Hochwasser in Schleitheim SH - «Dank den Bewohnern erstrahlt unser Dorf bald wieder im alten Glanz»
Publiziert

Hochwasser in Schleitheim SH«Dank den Bewohnern erstrahlt unser Dorf bald wieder im alten Glanz»

Die 1700-Einwohner-Gemeinde Schleitheim ist überflutet worden wie seit hunderten Jahren nicht mehr. Gemeindepräsident Urs Fischer erzählt von den Aufräumarbeiten.

von
Claudia Blumer
1 / 7
«Die Stimmung im Dorf ist gut, das nutzen wir»: Gemeindepräsident Urs Fischer (rechts) und Baureferent Sämi Kradolfer.

«Die Stimmung im Dorf ist gut, das nutzen wir»: Gemeindepräsident Urs Fischer (rechts) und Baureferent Sämi Kradolfer.

Schleitheim Schaffhausen – bei Normalzustand.

Schleitheim Schaffhausen – bei Normalzustand.

Wikipedia
Am Donnerstagabend, 15. Juli, verwandelte sich die Strasse in einen reissenden Bach.

Am Donnerstagabend, 15. Juli, verwandelte sich die Strasse in einen reissenden Bach.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Schleitheim im Kanton Schaffhausen wurde vergangene Woche vom Dorfbach überflutet. Gemeindepräsident Urs Fischer erzählt, wie er die Flut erlebt hat.

  • 60 Gebäude wurden überflutet, Autos, Container und Bäume wurden weggeschwemmt. Leute wurden angewiesen, im Haus zu bleiben.

  • Rund 120 Personen von der Feuerwehr und vom Zivilschutz waren am Wochenende im Einsatz. Auch gegen 200 Freiwillige aus dem Dorf haben bei den Aufräumarbeiten geholfen.

Am Donnerstagabend war es noch friedlich und mild, es hat nur ganz leicht geregnet. Gemeindepräsident Urs Fischer fuhr durchs Dorf und redete mit Leuten. «Ich habe schon gesehen, dass der Bach hoch ist», sagt er. Doch er habe nichts Böses gedacht.

Plötzlich aber stieg der Dorfbach - der «Schlaatemer Bach», normalerweise ein kleines Bächli - innert weniger Minuten auf bis zu drei Meter an. Das Dorf wurde überflutet, die Strasse zum reissenden Bach. Autos, Container, Bäume wurden weggeschwemmt. Das Wasser drang in die Häuser ein. Eineinhalb Stunden später war der Spuk vorbei, der Wasserpegel senkte sich wieder. Zurück blieb ein verwüstetes Dorf.

«Es herrscht eine Sauerei. Doch grössere Schäden an den Häusern gibt es nicht.»

Urs Fischer, Gemeindepräsident Schleitheim SH

Dank 120 Helfern von Feuerwehr und Zivilschutz sowie gegen 200 Freiwilligen aus dem Dorf seien die Aufräumarbeiten auf gutem Weg, sagt der Schleitheimer Gemeindepräsident Urs Fischer Anfang Woche. «Bald erstrahlt unser Dorf wieder im alten Glanz.» Die Bewohner habe er nicht mobilisieren müssen, sie hätten von sich aus mitgeholfen. Überhaupt sei die gegenseitige Hilfsbereitschaft gross gewesen in den letzten Tagen, sagt Fischer stolz.

Noch stünden Schwemmholz- und Müllberge herum, und das schlammige Wasser habe überall Staub und Schmutz hinterlassen. «Es herrscht eine Sauerei. Doch grössere Schäden an den Häusern gibt es nicht», sagt Fischer. Jedoch viele überschwemmte Keller. Eine Autogarage habe wegen der Schäden vorübergehend schliessen müssen. Ein Feuerwehrmann sei von einem Hund gebissen worden, zwei Bewohnerinnen hätten einen Schock erlitten und betreut werden müssen.

Nicht zu vergleichen mit Deutschland

Fischer betont im Gespräch, dass man die Situation in Schleitheim nicht vergleichen könne mit jener auf der anderen Seite der Landesgrenze, wo ganze Dörfer weggespült wurden und zahlreiche Menschen ihr Leben verloren haben. «Bei uns wurde kein Haus beschädigt.» Und doch sei so eine Hochwassersituation ein grosser Schreck und eine Herausforderung. Gemeindepräsident Fischer lief durchs Dorf und wies die Leute an, zuhause zu bleiben und sich ja nicht in die Fluten zu begeben.

«Einige wollten in den Fluten noch Gartengeräte retten. Ich sagte: Vergiss es, geh sofort ins Haus. Eine Tolle ohne Schachtdeckel und du fällst hinein.» An der höchsten Stelle war das Wasser 1,7 Meter hoch - so gross wie ein erwachsener Mensch.

In wenigen Minuten stieg der Bach dramatisch an und überschwemmte das Dorf. Bewohner filmten die Szene.

In der Nacht auf Freitag habe er fast gar nicht geschlafen, erzählt Fischer. Noch am selben Donnerstagabend wurde der Gemeindeführungsstab eingerichtet, ein Krisengremium. In den folgenden 48 Stunden hätten die Helfer und Helferinnen mit vereinten Kräften aufgeräumt. Der Bach war auf einer Länge von einem Kilometer über die Ufer getreten und hat auf dieser Strecke rund 60 Gebäude überflutet. Keller hätten mithilfe einer Kanalisationsreinigungsfirma ausgepumpt werden müssen, die mit sechs Lastwagen zugegen war. «Wir mussten nicht nur Wasser auspumpen, sondern auch heikle Materialien wie Heizöl», sagt Fischer.

Auch richtete die Gemeinde im Schulhaus eine Beratungsstelle für Sachschäden und Versicherungsfragen ein. «Eigentlich herrscht im Dorf eine sehr gute Stimmung», sagt Fischer. Die habe man genutzt. Viele hätten sich gegenseitig geholfen, den Keller oder die Firma auszuräumen. Auch stehe in der Landwirtschaft noch viel Arbeit an: Bäume fällen mit Spezialmaschinen, schneiden und abtransportieren. «Nach aussen sehe alles wieder normal aus», sagt Fischer. Hinter den Fassaden gebe es aber noch einiges zu tun.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

3 Kommentare