen und Linien in ein spannungsreiches Verhältnis setzen zu können, belebte seine Aufnahmen. Diese Fähigkeit kam Burri in den Tempeln Japans, den Hochhausschluchten Sao Paulos, den Strassen von Kuba, im Nachkriegsdeutschland, in den Kneipen Saigons und anderswo zugute, immer mehr Magazine und Zeitungen in aller Welt drucken seine Bilder seitenweise.

Seine erste Geschichte über eine Gehörlosenschule deponierte er in Paris bei der renommierten Fotoagentur Magnum. Kurze Zeit später erhielt er eine Ausgabe der Illustrierten «Life» mit seinen Bildern drin zugeschickt. Darunter stand «René Burri, Magnum». Vollmitglied wurde er 1959.

«Die Deutschen»

Neben seiner Arbeit für Magazine und Zeitungen wie «Life», «Stern» oder «New York Times» verfolgte Burri immer auch eigene Projekte. So fotografierte er etwa im Militärdienst - was ihm zunächst Arrest einbrachte, schliesslich aber dann doch offiziell erlaubt wurde.

1960 erregte er mit der Reportage und Ausstellung «Die Deutschen» Aufsehen. Dafür hatte er unvoreingenommen dies- und jenseits der (späteren) Mauer fotografiert. Das daraus entstandene Buch aktualisierte er nach der Wende mehrmals.

Kein Paparazzo

Mit einem eigenen Stil, nie verletzend, hat er sich im wahrsten Sinne nach vorne gearbeitet, wobei ihm das Gerangel um die besten Fotografenplätze oft zu viel gewesen sei, wie er der Zeitschrift «Photographie» sagte. Bei der dann notwendigen Sicht aus einer anderen Perspektive habe er jedoch auch seinen individuellen Stil entwickelt.

Von Picasso, den er unbedingt kennenlernen wollte, schuf er eine unvergesslich Bilderserie. Auch von Tinguély und Le Corbusier hat er berühmte Porträts geschossen. René Burris Fotografien hängen in renommierten Museen, etwa der Bibliothèque nationale in Paris oder im New Yorker Museum of Modern Art.

Doch nie hat er dabei seine Objekte ausgebeutet. Als er 1967 kurz nach dem Sechstagekrieg in den Sinai reiste, sah er die Hand eines Toten aus dem Wüstensand ragen. Er wusste, dass das eine «grandiose Doppelseite in «Paris Match»» abgeben würde, wie er einmal erzählte.

Statt abzudrücken, drehte er sich um und übergab sich.

(sda)

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