Aktualisiert 07.06.2018 03:48

Umstrittene Handyregeln

«Dank dem Handy schreibe ich gute Noten»

Handyregeln wirken sich laut einer Studie negativ auf die schulischen Leistungen aus. Doch Schüler finden: Am Handy hängen mache auch klug.

von
B. Zanni
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Emilia, Carla, Joanna, Céline (von links) sagten, dass sie durch den Handykonsum in der Schule profitierten. Dennoch sind ihnen Handyregeln nicht fremd.

Emilia, Carla, Joanna, Céline (von links) sagten, dass sie durch den Handykonsum in der Schule profitierten. Dennoch sind ihnen Handyregeln nicht fremd.

bz
Fabienne bleibt auf dem Weg in die Mittagspause plötzlich wie angewurzelt stehen. Gebannt schaut sie auf ihr Handy.

Fabienne bleibt auf dem Weg in die Mittagspause plötzlich wie angewurzelt stehen. Gebannt schaut sie auf ihr Handy.

bz
Auch Fabiennes Freundin will den neusten Instagram-Post nicht verpassen und guckt neugierig mit. Ihr eigenes Handy hat sie nicht dabei – es liegt wie immer, wenn sie aus dem Haus geht, gut versorgt zu Hause.

Auch Fabiennes Freundin will den neusten Instagram-Post nicht verpassen und guckt neugierig mit. Ihr eigenes Handy hat sie nicht dabei – es liegt wie immer, wenn sie aus dem Haus geht, gut versorgt zu Hause.

bz

Fabienne bleibt auf dem Weg in die Mittagspause plötzlich wie angewurzelt stehen. Gebannt schaut sie auf ihr Handy. Auch Fabiennes Freundin will den neusten Instagram-Post nicht verpassen und guckt neugierig mit. Ihr eigenes Handy hat sie nicht dabei – es liegt wie immer, wenn sie aus dem Haus geht, gut versorgt zu Hause. «Meine Eltern sind ziemlich streng», sagt die 12-jährige Gabrielle. Zu Hause dürfe sie das Handy maximal eine Stunde benutzen. Gehe ihr Vater auf Geschäftsreise, nehme er ihr Smartphone sogar mit. «Und sonst kontrolliert er meinen Konsum oft über eine App.» Mittels Screen Time sehe er genau, welche Apps sie benutze und wie lange sie sich mit dem Handy beschäftige.

Laut einer Studie der Universität Zürich schneiden Jugendliche, deren Eltern früh den Handykonsum zugunsten schulischer Leistungen einschränken, im College schlechter ab als ihre Mitstudenten. Für Gabrielle ist dies aber kein Grund, bei ihrer Mutter um mehr Handyzeit zu betteln. «Ich bin dankbar, dass meine Eltern so streng sind. Sonst hätte ich sicher schlechtere Noten.» Sie sei aber überzeugt: «Hätte ich die Gymiprüfung geschafft, hätten meine Eltern die Regeln gelockert.»

Guten Leistungen dank Serien

Andere Jugendliche hingegen sehen in den digitalen Medien kein Gift für die Leistungen. «Ich habe in Bio eine 5,6 – sicher auch, weil ich auf dem Handy oft CSI Miami schaue», sagt Sekschülerin Carla (14) strahlend. Dank der Serie habe sie im Biologieunterricht einen Vorsprung gehabt und sich viel zu Wort gemeldet. «Viele Organe kannte ich schon, weil sie in der Serie ja oft Leichen aufschneiden.» Auch ihre Kolleginnen stimmen zu. «Durch die englischen Spiele und Serien lernt man viel für den Englischunterricht», sagt Joanna (13). Über das Game Minecraft habe sie sich einige englische Begriffe angeeignet.

Und Emilia (13) erinnert sich: «Einmal schaute ich eine Folge ‹Pretty Little Liars› auf Englisch. Am nächsten Tag kamen mir im Englischunterricht deshalb recht viele Wörter wieder in den Sinn.» Auch Amir (16) sieht im Handykonsum schulische Vorteile. «Wenn man mit Deutschen schreibt, fällt es einem in der Schule leichter, hochdeutsch zu schreiben», sagt der Försterlehrling.

Strikte Handyverbote

Dennoch sind den Jugendlichen Handyregeln nicht fremd. Instagram, Snapchat, Whatsapp, Netflix, Youtube und Games wie Pianotiles oder Playerunknown's Battlegrounds ziehen sie oft in den Bann. Vor dem Schlafengehen habe er seiner Mutter das Handy abgeben müssen, so Amir. «Ich spielte zuvor die ganze Nacht Shooter-Games.»

Mit 14 Jahren habe er das Handy «nach einem langen Kampf» wieder zurückerobert, so Amir. «Schliesslich war es normal, mit Freunden nachts zu schreiben.» Auch könne er ohne Musik nicht einschlafen. Heute hingegen hänge er nachts nicht mehr am Handy. «Ich bin jetzt in der Lehre und muss morgens fit sein.» Pro Tag verbringt Amir vier bis fünf Stunden am Handy. «Bei Netflix-Serien wie The Blacklist oder Haus des Geldes passiert am Ende der Staffel immer genau noch etwas und schon ziehe ich mir die nächste Folge rein», klagt Amir.

«Ich war ein Suchti»

Auch Carla berichtet: «Meine Mutter hat mir das Handy immer nach 19 Uhr weggenommen.» Manchmal habe sie es sogar für mehrere Tage eingezogen. «Ich war auch ein Suchti. Ich spielte dauernd solche Kinder-Apps. Irgendwann bekam ich Kopfschmerzen und mir wurde schwindlig.» Céline (13) darf erst zum Handy greifen, wenn sie die Ufzgi erledigt und für Prüfungen gelernt hat.

Bei anderen Schülern greifen die Eltern spontan ein. «Wenn ich zu lange am Handy bin oder wir mit der Familie etwas unternehmen, muss ich das Handy weglegen», sagt Gymischülerin Adina (15). Eine Ausnahme sei, wenn sie für die Schule lerne. «Manchmal übe ich Voci mit dem App Quizlet.» Ähnliche Sitten herrschen bei ihrem Klassenkameraden Robin (16). Am Tisch oder auf Familienausflügen lege er das Handy auch freiwillig weg. «Es ist höflicher, mit der Familie zu reden, als ins Handy zu starren.» Von richtigen Handyregeln halten die beiden Gymischüler nichts. Gerade in ihrem Alter sei der Drang zu rebellieren schliesslich gross.

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